30 Tage für meinen Roman

Ich habe gewonnen!

National Novel Writing Month Winner 2015

Ich habe die Herausforderung des National Novel Writing Month angenommen und diesen November 50.000 Roman-Wörter geschrieben. Das entspricht etwa 170 Buch-Normseiten.

Wow, Carmen hat in 30 Tagen einen Roman geschrieben?
Nuuuun … nein.
Ein richtiger Roman hat eher so 100.000 bis 150.000 Wörter, ein Fantasy-Epos gerne auch mehr. Mit 50.000 Wörtern hat man allenfalls ein Kinderbuch oder eine Novelle fertig.

In diesem Wettbewerb geht es darum, 30 Tage an seinem Roman zu schreiben. Nicht unbedingt, ihn abzuschließen – und vor allem nicht so, dass er druckreif wäre. Das ist für Normalsterbliche kaum möglich. Es geht darum, einen Entwurf von mindestens 50.000 Wörtern zu produzieren, und zwar so schnell wie möglich.

Den inneren Kritiker abschalten, nicht mehr grübeln, nicht mehr aufschieben, nicht weitere Details recherchieren und Plot-Alternativen prüfen. Optimiert wird später, wenn der erste Entwurf fertig ist, wenn man weiß, worauf alles hinausläuft, was funktionieren wird und wo noch Lücken gähnen. Jetzt hieß die Aufgabe: Sich einfach auf den Hosenboden setzen und schreiben! Im Durchschnitt 1.667 Wörter am Tag. Dafür brauchte ich am ersten Tag vier Stunden, in der letzten Woche teils nur 40 Minuten.

Was ist daran so schwer?
Im Nachhinein frage ich mich das auch. Ich hatte alle Voraussetzungen, um schnell weiterzukommen – eine detaillierte Fantasy-Welt, spannende Figuren, drei Meter Handlungsplan … Doch noch mehr hatte ich Ausreden: Alles nicht gut genug, keine Zeit wegen Sommerjob, keine Zeit wegen Besuch … irgendetwas fällt einem immer ein und schon ist wieder eine Woche herum und man hat vergessen, worum es in dem Buch eigentlich gehen sollte. Die große Romanverhinderungsstimme flüstert Tag und Nacht:

  • Lieber noch ein bisschen warten, bis ich wirklich die Zeit habe, mich ausgiebig in die Geschichte zu vertiefen.
  • Wenn ich erstmal schreibe, dann soll es auch wirklich gut werden, schließlich habe ich schon so lange daran herumgeplant, der nächste Schritt muss ein druckreifer Text sein.
  • Und sowieso wartet die Welt nicht auf dieses Buch und ich bin allein hier vor diesem Bildschirm und alles ist furchtbar, also lieber schnell auf Facebook oder raus und sich ablenken.

Der National Novel Writing Month hat all das geändert. Wenn man auf der Website einen Account anlegt, bekommt man jede Menge nützliche Tools, die genau diese Probleme angehen:

