Der Sieben-Strände-Sommer

Lebensqualität pur: Letzten Sommer habe ich es geschafft, neben der Saisonarbeit 16 Strände zu besuchen. Diesen Sommer kam zur Saisonarbeit noch ein hyggeliges, aber zeitaufwändiges Buchprojekt hinzu, und so wurden es diesmal „nur“ sieben Strände. Nicht viel, wenn man bedenkt, dass Dänemark mehr als 7.300 Kilometer Küste hat! Aber nun kenne ich viele schöne Strände rund um „meine“ Insel Møn, und ein paar auf der Nachbarinsel Seeland/Sjælland.

Hier die Ausflugsziele dieses Sommers im Uhrzeigersinn, beginnend auf West-Møn. Die Karte ganz am Ende zeigt, wo die Strände zu finden sind. Im September soll es hier übrigens warm und schön werden, besser als den ganzen Sommer. Zeit für noch mehr Strandbesuche!

Noch mehr Fotos gab es 2016 in diesem Beitrag:
Der 16-Strände-Sommer

Im Land der Legenden

Seit ein paar Jahren ist die nordische Mythologie vielerorts in Mode. Und hier in Dänemark und im übrigen Skandinavien sind die alten Sagen zu Hause. In ihre Welt kann man sich noch heute hineinträumen. So etwa in Lejre, dem „Land der Legenden“.

Lejre liegt westlich von Roskilde auf der dänischen Insel Seeland. Nach Kopenhagen braucht man mit dem Auto eine halbe Stunde und nach Møn (wo ich wohne) etwa zwei. Die hügelige Gegend mit ihren Flüssen und Fjorden war schon vor 10.000 Jahren besiedelt. In Alt-Lejre besuchte der Sagenheld Beowulf im 6. Jahrhundert n. Chr. die große Königshalle, bevor er das Ungeheuer Grendel tötete.  Die Reste der Königshalle kann man heute noch sehen, genau wie die Überbleibsel einer riesigen Schiffssetzung aus Wikingerzeiten. Im Vergleich zum 5000 Jahre alten Grabhügel Øm Jættestue, auch in der Gegend, ist das alles ziemlich neu 😉

Ein paar Jahre später, nämlich 1964, begann man im Versuchszentrum Lejre mit experimenteller Archäologie. Ganze Familien zogen in die Vergangenheit, bauten Häuser und Werkstätten und lernten auf diese Weise viel Neues über die alten Techniken. Aus den nachgebauten Anlagen entstand schließlich das Freilichtmuseum Sagnlandet Lejre – zu deutsch: Lejre, das Land der Legenden.

Dort war ich im August mit ein paar Freunden zu Besuch und ich kann es nur wärmstens empfehlen. Wir hatten den perfekten Tag erwischt: Die Sonne schien, die dänischen Sommerferien waren gerade vorbei, es war angenehm ruhig. Ein paar Handwerker demonstrierten den wenigen Gästen ihre Künste, eine Eisenzeitfamilie lud uns zum Gerstenbrei ein.

Wer mehr Action will, kommt in der Hochsaison hier sicher auf seine Kosten. Dann gibt es jeden Tag Demonstrationen in Bogenschießen und Brotbacken, Einbaumfahren, Schmieden und Töpfern. Auch für Kinder gibt es jede Menge Archäologie zum Anfassen und Ausprobieren. Da wir in Dänemark sind, findet man außerdem alle zwei Meter einen hyggeligen Picknicktisch oder Grillplatz, mit Aussicht auf Seen und Grabhügel.

In der Nähe des zentralen Picknickbereichs und Cafés liegt ein mittelalterlicher Kräutergarten (das Museum umfasst auch einige Rekonstruktionen aus jüngerer Zeit, bis ins 19. Jahrhundert hinein).

Wenn man aus diesem Bereich hinauswandert, prägen große Steine die Landschaft.

