Vom Flohmarktfund zur feinen Tasche: Nähprojekt für Upcycling-Fans

Diese Tasche mit nordischem Touch macht sich gerade auf den Weg zu meiner Freundin Sabine.

Sabine liebt Flohmärkte. Sie war Anfang April bei mir zu Besuch und wir durchstreiften wieder mal ihre Lieblings-Trödelläden hier auf der Insel Møn. Zwischen jeder Menge Gläser und Töpfe, Besteck und Textilien fand Sabine eine alte Stickerei.

Ob ich ihr daraus eine Tasche nähen könne?

Klar, sagte ich, Nähen macht Spaß, die Tasche kannst du am Ende deines Urlaubs mit nach Hause nehmen.

Es hat dann doch zwei Wochen länger gedauert, denn mich packte das Nähfieber und ich wollte die Tasche möglichst gut gestalten. Über 20 Stunden Arbeit dürften drinstecken. Aber Spaß hat es wirklich gemacht!

Sabine wünschte sich eine Tasche in der ganzen Größe der Stickerei, etwa 70 x 40 cm. Ein farblich passender Stoffrest ergab die Rückseite, ich verpasste ihm noch eine kleine Reißverschlusstasche. Beide Teile verstärkte ich mit Bügelvlies, damit sie etwas mehr Stand hatten, und versäuberte sie mit Zickzackstich, damit sie nicht ausfransten. Ein orangefarbener Stoffrest wurde zu Paspelband, mit dem ich beide Teile einfasste.

Die Seitenteile machte ich aus den Beinen einer kaputten Jeans.  Auch den Reißverschluss konnte ich auf der Oberseite mit Jeansstreifen einfassen, Gesäßtaschen und Gürtelschlaufen bekamen ebenfalls neue Aufgaben. Nur die Innentasche und die Tragegurte nähte ich aus einem Neukauf: beschichteter Stoff vom Baumarkt, abwischbar und wasserdicht.

Das Grunddesign, das Sabine und ich uns ausgedacht hatten, war einfach, doch manche Details erwiesen sich als kniffelig. Zum Beispiel durch mehrere Lagen Stoff zu nähen, darunter Jeans und beschichtete Baumwolle. Manchmal musste ich die Nadel mit dem Handrad führen, Stecknadeln wurden durch Clips ersetzt. Das lag natürlich auch daran, dass ich diverse Innentaschen einbaute und alles möglichst haltbar verarbeitete. So wurden es unendlich viele Arbeitsschritte viele Abende voller Nähspaß.

Für die kniffligen Fragen griff ich auf zwei sehr gute Bücher zurück:

„Nähen – das Standardwerk“ vom Kreativverlag TOPP mit einer Fülle von Techniken zum Nachschlagen, und „Taschenlieblinge selber nähen“ vom Nähblog pattydoo, mit schönen Ideen und Links zu hilfreichen Online-Videos. (Achtung, das war jetzt Werbung. Unbezahlt und unabgesprochen. Ich kann beide Bücher einfach nur empfehlen!)

Leider habe ich vergessen, das Innenleben zu fotografieren, bevor ich die Tasche abschickte. Doch die Außenseite bekam ein Fotoshooting am Strand von Ulvshale, ein paar Kilometer nördlich von dem Laden, wo Sabine die Stickerei fand:

Ich glaube, trotz Wind und Wellen kann ich Stimmen hören. Es sind die Fischer auf der Tasche. Sie rufen: „Kauf mehr Stickereien! Nähe mehr Taschen!“

Seid ihr auch schon im Upcycling-Fieber? 🙂

P. S. Der Trödelladen mit den schönen Sachen liegt auf der dänischen Insel Møn, in der Udbygade 40, Stege, zwischen dem Insel-Hauptort und dem Strand von Ulvshale.  Auch sonst gibt es hier jede Menge Flohmärkte, Secondhand-Läden und Scheunen voller spannender Sachen. Man kann ja nicht immer nur am Strand sein!