  • Ein unbarmherziges Balkendiagramm zeigt den täglichen Fortschritt und was passiert, wenn man nur einen oder zwei Tage sein Soll nicht erfüllt.
  • Wenn man aber wieder etwas geschafft hat, gibt es Belohnungen: dafür, dass man überhaupt anfängt; für die ersten 1667 Wörter; dann wieder für 5000, 10.000 …; wenn man zehn Tage am Stück geschrieben hat, wenn man an einem Schreibtreffen teilgenommen hat oder beim Schreiben zuviel Kaffee trinkt 🙂
  • Ermutigende E-Mails, „Pep Talks“ und der Austausch im Forum hämmern einem ein, dass man einfach drauflosschreiben soll, überarbeitet wird später. Am hilfreichsten fand ich die „Word Wars“ – Wettschreiben gegen die Zeit: Man verabredet mit anderen im Forum, dass man beispielsweise von 20 bis 20.30 Uhr schreiben wird, und postet anschließend, wie viele Wörter man geschafft hat. Es gibt nichts zu gewinnen und niemand schimpft, wenn man nicht in die Pötte kommt – aber dieses ganz einfache Mittel hat bei mir bewirkt, dass ich die 30 Minuten konzentriert sitzen blieb, nur auf mein Dokument sah und in die Tasten haute. Und im Schnitt ca. 1000 Wörter produzierte, an denen ich sonst vielleicht zwei Stunden herumgetüftelt hätte. Das Beste daran: In dieser halben Stunde übernahmen oft meine Figuren völlig die Regie. Meine Hauptfigur fand einen unterirdischen Gang, den ich selber noch nicht kannte und super spannend finde. Mein Antagonist hat mir mit der Weinflasche eins übergezogen und mir endgültig klargemacht, dass ich auch aus seiner Perspektive schreiben muss. Und und und. Manches davon muss ich am Ende vielleicht wieder streichen – aber ich glaube, dass ich allein durch das Ausschalten meines grübelnden Gehirns mehr Kreativität freisetzen konnte als sonst.
  • Für diese Wettschreiben ist eigentlich zu jeder Tages- und Nachtzeit jemand im Forum zu haben. Auch für jede Frage, jede Sorge und jede Anekdote, die man mit anderen Schreibern teilen möchte. Weltweit haben Hunderttausende Autoren am „NaNo“ teilgenommen, allein im kleinen Dänemark waren es über 2000. In finsteren Momenten, wo man am Sinn des Ganzen zweifelt, ist es schön zu wissen, dass andere ähnlich spinnerte Projekte verfolgen und vielleicht genau das Problem gerade bewältigt haben, vor dem man momentan steht.

Man könnte natürlich schummeln – seinen Fortschritt muss man selber eintragen und niemand prüft am Ende, ob die 50.000 Wörter wirklich dein eigener, selbst geschriebener, lesbarer Roman sind. Aber damit betrügt man ja nur sich selbst!

National Novel Writing Month Winner

Ich finde, ich habe wirklich gewonnen:

  • Nach mehreren Monaten voller kreativer Vermeidungsstrategien fiebere ich jetzt danach, das Ding zu Ende zu schreiben und die letzten Lücken zu füllen.
  • Ich habe erkannt, dass Schreiben schnell gehen kann und dass man dafür nicht unbedingt eine jahrelange Auszeit braucht. (Ganz nebenbei bemerkt, habe ich im November wieder angefangen, als freie Texterin zu arbeiten, und gleich einen größeren Auftrag gestemmt, so dass die meisten Romanworte erst abends ab neun entstanden!)

Nano 2015 Ein Drittel Plot geschafft

Also: Genug Pause gemacht – jetzt heißt es: Weiterschreiben! Denn trotz der 50.000 Wörter – und weiteren 20.000, die ich vor November schon hatte – bin ich grad mal im Mittelteil meines Drei-Meter-Handlungsplans angekommen …

Nano Now What Months

 

Und wenn die Geschichte zu Ende geschrieben ist?
Dann geht die Arbeit erst richtig los: Denn nach dem Schreiben ist vor dem Überarbeiten!

Vielleicht seid ihr 2016 auch dabei? Vor dem nächsten „NaNo“ im November gibt es im April und Juli jeweils ein „Camp NaNo„, wo man sich selbst einfachere Ziele setzen kann, z. B. ein paar Kurzgeschichten mit zusammen 10.000 Wörtern zu schreiben. Macht Spaß, bringt viel und kostet nix! Ich will es auf jeden Fall wieder probieren.

Update, 26.10.16: Der nächste NaNo naht und ich mache wieder mit.

Was Schriftsteller von Schneidermeistern lernen können

Ich stehe hier stolz wie Oskar in meinem ersten selbst gefertigen Kleidungsstück. Sieht aus wie eine Daunenweste, ist aber aus Recyclingmaterial: Reste von IKEA-Bettüberwürfen, -Kissenhüllen und den dazugehörigen Stoffsäckchen wollten zu neuem Leben erweckt werden. Nebenbei passt das Outfit perfekt zu meinem Sofa, genau wie meine Laptophülle und meine Wärmeflaschentasche.

