Wie die Welt für mich aussieht

Es ist nicht meine Schuld, dass mein Roman ein Knäuel von 30 Handlungssträngen ist und meine Kurzgeschichtensammlung aus einem Dutzend Notizdateien besteht. Überall springen mich seltsame Ideen an … Figuren, Geschehnisse, Stimmungen … selbst wenn ich nur friedlich auf meiner einsamen Insel herumlaufe.

Sieht die Welt für euch auch so aus?

 

 

 

 

 

Gestutzte Geschichte

Da mein Roman nur unkontrolliert wächst, ständig Seitentriebe ausbildet und viel Unkraut hervorbringt, habe ich nebenbei begonnen, Kurzgeschichten zu schreiben. Die reifen schnell und lassen sich gut zurechtstutzen. Je kürzer, desto besser.

Der Bonsai der Literatur ist der Drabble: Eine pointierte Geschichte aus exakt einhundert Wörtern. Da muss man schon mit der Pinzette eintopfen und zupfen. Hier mein erster Versuch:

Tief verletzt

Der Hexenmeister presste sich in die Kerkerecke.
Das Grauen wurde größer.

Die Zähne des Zwergenzombies hatten nur gezwickt.
Beim Biss des Vampirbabys kam Blut.
Als der Werwolfswelpe seinen Zeh zerfleischte, begann er zu weinen.
Und nun das Drachenjunge – auch wenn es kaum größer war als ein Krokodil – beim Anblick des aufgesperrten Mauls drehte sich ihm der Magen um.

Ein leises Lachen mischte sich in das Geschrei.
Genüsslich und doch bitter.
Erst als vom Meister nur Matsch übrig war, zauberte der Lehrling die Monster weg.

Nie wieder würde der Alte ihm vorwerfen, er habe kein „bisschen“ Fantasie.

 

Und – welches Geschehnis würdet ihr gern in hundert Wörter zwängen?

P. S. Von Møn habe ich diese Ideen nicht. Hier ist alles nur friedlich und schön.