Elf gute Gründe, auf eine Insel zu ziehen

Als ich meinen Freunden 2013 verkündete, ich würde alles hinter mir lassen und auf eine Insel ziehen, sagten erstaunlich viele: „Das will ich auch!“
Träumst du genauso vom Inselleben?
Darum solltest du gleich losziehen:

1. Weil der Blick auf Wellen so beruhigt

Eine Stunde am Meer, und alle Sorgen sind fortgespült. Ich atme mit den Wellen, mir wird bewusst, dass wir nur ein kleiner Teil des Kosmos sind. Mich tröstet dieser Gedanke jedes Mal. Ein Bild vom Meer bewirkt das nicht: Man muss es sehen und spüren, hören und schmecken, am besten noch durchs Wasser laufen, schwimmen und tauchen. Das ist Meditation mit allen Sinnen, für Seele, Körper und Geist.

2. Weil es Strände ohne Ende gibt

Eine Insel ist von Strand umgeben. Steinstrand, Sandstrand, Steilküste, Schilf. Egal wonach einem ist, es ist immer in Reichweite. Im Norden blendet auch im Sommer die Sonne nicht. Im Westen schießt man perfekte Sonnenuntergangsfotos. Im Osten können sich Frühaufsteher schon morgens sonnen.  Letztes Jahr habe ich 16 Strände besucht, diesen Sommer sieben weitere Strände, ganz einfach auf dem Weg zur Arbeit, und es gibt noch so viel zu entdecken. Fortgeschrittene Strandbesucher wissen, wo man am besten badet, wo man am schönsten wandert, wo es essbaren Tang gibt und wo im Winter der Bernstein antreibt.

3. Weil Brücken so erhebend sind

Eine Insel mit Brücken ist das Beste! Ich kenne kein tolleres Gefühl, als hoch auf den Farø-Brücken zu fahren, hinter mir die Insel Falster, vor mir die Insel Seeland, unter mir Farø, rechts liegt Bogø und dahinter Møn. Die Welt steht einem offen, man braucht nur zu wählen! Das blaue Meer wogt unter mir, an zwei Horizonten glänzen weitere Brücken, sie laden ein, durch die Luft zu fahren. Und wenn ich auf dem Damm von Bogø nach Møn fahre, ist es, als würde ich durchs flache Wasser gleiten, im Einklang mit dem Universum.

4. Weil eine Schifffahrt alle Sorgen wegspült

Eine Insel ohne Brücken ist auch besonders! Dann muss man mit dem Schiff dorthin. Mit großen Fähren. Mit schaukelnden Kähnen. Mit Segelbooten. Wer gerne segelt oder surft, sollte nicht im Landesinneren wohnen. Wer gerne Fotos macht, findet in den Häfen und auf See immer neue Blickwinkel. Und wer eine längere Fährfahrt macht, hat Zeit, sich die Füße zu vertreten, Zeit, das Leben an sich vorbeiziehen zu lassen und sich auf das Kommende einzustellen. Ich freue mich immer wieder darauf!

5. Weil die Luft so frisch ist und der Himmel so hoch

Die Luft riecht aufregend nach Salz, wenn man an der Nordsee ist, und einfach erfrischend an der Ostsee. Der Wind treibt die Wolken vor sich her; egal wie sehr es am Morgen regnet, am Nachmittag scheint die Sonne wieder. Und am Abend türmen sich rosa Wolken kilometerweit in den Himmel, der freie Horizont lässt das Herz aufgehen.

6. Weil selbst das Land nach See aussieht

Das nahe Meer macht etwas mit dem Land. Die Erde bildet Buchten und Watt und Kliffs. Die  Bäume werden vom Wind zurechtgeblasen. Die Möwen fliegen übers Land, die Häuser ducken sich in die Hügel, die Häfen wachsen ins Meer. Städte sind stolz auf ihre Fischertradition. Selbst große Städte wie Kopenhagen wirken durch das Meer entspannter. Die Luft ist frisch, das Meer lässt Licht zwischen die Häuser, die Brücken laden zum Flanieren ein. Und abends sitzt man gemütlich am Hafen und lässt die Beine übers Wasser baumeln.