Die Weste war mein Projekt für einen Nähkurs, den ich gerade abgeschlossen habe. Hier auf Møn gibt es eine sehr gute Schneidermeisterin, Charlotte Wiegand, die in ihrem Kursuscenter Emilielunden Anfänger und Fortgeschrittene unterrichtet. Mein Kurs bestand aus einer unerfahrenen Mittvierzigerin – mir – und einem munteren Trupp älterer Damen, die in meinen Augen unglaublich professionelle Dinge fabrizierten und mir blutiger Anfängerin erstmal zeigen mussten, wie man die Stoffschere richtig hält. Egal, ich lerne und es macht Spaß!

Natürlich wollte ich mich mit dieser kreativen Betätigung vor allem auch vom Romanschreiben ablenken, aber wie schon bei meinem Sommerjob als Rezeptionistin, musste ich feststellen, dass man auch beim Nähen vieles lernt, das einem beim Schreiben zugute kommen kann.

Geduld für gründliche Vorarbeit

Überlegen, was du nähen willst, warum dir das Teil gefallen würde, ob es einen besonderen Stoff braucht oder durch einen ausgefallenen Kragen besticht. Passende Stoffe und Fäden beschaffen, vielleicht auch noch Futter, Schrägband und Reißverschlüsse. Deine eigenen Maße nehmen, am besten mit sachkundiger Hilfe. Ausgangs-Schnittmuster an deine tatsächlichen Maße anpassen. Zusammenkleben, anprobieren, justieren, dann erst im Stoff ausschneiden und nochmal zusammenstecken, anprobieren, justieren! Das alles dauert Stunden und du hast noch keinen einzigen Stich genäht!

Beim Schreiben gut überlegen, was deine Botschaft sein soll, was das Spannende an der Geschichte ist und in welcher Form sie sich darstellen lässt. Dann Material sammeln, recherchieren, ordnen, Schauplatz und Charaktere anlegen. Dann Handlung planen, überlegen, ob sie alle Inhalte wiedergibt, probieren, ob er für den unbeteiligten Leser verständlich wäre, Löcher ausbessern! Das alles dauert Wochen und du hast noch kein einziges Wort geschrieben!

Der gute Zuschnitt ist wichtig

Jeder Zentimeter zuviel oder zuwenig kann sich rächen, weil nachher das Kleidungsstück an den unmöglichsten Stellen zwickt oder Falten wirft. Egal wie toll der Stoff und wie mühsam das Nähen, du wirst es ganz hinten im Kleiderschrank verstecken.

Überleg dir genauso gut, wie viele Figuren du in dein Buch zwängst, wie viel Weltenbeschreibung du unterbringst und wie du den Spannungsbogen aufbaust. Es wäre doch schade, wenn der Leser überfordert ist oder sich langweilt – und dein Buch ganz hinten im Regal versteckt.

Noch mehr Geduld für saubere Ausführung

Wieder auftrennen, wenn eine Naht nicht ordentlich sitzt. Alles von vorn, wenn du ein Stück Stoff aus Versehen falschrum angenäht hast. Eine Woche warten, bis der Faden nachgeliefert wird, der dir ausgegangen ist. Wirklich sorgfältig an Details arbeiten, wie Schrägband und Reißverschluss. Von der Ferne sieht man das nicht alles, aber wenn du das Kleidungsstück am Leib trägst, wirst du dich ewig ärgern, wenn mittendrin Fäden rausstehen, Muster schief laufen oder du vergessen hast, einen Aufhänger einzunähen, bevor du den Kragen befestigt hast.

In diesem Sinne: Texte gut formulieren, schöner Sprachrhythmus, keine Klischees oder Sachen, die nicht in die Zeit oder Welt passen. Stimmige Überschriften, nachvollziehbare Entwicklungen, keine Tippfehler. Der begeisterte Leser wird vielleicht nach sieben Kapiteln die eine oder andere Scharte gnädig übersehen. Aber es wird dich selbst stören, wenn du es mit einmal mehr Zurücktreten und Drüberschauen leicht hättest optimieren können.