Der Grabhügel und das Steinlabyrinth sind schon beeindruckend, aber die Krönung des Stein-Erlebnisses ist die 80 Meter lange Schiffssetzung auf einem Hügel. Sie ist eine Kopie des Originals in Gammel Lejre. Zwischen den 28 mannshohen Steinen hat man einen fantastischen Blick auf die Landschaft.

Schiffssetzung (Rekonstruktion im Freilichtmuseum Sagnlandet Lejre, nach dem Wikinger-Original in Gl. Lejre)

Wir streiften mehrere Stunden durch die grüne Landschaft und entdeckten knorrige Bäume, liebliche Seen und immer wieder dezente Hinweise auf die Lebensweise der Vergangenheit.

Es gibt auch ein paar Werkstätten, wo alte Handarbeitstechniken demonstriert werden. Das finde ich natürlich ziemlich „hyggelig“ 😉

Aber den stärksten Eindruck hinterließ bei mir ein verborgener Ort, ganz im Osten des Geländes. Man wandert aus dem Eisenzeitdorf auf schmalen Pfaden in einen Wald. Am Fuß eines steilen Hügels liegt ein geheimnisvoller Teich, hellgrün leuchtend … und mit unheimlichem Inhalt bestückt. Willkommen am Opfermoor!

Seit meinem Besuch in Lejre spuken neue Ideen für eine ganze Kinderbuchserie in mir herum. Sonnige Hügel, strohgedeckte Hütten und fröhliche Familien. Und nachts … das Skelett, das aus dem Tümpel kommt 😉

Welche Landschaften erzählen euch Legenden?

75 Frühsommerfotos

… von Møn, der kleinen Nachbarinsel Nyord und der großen Schwesterinsel Seeland. Diesmal mit einem neuen Abrutsch an den Kreidefelsen und wie immer reichlich Blumen, Blättern und Meer 😉

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Was bringt uns das neue große Eszett?

Eine Nachricht in den deutschen Medien hat mich sehr erfreut: Endlich gibt es das arme kleine ß auch als schön gestalteten Großbuchstaben. Nachzulesen zum Beispiel in der Eszett – pardon: in der SZ vom 29. Juni 2017.

großes und kleines Eszett in Druckschrift und Schreibschrift

Groß UND klein, so muss es sein: Eszett.

Was bringt uns das neue GROẞE Eszett?
Ich WEIẞ, wozu ich mehr MUẞE hätt.
Der neue Buchstabe spart viel SCHWEIẞ.
Benutzen wir ihn froh mit FLEIẞ!

Ein Zeichen weniger können wir MEIẞELN,
dafür das SCHEIẞHAUS öfter WEIẞELN,
STRAẞEN bauen, Häuser ABREIẞEN,
Metalle schnell ZUSAMMENSCHWEIẞEN,
Raketen in den Weltraum SCHIEẞEN,
im KREIẞSAAL keine Tränen VERGIEẞEN,
die GAUẞSCHEN Formeln nach MAẞ formulieren,
in FISCHLAND-DARẞ-ZINGST mit den Fischen parlieren,
aus GIEẞEN unsere Lieben GRÜẞEN –
kein Ort muss mehr das Eszett WEGSCHMEIẞEN,
er darf in GROẞSCHRIFT genauso HEIẞEN.

Ja, GROẞ ist der SPAẞ – die Gefahr leider auch!
Hans HEUẞ spürte das sofort im Bauch:
Weil HEIẞE SOẞEN schneller FLIEẞEN,
Aẞ er zuviel; dafür wird er BÜẞEN.
Doch unser Leben wird es VERSÜẞEN:
Lasst uns das GROẞE Eszett GENIEẞEN!

Carmen Wedeland, Møn 2017

Ich hoffe, euer Computer zeigt euch das Gedicht korrekt an, ansonsten hätte ich es hier noch als PDF: Was bringt uns das neue große Eszett?