7. Weil nur die Einheimische wissen, wie schön es im Winter ist

Natürlich kann man die maritime Stimmung auch als Tourist erleben. Man kann sogar jedes Jahr im gleichen Ferienhaus Urlaub machen und sich irgendwie wie ein Inselmensch fühlen. Und doch ist es anders, wenn die Touristensaison vorbei ist. Die Strände werden einsam. Die Wälder sind groß und leer. Das Wetter kann nochmal schön werden, warm im September und sonnig im November. Kahle Bäume geben den Blick auf die Landschaftsformen frei. Und wenn es im Winter schneit, dann glitzert die ganze Welt. Das geschieht hier in Dänemark nicht oft, meist ist die Pracht nach einem Tag verschwunden. Wer dann erst lange anreisen muss, hat das Schönste schnell verpasst. Meist haben die wenigen Inselbewohner all die Herrlichkeit für sich.

8. Weil die Menschen miteinander leben

Knapp 10.000 Menschen wohnen auf „meiner“ Insel Møn, wenn die Touristen abgereist sind. Am Ostrand, wo ich lebe, sind es im Winter gefühlte zwanzig. Und mit denen freundet man sich an, wenn man lange genug bleibt, ob im Chor, in der Nachbarschaft, bei Events. Denn alle gehen auf das gleiche Konzert, wenn denn mal eines stattfindet. Nach und nach lernt man Leute kennen, die man in der Großstadt vielleicht übersehen würde. Weil dort immer andere greifbar sind, die spannender erscheinen, die besser zu einem passen, vom Alter, vom Hintergrund, von den Hobbys her. Hier ist man auf seine Nachbarn angewiesen, probiert Neues, schließt Freundschaft über Generationen. Und viele sind aufgeschlossen und interessiert. Alleine die Tatsache, dass man auch hier wohnt, bei Regen und Sturm, gibt Bonuspunkte. Trotz aller Brücken bleibt die Vorstellung, dass man im Winter gemeinsam eingeschneit sein könnte, und dann halten Inselbewohner zusammen.

9. Weil Beschränkung auch befreit

Es ist gut, sich auf das Nahe zu konzentrieren. Das muss man auch, wenn man so abgelegen wohnt wie ich. Hinter der nächsten Biegung hört das Land auf: Im Osten und Süden kommt nach einem Kilometer das Meer. Im Norden sind vier Kilometer Wald. Nur nach Westen breitet sich die Insel aus, bis zum nächsten kleinen Supermarkt fahre ich fünf Kilometer, zur nächsten Kleinstadt ganze 17. Wenn ich abends zu Hause ankomme, ziehe ich nicht noch mal schnell los, bloß weil ich die Milch vergessen habe. Ich kann mich auch kaum spontan auf einen Kaffee verabreden. Alles geht langsamer, man beschränkt sich auf das Wesentliche, findet einen neuen Rhythmus. Will man pulsierendes Leben, ist das die Hölle. Will man in Ruhe an einem Roman arbeiten, im Garten werkeln oder wandern, ist es das Paradies 🙂

10. Weil es für jeden die richtige Insel gibt

Möchtest du weg von allem? Es muss ja nicht immer Dänemark sein. Wie wäre es mit einem kleinen Atoll vor Australien? Einer Vulkanlandschaft auf Neuseeland? Einem Waldstück in einem kanadischen See? Oder wenn das alles zu entlegen ist, gäbe es da noch ein paar Halligen oder diesen Vorort von Helsinki: die Insel Suomenlimna, wo die Schiffe ein Teil des Busnetzes sind. Ich bin zufrieden mit dem Kompromiss, den ich gefunden haben: Møn ist eine mittelgroße Insel, weg von den Hauptverkehrsstraßen und doch nur 90 Minuten von Kopenhagen entfernt.

11. Weil es ärgerlich ist, dass du Atlantis verpasst hast

 

Atlantis, die sagenhafte Hochkultur – leider seit Jahrtausenden passé. Rungholt, die reiche Stadt, in den Nordseefluten versunken. Und auch an den Kreidefelsen von Møn nagt das Meer, wie dieses Video vom letzten Herbst zeigt. Also: Finde dein Paradies, solange es noch da ist! Ob Malediven oder Mallorca, Britannien oder Borkum. Bevor der Klimawandel, die ganz normalen Unwetter, die menschlichen Konflikte alles kaputtgemacht haben.