Habt ihr ein Hobby, das euch beim Schreiben oder bei eurer Arbeit weitergeholfen hat?

Mixed-Media-Malworkshop

Letzten Samstag habe ich neue Kreativtechniken ausprobiert – mit erstaunlichem Ergebnis.

Mixed-Media-Malworkshop 00

Wo kommt dieser Dschungel aus Farben und Formen nur her?

Ich war beim Mixed-Media-Malworkshop der Künstlerin Lise Meijer, die mit gemustertem Papier, viel Farbe, Fantasie und Liebe traumhafte Welten schafft. Im Februar habe ich unter ihrer Anleitung schon ein kreatives Vision Board erstellt, das mir immer noch hilft, meine Träume zu visualisieren und über den Augenblick hinauszusehen.

Diesmal waren wir sechs experimentierfreudige Frauen, die sich in einem Raum voller Mal- und Bastelutensilien trafen. Und zu meiner Freude durften wir nicht sofort zu Papier und Pinsel greifen. Denn es ging nicht nur um handwerkliche Techniken und schon gar nicht darum, möglichst viel zu produzieren. Es ging (wie beim Vision Board) auch darum, offen zu werden für den kreativen Prozess – und etwas zu schaffen, das über uns selbst hinausging.

Das ist mir wohl gelungen – denn ich hätte nie gedacht, dass all dieses Rosalila, die Tupfen, Schmetterlinge und Stoffblumen in mir stecken 🙂

Um das zu erreichen, mussten wir erstmal den Alltag weit hinter uns lassen. Mit Musik und Tanz machten wir uns locker (und warm). Dann leitete uns Lise an, den Zugang zu dem zu finden, was uns wichtig war: Aus Zeitschriften rissen wir Bilder, die uns ansprachen, und notierten darauf Wörter, die uns bedeutsam erschienen. Ohne lange nachzudenken, sollten wir außerdem einen Text über einen Menschen schreiben, den wir bewundern – und ihn anschließend unter einer anderen Fragestellung lesen (die ich erst verrate, wenn ihr es ausprobiert habt). Aus diesem Text sollten wir zentrale Begriffe herausfischen. Dann bekamen wir jede zwei kleine Leinwände; auf der ersten sollten wir gemusterte Papierfetzen spontan verteilen, so dass sie als Basis für ein Bild dienen konnten.

Dann zeigte uns Lise weitere Techniken, mit denen sie ihre Bilder aufbaut. Ich habe sie vor allem auf der zweiten Leinwand ausprobiert.

Schließlich bekamen wir freie Bahn, mit einem der Hintergründe weiterzuarbeiten. Ist es noch zu erkennen? Ich habe den zweiten genommen. Und bearbeitet. Und bearbeitet. Mit allen Techniken, die wir gesehen hatten, und mit jeder Menge Material, das mich ansprach.

Wäre ich nicht so völlig vertieft gewesen, hätte ich vielleicht zwischendurch gestoppt 🙂 Gerade nach Schritt zwei, als die verlaufenden Farben und die weißen Punkte so ein schönes Muster ergaben. Aber es war noch so leer, mir fehlte da irgendwie die Action! Und es ging ja darum, zu spielen, offen zu sein, über sich hinauszugehen. Im Dialog mit dem Material – die Blümchen sprangen mich an und gehörten unbedingt auf die entstehende Waldlichtung. Und im Gedanken an die Begriffe, die uns an diesem Tag wichtig erschienen. Ganz unterschiedliche Bilder sind dabei herausgekommen, jedes auf seine ganz andere Art sehr schön.