Spaß mit Pflanzendruck

Ich habe mal wieder eine neue Kreativtechnik ausprobiert: Ecoprint und Sunprinting. Zwei verschiedene Möglichkeiten, um Stoffe mit Hilfe von Pflanzen zu färben und zu gestalten. Ob zarte Blütenabdrücke oder filigrane Blattsilhouetten, die Ergebnisse waren ziemlich zauberhaft 🙂

Die Gelegenheit bot sich vor Kurzem am Kursuscenter Emilielunden, der Handarbeitsschule auf Møn, wo ich seit ein paar Jahren an Nähkursen teilnehme. Gastlehrerin des Wochenendkurses war Mette Back und dank ihrer Anleitung konnten sieben neugierige Teilnehmerinnen schnell loslegen.

Beim Sunprinting färbt man Stoffe und dekoriert sie nachträglich mit den Silhouetten von Pflanzenteilen (oder anderen interessant geformten Gegenständen). Helle Baumwollstoffe, Leinen oder Seide sind gut geeignet. Die Pflanzen sollte man ein paar Tage vor Verwendung sammeln und etwas pressen, denn nur die flachen Teile hinterlassen Abdrücke.

Man breitet die Stoffe auf einer geeigneten Unterlage aus und steckt sie am besten mit Nadeln fest, damit sie glatt liegen. Man besprüht die Stoffe mit Wasser, damit sie leicht feucht sind. Danach bemalt man sie mit Textilfarbe (wir verwendet Farben und Bindemittel von Uniprint; ich weiß leider nicht, wie die Materialien in Deutschland heißen). Anschließend legt man die Pflanzenteile auf den Stoff und fixiert kritische Stellen mit Stecknadeln, damit sie sich nicht vom Stoff lösen.

Sunprinting: Ich experimentiere u. a. mit Farn, Plastikperlen und Pappbuchstaben.

Und dann heißt es: abwarten, bis der Stoff ganz trocken ist, und auf keinen Fall vorher die Pflanzen anheben. Denn unter den Pflanzen bleibt der Stoff länger feucht. Um das auszugleichen, ziehen die umliegenden Stoffbereiche die Farbe unter den Pflanzen hervor. Und wenn man dann – in der Sonne nach ein-zwei Stunden, in einem geschlossenen Raum nach einem Tag – endlich die Pflanzen absammeln kann, kommen fast röntgenartige Bilder zum Vorschein.

Ecoprinting ist eine völlig andere Technik. Hier verwendet man Farbstoffe, die die Pflanzen selber abgeben. Die Ergebnisse sind weniger berechenbar, verschwommener, aber mir gefallen sie vielleicht noch besser. Als Untergrund eignen sich helle Seiden-, Woll-, Baumwoll-, Leinen- oder Viskosestoffe. Pflanzen, die erfahrungsgemäß gut Farbe abgeben, sind z. B. Eukalyptusblätter, Zwiebelschalen, Rosenblätter, Geranien- und Stiefmutterblumen und das Laub vieler Bäume von Ahorn über Buche bis zu Zwetschge. Auch diese Pflanzenteile werden ein paar Tage vor der Verwendung gepresst, wobei es wichtig ist, sie in Plastik einzupacken, damit sie nicht austrocknen.

Man breitet die Stoffe aus und besprüht sie mit einer Mischung aus einem Teil Wasser und einem  Teil Essig. Die Pflanzenteile taucht man in eine Eisen- oder Kupfersulfatlösung (5 ml Sulfat in einem Liter Wasser verrühren) und tupft sie auf einem alten Handtuch ab. Dann verteilt man sie auf dem Stoff. Der Stoff wird anschließend auf einen Stab (z. B. abgesägter Besenstiel) aufgerollt und fest mit Baumwollstreifen umwickelt (Schnur geht auch, hinterlässt aber Abdrücke). Anschließend legt man die Stoffrollen in Wasserdampf. Der Dampf und die Sulfate sorgen dafür, dass die Farbstoffe aus den Pflanzen in den Stoff übertreten. Nach zwei Stunden im Dampf heißt es auspacken!