Ich könnte sicher noch 100 gute Gründe hinzufügen, warum man sofort auf eine Insel ziehen sollte.  Falls ihr euch für Dänemark interessiert, schaut doch mal in das schöne Buch „111 Gründe, Dänemark zu lieben“, das meine Bloggerkollegin Maritta Demuth geschrieben hat. Der Reihentitel hat mich zu diesem Beitrag inspiriert.

Und falls ihr euch jetzt inspiriert fühlt, packt die Sachen und folgt eurem Traum – bevor er im Alltagsstress untergeht!

Liebe Grüße von der Insel, Carmen Wedeland

Der Sieben-Strände-Sommer

Lebensqualität pur: Letzten Sommer habe ich es geschafft, neben der Saisonarbeit 16 Strände zu besuchen. Diesen Sommer kam zur Saisonarbeit noch ein hyggeliges, aber zeitaufwändiges Buchprojekt hinzu, und so wurden es diesmal „nur“ sieben Strände. Nicht viel, wenn man bedenkt, dass Dänemark mehr als 7.300 Kilometer Küste hat! Aber nun kenne ich viele schöne Strände rund um „meine“ Insel Møn, und ein paar auf der Nachbarinsel Seeland/Sjælland.

Hier die Ausflugsziele dieses Sommers im Uhrzeigersinn, beginnend auf West-Møn. Die Karte ganz am Ende zeigt, wo die Strände zu finden sind. Im September soll es hier übrigens warm und schön werden, besser als den ganzen Sommer. Zeit für noch mehr Strandbesuche!

Noch mehr Fotos gab es 2016 in diesem Beitrag:
Der 16-Strände-Sommer

75 Frühsommerfotos

… von Møn, der kleinen Nachbarinsel Nyord und der großen Schwesterinsel Seeland. Diesmal mit einem neuen Abrutsch an den Kreidefelsen und wie immer reichlich Blumen, Blättern und Meer 😉

Noch nicht genug? Hier gibt es mehr:
Nur schnell ein paar Fotos
Die Schönheit des Augenblicks
Noch mehr Momentaufnahmen aus Møn
Der 16-Strände-Sommer
Hundert bunte Inselbilder
99 Naturaufnahmen
93 Dänemark-Bilder

99 Naturaufnahmen

… und ein paar Innenansichten meiner Lieblingsinsel Møn, zusammen mit ein paar Grüßen von der Nachbarinsel Seeland. Mehr sag ich nicht! Das Leben ist schön hier, auch im Herbst und Winter. Kommt uns doch mal besuchen 🙂

P. S. Ich habe diese Gegend schon öfter porträtiert:
Nur schnell ein paar Fotos
Die Schönheit des Augenblicks
Noch mehr Momentaufnahmen aus Møn
Hundert bunte Inselbilder
75 Frühsommerfotos
93 Dänemark-Bilder

Mein erster Bernsteinfund auf Møn

Gestern war ein Glückstag: Ich habe meinen ersten Bernstein gefunden, seit ich auf meiner Lieblingsinsel wohne. Und gleich einen etwas größeren! Ich freue mich sehr – nachdem ich ihn heute auf Echtheit getestet habe 🙂

Bernstein - Rav - Busene Have - Møn

Wo findet man Bernstein?

Meinen fand ich am Strand im Südosten der dänischen Insel Møn, zwischen dem Parkplatz bei Busene Have und dem Leuchtturm Møns Fyr. Auf Møn gibt es nicht so viel Bernstein wie z. B. an der polnischen und russischen Ostseeküste, aber meine Bekannten haben mir immer wieder von Funden berichtet. Nur ich hatte in den drei Jahren, die ich nun hier schon wohne, noch keinen gesehen!

Nun lag er ganz offen auf den Steinen und leuchtete mich mitnahmebereit an. Soweit ich gelesen habe, ist das eher untypisch, eigentlich versteckt sich Bernstein häufiger im angeschwemmten Tang oder in Pfützen hinter höheren Steinen.

Wann findet man Bernstein?