Eine Erscheinung ist es bei mir geworden … und genauso, wie ich über das Ergebnis staune, bin ich auch sehr glücklich damit. Denn es steckt tatsächlich sehr vieles darin, was ich auch in meinen Romanfragmenten und Kurzgeschichten ausdrücken möchte. Ich bin also auf dem richtigen Weg – und will versuchen, diese Techniken auch auf das Schreiben zu übertragen. Auch wenn dann mehr Rosalila, Schmetterlinge und Blumen in meinen Texten erscheinen 🙂

Habt ihr beim Kreativsein auch schon Erstaunliches erlebt?

Drei Meter Handlungsplan

Heute möchte ich euch eins meiner Lieblingswerkzeuge beim Romanschreiben vorstellen. Es füllt die komplette Wand gegenüber meinem Schreibtisch:

Handlungsplan Roman roter Faden

Der Drei-Meter-Handlungsplan 🙂

„Warum Handlungsplan?“, fragt ihr vielleicht.

Viele Autoren schreiben nach Gefühl drauflos, die Handlung ihres Buches haben sie im Kopf oder sie entwickelt sich beim Schreiben, am Ende wird alles überarbeitet (oder auch nicht).

Ich fühle mich mit einem klaren Plan wohler – zumindest bei meinem Fantasy-Romanprojekt. Denn dessen aktuelle Fassung hat fünf Hauptfiguren, aus deren Perspektiven berichtet wird – da muss man den Überblick behalten, wie sich die Geschichte aus Sicht jeder Figur entwickelt. Ich habe diverse Handlungsstränge, Geheimnisse und Konflikte, die logisch aufgebaut und gelöst werden wollen.

In der Ideenfindungsphase habe ich auch einfach drauflosgeschrieben – allerdings nur Stichworte, Dutzende Seiten davon: zu meiner Fantasy-Welt und ihren Bedingungen, zu meinen Figuren und ihren Beziehungen, zu meinen Metaphern und Kernaussagen. Ich habe Schlüsselszenen entworfen, die unbedingt vorkommen sollten; der Wendepunkt in der Mitte und der Höhepunkt kurz vor Ende waren mir schon klar, lange bevor ich die Anfangsszenen plante. Auf diese Punkte soll alles hinauslaufen – und der Leser soll sich an die Stirn fassen und sagen: Ja klar – warum habe ich das nicht gleich geblickt?

Dazu muss die Geschichte stimmig sein.

Allerdings ist es mir beim Schreiben oft passiert, dass ich selbst meine Handlung nicht mehr durchschaute – auch nachdem ich fünf von zehn Hauptfiguren gestrichen hatte.

Handlungsplan Roman Gliederung Textverarbeitung

Gliederung und Textanfang im Open Office Writer

 

Selbst auf einem großen Computerbildschirm kann man nicht alles im Blick behalten …

 

Handlungsplan Roman Seitenüberblick Textverarbeitung

alle Stichwortseiten auf einmal, Versuch in Word

 

…. oder wenn, dann erkennt man keine Details mehr!

 

 

Handlungsplan Roman Gliederung Papyrus Autor

Gliederung, Text und Notizen in Papyrus Autor

 

Mit einer speziellen Schreibsoftware geht es um Längen besser – mit dieser hier kann man zum Beispiel auch Zeitleisten abbilden. Das ist einen eigenen Blogeintrag wert, kommt später!

 

 

Trotzdem: Die Situation war unbefriedigend.

Handlungsplan Roman SzenenzettelIrgendwann kam ich darauf, alle wichtigen Handlungsbestandteile auf kleine Zettel zu schreiben. So à la „Hauptfigur kommt am Schauplatz an“, „das Geheimnis der Insel wird gelüftet“, „die Welt steht kurz vorm Untergang“ usw. Es wurden unglaublich viele Zettel, es ging unglaublich langsam, aber mir half es, das Material in der Hand zu haben, es durchzuarbeiten, herumzuschieben. So fiel mir etwa auf, dass ich viele Elemente fusionieren konnte: Aus „das Geheimnis der Insel wird gelüftet“ und „die Welt steht kurz vorm Untergang“ ließ sich zum Beispiel eine Szene machen. Schließlich hatte ich 60 Zettel, jeder beschreibt in ein bis vier Sätzen eine Szene meines Handlungsentwurfs.  (Eine Szene ist eine Einheit, die aus der Perspektive einer Figur geschrieben ist, mehrere Szenen bilden bei mir ein Kapitel.) Ich habe die Szenen je nach Perspektivfigur farbig markiert.

