Was Schriftsteller von Schneidermeistern lernen können

Ich stehe hier stolz wie Oskar in meinem ersten selbst gefertigen Kleidungsstück. Sieht aus wie eine Daunenweste, ist aber aus Recyclingmaterial: Reste von IKEA-Bettüberwürfen, -Kissenhüllen und den dazugehörigen Stoffsäckchen wollten zu neuem Leben erweckt werden. Nebenbei passt das Outfit perfekt zu meinem Sofa, genau wie meine Laptophülle und meine Wärmeflaschentasche.

Die Weste war mein Projekt für einen Nähkurs, den ich gerade abgeschlossen habe. Hier auf Møn gibt es eine sehr gute Schneidermeisterin, Charlotte Wiegand, die in ihrem Kursuscenter Emilielunden Anfänger und Fortgeschrittene unterrichtet. Mein Kurs bestand aus einer unerfahrenen Mittvierzigerin – mir – und einem munteren Trupp älterer Damen, die in meinen Augen unglaublich professionelle Dinge fabrizierten und mir blutiger Anfängerin erstmal zeigen mussten, wie man die Stoffschere richtig hält. Egal, ich lerne und es macht Spaß!

Natürlich wollte ich mich mit dieser kreativen Betätigung vor allem auch vom Romanschreiben ablenken, aber wie schon bei meinem Sommerjob als Rezeptionistin, musste ich feststellen, dass man auch beim Nähen vieles lernt, das einem beim Schreiben zugute kommen kann.

Geduld für gründliche Vorarbeit

Überlegen, was du nähen willst, warum dir das Teil gefallen würde, ob es einen besonderen Stoff braucht oder durch einen ausgefallenen Kragen besticht. Passende Stoffe und Fäden beschaffen, vielleicht auch noch Futter, Schrägband und Reißverschlüsse. Deine eigenen Maße nehmen, am besten mit sachkundiger Hilfe. Ausgangs-Schnittmuster an deine tatsächlichen Maße anpassen. Zusammenkleben, anprobieren, justieren, dann erst im Stoff ausschneiden und nochmal zusammenstecken, anprobieren, justieren! Das alles dauert Stunden und du hast noch keinen einzigen Stich genäht!

Beim Schreiben gut überlegen, was deine Botschaft sein soll, was das Spannende an der Geschichte ist und in welcher Form sie sich darstellen lässt. Dann Material sammeln, recherchieren, ordnen, Schauplatz und Charaktere anlegen. Dann Handlung planen, überlegen, ob sie alle Inhalte wiedergibt, probieren, ob er für den unbeteiligten Leser verständlich wäre, Löcher ausbessern! Das alles dauert Wochen und du hast noch kein einziges Wort geschrieben!

Der gute Zuschnitt ist wichtig

Jeder Zentimeter zuviel oder zuwenig kann sich rächen, weil nachher das Kleidungsstück an den unmöglichsten Stellen zwickt oder Falten wirft. Egal wie toll der Stoff und wie mühsam das Nähen, du wirst es ganz hinten im Kleiderschrank verstecken.

Überleg dir genauso gut, wie viele Figuren du in dein Buch zwängst, wie viel Weltenbeschreibung du unterbringst und wie du den Spannungsbogen aufbaust. Es wäre doch schade, wenn der Leser überfordert ist oder sich langweilt – und dein Buch ganz hinten im Regal versteckt.

Noch mehr Geduld für saubere Ausführung

Wieder auftrennen, wenn eine Naht nicht ordentlich sitzt. Alles von vorn, wenn du ein Stück Stoff aus Versehen falschrum angenäht hast. Eine Woche warten, bis der Faden nachgeliefert wird, der dir ausgegangen ist. Wirklich sorgfältig an Details arbeiten, wie Schrägband und Reißverschluss. Von der Ferne sieht man das nicht alles, aber wenn du das Kleidungsstück am Leib trägst, wirst du dich ewig ärgern, wenn mittendrin Fäden rausstehen, Muster schief laufen oder du vergessen hast, einen Aufhänger einzunähen, bevor du den Kragen befestigt hast.

In diesem Sinne: Texte gut formulieren, schöner Sprachrhythmus, keine Klischees oder Sachen, die nicht in die Zeit oder Welt passen. Stimmige Überschriften, nachvollziehbare Entwicklungen, keine Tippfehler. Der begeisterte Leser wird vielleicht nach sieben Kapiteln die eine oder andere Scharte gnädig übersehen. Aber es wird dich selbst stören, wenn du es mit einmal mehr Zurücktreten und Drüberschauen leicht hättest optimieren können.

Habt ihr ein Hobby, das euch beim Schreiben oder bei eurer Arbeit weitergeholfen hat?

Mixed-Media-Malworkshop

Letzten Samstag habe ich neue Kreativtechniken ausprobiert – mit erstaunlichem Ergebnis.

Mixed-Media-Malworkshop 00

Wo kommt dieser Dschungel aus Farben und Formen nur her?