Ohne dass ich es geplant hätte, war der Zeitpunkt wohl optimal. Jetzt, kurz vor Winteranfang, treibt Bernstein oben auf dem kalten, dichten Wasser und Stürme schwemmen ihn an Land. Ich ging vormittags um elf spazieren, da war Hochwasser, die Brandung schlug gegen den Strand, getrieben von einem starken anlandigen Wind und angezogen vom Beinah-Vollmond. Der verbleibende Strandstreifen war schmal, ich hatte ihn die meiste Zeit für mich … und ich suchte überhaupt keinen Bernstein! Also, es hat einfach gepasst 🙂

Glücksfund oder Gefahrgut?

Die Fantasyautorin in mir war natürlich gleich überzeugt, den großen Fund gemacht zu haben. Sie fabulierte etwas von urzeitlichen Insekten, die im fossilen Harz eingeschlossen sein könnten, dem Roman, den ich davon inspiriert schreiben würde, und den immensen Reichtümern,  die mir mein Fund bringen würde.

Die Journalistin, die ich allerdings auch noch bin, verlangte nach genauer Prüfung. Kein Mammutembryo zwinkerte mir aus dem Inneren zu. Das transparente Stück konnte einfach Plastik sein. Außerdem hatte ich einiges über gefährliche Phosphorfunde gelesen, Reste von Bombenfüllungen aus dem zweiten Weltkrieg, die auf der südlichen Ostseeseite gar nicht so selten sind. Selbst Experten können Phosphorklumpen kaum von Bernstein unterscheiden, außer dass sich das Teufelszeug nach dem Trocknen und Aufwärmen von selbst entzündet, giftige Dämpfe verströmt und lebensgefährliche Verletzungen verursachen kann. Mehr dazu steht bei Usedom-Net hier: http://www.usedom-net.de/natur/bernstein-phosphor-verwechseln.html

Ich steckte den goldgelben Stein also nicht in die Hosentasche, sondern in einen Beutel, wo er kalt bleiben würde. Zu Hause begann ich zu experimentieren.

Wie erkennt man echten Bernstein?

Zum Glück gibt es verschiedene Tests, die man relativ leicht selbst durchführen kann. Auch die fand ich gut beschrieben bei Usedom-Net: http://www.usedom-net.de/natur/wie-bernstein-erkennen.html

Meine Prüfreihe sah so aus:

Bernsteinprobe 1: Bernstein schwimmt in Salzwasser

Das war der leichteste Test. Mein Bernstein hat die Maße einer kleinen länglichen Kartoffel, etwa 6 x 3 x 2 cm. Er wiegt 20 Gramm, noch nicht mal halb so viel wie ein vergleichbar großer Stein. Er schwimmt in gesättigter Salzlösung (gut zwei Esslöffel Salz auf ein Marmeladenglas Wasser), doch in Süßwasser geht er unter. Plastik würde in beidem schwimmen.

Bernsteinprobe 2: Bernstein entzündet sich nicht spontan

Bernstein oder Phosphor – Test auf Selbstentzündung mit Fön

Diesen Test machte ich als Nächstes, um auszuschließen, dass ich mit gefährlichem Phosphor hantierte! Der fängt zu brennen an, sobald er trocknet, Sauerstoffkontakt hat und ca. 50 Grad warm wird (bei fein verriebenem Staub reichen niedrigere Temperaturen).  Und die Dämpfe sind sehr giftig.

Also ab ins Freie, Klumpen in eine feuerfeste Unterlage und mit dem Fön aufheizen, immer bereit wegzulaufen … Da  nichts passierte, nahm ich den sehr warmen Stein mit neuem Vertrauen in die Hand und machte die letzten Tests wieder im Haus.

Bernsteinprobe 3: Nagellackentferner macht Naturbernstein nichts aus

Naturbernstein oder künstlich – Test mit NagellackentfernerWas empfiehlt Usedom-Net noch? Aha. Wattestäbchen mit Nagellackentferner befeuchten und am Stein rubbeln. Wenn es abfärbt, ist es künstlicher oder gepresster Bernstein.

Bei so einem Strandfund unwahrscheinlich, aber die Utensilien waren in Reichweite! Schnell getestet und schnell bestanden: Der Stein begann zu glänzen, das Wattestäbchen blieb weiß.