Handlungsplan Roman auf KüchenfußbodenDann wollte ich alles vor mir ausbreiten. Letztes Jahr ging das nur auf dem Küchenfußboden. Es wurde eine wahrlich kreative Woche: Ich ging in meinem Buch herum, ich platzierte gläserne Leuchttürme und blonde Schurken darin, ich fand den roten Faden und übertrug alles in den Computer, gefüllt mit immer mehr Details. Leider bekam ich wenig zu essen, weil ich so schlecht an den Herd oder den Kühlschrank kam.

 

Doch dann konnte ich meine Schreibwerkstatt einrichten! Noch bevor mein geliebter Sechs-Meter-Schreibtisch entstand, ging ich zum Inselschlosser und ließ mir drei Stahlplatten nach Maß zurechtschneiden. Der Autolackierer daneben sprühte sie ein, über der farbigen Schicht ist durchsichtiger Tafellack. An diesem Punkt gebe ich gerne zu: Ein Whiteboard wäre einfacher und billiger gewesen. Aber meine Schreibwerkstatt soll nach Werkstatt aussehen, nicht nach Büro! Und meine Kreidefelsen-Fantasy soll mit Hilfe von Kreide entstehen 🙂 Da die Variante vom Strand doch etwas bröckelt, wurde es normale Tafelkreide, außerdem kaufte ich ca. 200 kleine Magnete.

Der Rest ging fast von allein:

Jede Hauptfigur bekam ihre eigene Zeile, so dass man die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven getrennt verfolgen kann. Die Haupt-Hauptfigur in der mittleren Zeile hat 20 Szenen, die anderen je acht bis 12 – hoffentlich hilft das dem Leser genauso bei der Orientierung wie mir. Ganz am Anfang steht noch eine separate Magnettafel, wo momentan die Landkarte meiner Fantasy-Insel und die Hobbymalerversion eines möglichen Titelbildes hängen; hier könnte man auch Fragen oder Prämissen notieren.

Nachdem ich alles chronologisch angeordnet hatte, ging ich noch etwas davor auf und ab, betrachtete die Abläufe, stimmte sie mit der Planung im Computer ab. Dabei wurden mir selbst einige Bezüge und Wendungen erst richtig klar – sowas lässt sich dann schnell mit Kreide notieren. Am Ende drapierte ich den roten Faden, damit ich beim Schreiben keine Szene vergesse. Das Ungeheuer tauchte übrigens von selbst an der richtigen Stelle auf – und morgens lächelt es mich voll Tatendrang an, wenn ich aus dem Schlafzimmer komme 🙂

Ich fasse zusammen:

„Warum Handlungsplan?“

Mein Handlungsplan hilft mir, beim Romanschreiben den Überblick zu bewahren, Inhalte zu fusionieren, Details aufzufüllen, kurz: die Geschichte stimmig aufzubauen.

Und warum gleich drei Meter davon?

Mir hilft es tatsächlich, die Szenen anzufassen, sie herumzutragen, vor der Geschichte auf- und abzugehen und so den eigenen Standpunkt zu wechseln. Je mehr Sinne man einsetzt, desto kreativer wird man! Es hat Spaß gemacht, und der Anblick erinnert mich täglich daran, für was ich eigentlich hier bin. Und wenn Besuch kommt, machen drei Meter Handlungsplan einfach was her 🙂

Wie arbeitet ihr denn so?

Umfrage: Eine Stunde oder ewig?

Juhu – ich habe eine Idee für ein neues Buch. (Habe ja höchstens zehn angefangene auf der Festplatte.) Diesmal, liebe Blogleserin, lieber Leser, hätte ich gern deine Hilfe! Denn auch Fantasy und Science-Fiction werden durch Recherche besser.