Wer will, kann auch noch ein Stück frisch gefärbten Stoff mit in die Rolle wickeln, dann bekommt man farbigen Stoff mit zusätzlichen Pflanzenabdrücken.

Ich habe bei dieser Gelegenheit entdeckt, dass mir Zwiebelschalen ganz ausgezeichnet stehen. Die Schalen von roten und gelben Zwiebeln, teils in Eisen-, teils in Kupfersulfat getränkt, auf Seide verteilt und einmal gefaltet, ergaben ein farbenfrohes Stück Stoff.

Nun freue ich mich umso mehr darauf, dass im Herbst der Nähkurs wieder anfängt. Ich will mir unbedingt ein seidiges Zwiebeltop nähen!

Habt ihr auch Spaß an solchen Kreativprojekten? Beides Druckverfahren sind nicht schwer und ich glaube, sie würden auch mit Kindern Spaß machen.

Einen schönen Sommer voller Blüten und Blätter wünsche ich euch 🙂

Magischer Mittsommer-Besuch

Es ist Sommersonnenwende. Der längste Tag ist vorbei, die kürzeste Nacht angebrochen.  Die Grenzen zwischen den Welten verschwimmen, und magische Wesen tauchen aus den Feenhügeln auf. Zwei davon, ein Pärchen Trolle aus dem Kliffwald, hat heute Abend mein Zuhause besucht. Es gefällt ihnen hier auf dem Bakkegaard (und sie lassen ihre Schöpferin Susanne Hegnsvang grüßen). Euch allen eine magische Mittsommerzeit!

Ein deutsch-dänisches Hygge-Lied

Auf hygge reimt tygge, aus gutem Grund:
Essen macht glücklich und gesund.
Tygge heißt kauen,
brygge heißt brauen,
wer hat nicht gerne was Leckres im Mund?
Ein Haus für die hygge,
hübsch anzuschauen,
das lasst uns bygge,
denn bygge heißt bauen.
Dazu hægge im Garten –
Traubenkirschbäume –,
ihr Duft füllt die Räume
und Vögelchen warten
darauf, von den Früchten
zu hugge, zu klauen.
Wenn sie sich trauen!
Wir schaukeln im Schatten
– den nennen wir skygge
in Hängematten
und träumen und dichten
und das ist hygge.

Carmen Wedeland, Møn 2017

Diese kleine Perle der Literatur habe ich letzte Woche produziert. Sie wird Teil des Buches „Handmade Hygge“, das am 11. September im frechverlag erscheint. Nach dem sprachlichen Exkurs geht es ans Eingemachte. Ich beantworte Fragen, die die Welt beschäftigen:

  • Wieso sind die Dänen so glücklich?
  • Weshalb ist Hygge die Geheimwaffe für Gestresste?
  • Warum solltest du heute noch einen Strickklub gründen?
  • Und: Was ist hyggeliger als Handarbeiten? (Auflösung ganz unten)

An den letzten Hygge-Texten häkele ich gerade fleißig herum, während Handarbeitsexpertinnen die Anleitungen schreiben. Wenn ihr wirklich gern wollt, könnt ihr das Buch aber jetzt schon vorbestellen, beim Verlag oder bei Amazon. Habe ich vor ein paar Tagen wohl auch schon erwähnt, da habe ich das Buchprojekt schon einmal angekündigt 🙂

Handmade Hygge: Strick-, Häkel- und Nähprojekte zum Wohlfühlen. Mit Schnittmusterbogen Von Carmen Wedeland, Barbara Sander, Manuela Seitter und Eva Scharnowski. Gebundene Ausgabe – erscheint am 11. September 2017.

Auflösung zur Frage: Was ist hyggeliger als Handarbeiten?
Handarbeiten, Essen und Reden gleichzeitig.