 

Bernsteinprobe 4: Bernstein lässt sich elektrisch aufladen

Wenn man Bernstein an Wolle rubbelt, lädt er sich elektrisch auf. Er zieht dann Wollfussel und Papierschnipsel an und lässt einem die Haare zu Berge stehen … sieht man auf dem Foto nicht so gut, aber ein paar Strähnen folgten dem Stein über meinem Kopf.

Bernsteinprobe 5: Bernstein klingt anders als Stein

Usedom-Net sagt, man solle mit dem Bernstein an die Zähne klopfen. Also gut … Ja, er klingt anders als der ähnlich geformte Vergleichsstein!

Bernsteinprobe 6: Bernstein lässt sich leicht einritzen

Bernstein ist relativ weich. Wer staBernsteintest mit dem Messerrke Fingernägel hat, kann ihm schon damit eine Kerbe verpassen (schreiben die Experten). Ich nahm lieber ein (nicht besonders scharfes) Messer. Man sieht das Ergebnis nicht gut, zumal der Stein eh schon Verwitterungsfurchen hat, aber ich habe ihn noch weiter zerkratzt 🙂

Bernsteinprobe 7: Bernstein schimmert unter UV-Licht blaugrün

Eine sicher sehr ästhetische und schonende Methode … die ich leider zu Hause nicht anwenden kann. Doch die Hinweise auf echten Bernstein hatten sich genug verdichtet, fand ich. Aus reiner Experimentierfreude, ergänzt mit kindlicher Zerstörungslust journalistischem Recherche-Eifer, machte ich stattdessen noch den letzten, besonders aggressiven Test.

Bernsteinprobe 8: Bernstein brennt

Showdown! Ich platzierte den Bernstein im Spülbecken, direkt unterm Wasserhahn, und hielt ein brennendes Streichholz dagegen (an das Ende ohne Nagellackentferner). Es dauerte, bis das Streichholz fast ausgegangen war, doch dann fing der Stein Feuer. Ich war so fasziniert und der Rauch duftete so süß, dass ich fast vergaß zu löschen … Doch irgendwann überwog der Kokelgeruch und ich rettete meinen Schatz vor noch größeren Brandwunden.

So! Also ich würde sagen, Tests bestanden! Mein erster Bernsteinfund auf Møn ist echt. Die Journalistin in mir hat genug geprüft und dokumentiert, nun will die Fantasyautorin ran. Denn Bernstein spielt am Beginn meines geplanten Fantasyromans eine wichtige Rolle (ihr wisst schon, dem Buch, das seit drei Jahren vor sich hinreift). Gleich in der ersten Szene fährt die Hauptfigur im Winter aufs Meer, um Bernstein zu fischen, das Ganze bei Vollmond! Das ist seit vielen Monaten so geplant – ich glaube, meine Insel will mich ermutigen, endlich loszuschreiben ;-).

Vielleicht war dies der nötige Impuls, der mich so weit inspiriert, dass ich endlich den Bestseller fertigstelle und die immensen Reichtümer verdiene, von denen ich beim ersten Anblick des Bernsteins kurz mal träumte. Denn mangels eingeschlossener Fossilien wird mir der Stein selbst keine Schätze bringen: Eine oberflächliche Internet-Recherche ergab einen Wert um die 20 Euro.

Meine Freude ist aber unschätzbar 🙂

Euch allen viele schöne Spontanfunde, wo immer ihr auch seid – Møn lohnt sich übrigens auch im Winter 😉

Hundert bunte Inselbilder

Was soll ich sagen? Møn ist immer noch schön. Deshalb fotografiere ich weiter. Manchmal auch auf den Nachbarinseln. Hier kommen meine hundert Lieblingsbilder aus Møn und Süd-Seeland, aufgenommen von April bis September 2016.

Weitere Inselbilder habe ich hier veröffentlicht:
Nur schnell ein paar Fotos
Die Schönheit des Augenblicks
Noch mehr Momentaufnahmen aus Møn
99 Naturaufnahmen
75 Frühsommerfotos
93 Dänemark-Bilder