Also … Folgendes: Ein ganz normaler Tag in deinem Leben, du sitzt am Frühstückstisch. Plötzlich schwebt ein riesiges Raumschiff über der Welt.

Das Raumschiff öffnet sich. Überzeugende Außerirdische bauen sich vor der Menschheit auf und fragen jeden einzeln:

Willst du noch eine Stunde leben – oder ewig?

Alle werden gleichzeitig gefragt. Jeder bekommt zwei Minuten Bedenkzeit. Für Kinder unter sechs entscheiden die Erziehungsberechtigten. Wer ewig leben will, dessen Alter wird eingefroren, und er kann auch nicht mehr durch Gewalteinwirkung sterben. Wer noch eine Stunde leben will, den lassen die Außerirdischen in Ruhe und dann stirbt er schnell und schmerzlos.

Halt, du bist noch nicht entlassen.

Warum würdest du so entscheiden?

Wenn du ewig leben willst: Wie stellst du dir dein weiteres Leben vor?

Wenn du das nicht willst: Was machst du in deiner letzten Stunde?

Bitte klicke unter der Blogeintrag-Überschrift auf (x) Kommentare, scrolle ganz nach unten bis zum Kommentarfeld, und tobe dich aus! Ich freue mich auf viele Ideen und werde deine Gedanken gnadenlos ausschlachten 😉

Zum Dank baue ich deinen Namen gern in das Buch ein … oder dein Haustier … oder deinen Lieblingsort … schreib mir einfach, wenn du so etwas möchtest 🙂

Inspirierte Grüße von Carmen

 

 

Erschaffe deine eigene Traumwelt

Ich habe viele glückliche Tage in Traumwelten verbracht. Als Kind streifte ich durch die Wälder von Narnia und die Paläste von Tausendundeiner Nacht, als Erwachsene reiste ich durch Wurmlöcher und Rollenspiel-Wüsten. Doch erst jetzt bin ich dabei, meine eigene Traumwelt von Grund auf zu bauen, die Kulisse für meinen ersten Fantasy-Roman. In meinen ersten paar Monaten auf Møn wuchs diese Welt wie von selbst, in meinem Kopf, auf Landkarten und im Laptop … also wurde es Zeit für eine gute Vermeidungsstrategie.

Denn welcher Autor will schon innerhalb von ein-zwei Jahren sein Buch fertigstellen? Vielleicht sogar reich und berühmt werden? Klar, das will man nicht. Also macht man statt Schreiben alles mögliche andere. Abwaschen, aufräumen … naja, ein wenig kreativer darf es werden. Zum Beispiel:

Traumwelt Zengarten Fantasy auf Møn

Der Fantasy-Zen-Garten/Sandkasten für Erwachsene

Man nehme eine Fläche, an der man angenehm stundenlang spielen kann, z. B. seinen Schreibtisch oder eine Kommode – ich habe mir eine aus einem IKEA-Küchenelement gebaut, 80 cm tief und dann noch mit Abstand zur Wand aufgestellt.

Auf diese Fläche setze man einen Behälter. Für die kleine Schreibtischlösung (in Griffweite von der Tastatur) täte es ein Schuhkarton. Ich gönne meiner Spielwiese eine Sperrholzplatte, 140 x 112 cm groß, mit einer ca. zehn Zentimeter hohen Leiste drumherum. Man lege diesen Behälter mit einer schalldämmenden Unterlage aus.

 

Dann fülle man diesen Behälter mit Baumaterial! Ich empfehle …

  • Aquarienkies – nicht ganz billig, aber angenehm, um auch mit bloßenHänden darin zu wühlen, außerdem sauber und farblich sortiert zu haben. Wer eine Wohnung ohne Kinder, Teppiche oder Ritzen hat, kann auch Sand nehmen.
  • schöne größere Steine und knorrige Holzstücke (wer reinen Zen will, höre hier auf zu lesen)
  • farbige Steine, Murmeln, Muscheln, Mosaikplättchen
  • Häuser für Wichtel und Feenvolk
  • weitere Bauwerke nach Lust und Laune
  • Spiegel und Glasscheiben, die schöne Wassereffekte ergeben
  • Mensch- und Tierfiguren (da muss ich noch auf die Suche gehen … vielleicht ein Heer Gummidinosaurier?)

 

Dann heißt es: Schaffe, schaffe, Weltle baue!

Wie bitte? Ich wollte doch nur spielen – und jetzt habe ich schon wieder eine Traumwelt geschaffen. Wenn ich nicht aufpasse, entstehen darin bald zwei Kreidefelsen, ein paar Leuchttürme … und Ungeheuer besiedeln die Tiefe. Und schon gibt es Stoff zum Schreiben.

 

Wie würde eure Traumwelt aussehen?

Wer es ausprobieren will – kommt mich doch auf Møn besuchen. Im Juni, Juli und August kann man mein Zimmer sogar mieten und den ganzen Tag im Kies wühlen. Und zwar in der Pension Bakkegaard Gæstgiveri Møns Klint. Weitere Fotos von meiner Traumwelt gibt es hier, und in den nächsten Monaten schreibe ich noch etwas mehr über meine Gedanken bei der Ausgestaltung. Denn da ist Raum für viele Vermeidungsstrategien!

Update: Knapp ein Jahr später haben meine Gäste und ich viel in meinem „Zengarten“ gespielt. Hier ein Rückblick: Kleine Welten auf der Wohnzimmerkommode

Visionen für 2015

Vision Board Workshop 028

Traraaaaaaaa! Nach wochenlangem Kämpfen, Grübeln, Zweifeln, Listen-Schreiben und Auf-den-Bildschirm-Starren fand ich … die Antwort auf alle meine Fragen. Meine Visionen für das Jahr 2015. Meine Träume, meine Ziele auch darüber hinaus.

Aber ich fand sie nicht, weil ich wochenlang kämpfte, grübelte, zweifelte, Listen schrieb und auf den Bildschirm starrte. Nein, meine Visionen kamen wie von selbst, in einem spielerischen Prozess, der die reine Freude war. Und der (leider) nur ein paar Stunden dauerte.

Ich habe gestern an einem „Vision Board Workshop“ teilgenommen. Unter Anleitung der Künstlerin Lise Meijer, deren Bilder ihr hier auf ihrer Website bewundern (und kaufen) könnt, trafen sich fünf Frauen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen, Wünschen und Talenten, um ihre Visionen auf kreativem Weg greifbar zu machen. Wir schrieben, wir meditierten, wir tanzten sogar unsere Träume, und dann ging es auf „Schatzsuche“.

 

Wie findet man in der Unordnung auf dem Fußboden, in den wirren eigenen Gedanken nun die eine, strahlende, lockende Vision, die einen für das ganze Jahr beflügelt? Ihr müsst schon selbst so einen Workshop mitmachen, um es zu erleben. Ich kam mit vielen guten Vorsätzen … Schreiben. Malen. Lesen. Spazierengehen. Mehr Leute treffen. Noch mehr Zeit für mich haben. Geld verdienen und Gutes tun …

Meine Vision für 2015, die all dies umfasst und noch mehr, heißt ab heute:

SCHÖPFEN.

Neues schaffen, nicht nach einem starren Plan, nicht im Kampf gegen Widerstände, nicht unter Druck. Sondern im Zusammenspiel aus Gedanken und Gefühlen, intuitiv, auf meine innere Stimme hörend, inspiriert von der Natur, der Kunst und den vielen tollen Menschen, die ich in den letzten Jahren kennenlernen durfte.

Danke, dass ihr da seid, mit all euren unterschiedlichen Träumen und Begabungen. Wir beflügeln und ergänzen einander, wie Stimmen in einem großen Chor.

Was ist eure Vision für 2015?