Ich war beim Mixed-Media-Malworkshop der Künstlerin Lise Meijer, die mit gemustertem Papier, viel Farbe, Fantasie und Liebe traumhafte Welten schafft. Im Februar habe ich unter ihrer Anleitung schon ein kreatives Vision Board erstellt, das mir immer noch hilft, meine Träume zu visualisieren und über den Augenblick hinauszusehen.

Diesmal waren wir sechs experimentierfreudige Frauen, die sich in einem Raum voller Mal- und Bastelutensilien trafen. Und zu meiner Freude durften wir nicht sofort zu Papier und Pinsel greifen. Denn es ging nicht nur um handwerkliche Techniken und schon gar nicht darum, möglichst viel zu produzieren. Es ging (wie beim Vision Board) auch darum, offen zu werden für den kreativen Prozess – und etwas zu schaffen, das über uns selbst hinausging.

Das ist mir wohl gelungen – denn ich hätte nie gedacht, dass all dieses Rosalila, die Tupfen, Schmetterlinge und Stoffblumen in mir stecken 🙂

Um das zu erreichen, mussten wir erstmal den Alltag weit hinter uns lassen. Mit Musik und Tanz machten wir uns locker (und warm). Dann leitete uns Lise an, den Zugang zu dem zu finden, was uns wichtig war: Aus Zeitschriften rissen wir Bilder, die uns ansprachen, und notierten darauf Wörter, die uns bedeutsam erschienen. Ohne lange nachzudenken, sollten wir außerdem einen Text über einen Menschen schreiben, den wir bewundern – und ihn anschließend unter einer anderen Fragestellung lesen (die ich erst verrate, wenn ihr es ausprobiert habt). Aus diesem Text sollten wir zentrale Begriffe herausfischen. Dann bekamen wir jede zwei kleine Leinwände; auf der ersten sollten wir gemusterte Papierfetzen spontan verteilen, so dass sie als Basis für ein Bild dienen konnten.

Dann zeigte uns Lise weitere Techniken, mit denen sie ihre Bilder aufbaut. Ich habe sie vor allem auf der zweiten Leinwand ausprobiert.

Schließlich bekamen wir freie Bahn, mit einem der Hintergründe weiterzuarbeiten. Ist es noch zu erkennen? Ich habe den zweiten genommen. Und bearbeitet. Und bearbeitet. Mit allen Techniken, die wir gesehen hatten, und mit jeder Menge Material, das mich ansprach.

Wäre ich nicht so völlig vertieft gewesen, hätte ich vielleicht zwischendurch gestoppt 🙂 Gerade nach Schritt zwei, als die verlaufenden Farben und die weißen Punkte so ein schönes Muster ergaben. Aber es war noch so leer, mir fehlte da irgendwie die Action! Und es ging ja darum, zu spielen, offen zu sein, über sich hinauszugehen. Im Dialog mit dem Material – die Blümchen sprangen mich an und gehörten unbedingt auf die entstehende Waldlichtung. Und im Gedanken an die Begriffe, die uns an diesem Tag wichtig erschienen. Ganz unterschiedliche Bilder sind dabei herausgekommen, jedes auf seine ganz andere Art sehr schön.

Eine Erscheinung ist es bei mir geworden … und genauso, wie ich über das Ergebnis staune, bin ich auch sehr glücklich damit. Denn es steckt tatsächlich sehr vieles darin, was ich auch in meinen Romanfragmenten und Kurzgeschichten ausdrücken möchte. Ich bin also auf dem richtigen Weg – und will versuchen, diese Techniken auch auf das Schreiben zu übertragen. Auch wenn dann mehr Rosalila, Schmetterlinge und Blumen in meinen Texten erscheinen 🙂

Habt ihr beim Kreativsein auch schon Erstaunliches erlebt?

Drei Meter Handlungsplan

Heute möchte ich euch eins meiner Lieblingswerkzeuge beim Romanschreiben vorstellen. Es füllt die komplette Wand gegenüber meinem Schreibtisch:

Handlungsplan Roman roter Faden

Der Drei-Meter-Handlungsplan 🙂

„Warum Handlungsplan?“, fragt ihr vielleicht.

Viele Autoren schreiben nach Gefühl drauflos, die Handlung ihres Buches haben sie im Kopf oder sie entwickelt sich beim Schreiben, am Ende wird alles überarbeitet (oder auch nicht).

Ich fühle mich mit einem klaren Plan wohler – zumindest bei meinem Fantasy-Romanprojekt. Denn dessen aktuelle Fassung hat fünf Hauptfiguren, aus deren Perspektiven berichtet wird – da muss man den Überblick behalten, wie sich die Geschichte aus Sicht jeder Figur entwickelt. Ich habe diverse Handlungsstränge, Geheimnisse und Konflikte, die logisch aufgebaut und gelöst werden wollen.

In der Ideenfindungsphase habe ich auch einfach drauflosgeschrieben – allerdings nur Stichworte, Dutzende Seiten davon: zu meiner Fantasy-Welt und ihren Bedingungen, zu meinen Figuren und ihren Beziehungen, zu meinen Metaphern und Kernaussagen. Ich habe Schlüsselszenen entworfen, die unbedingt vorkommen sollten; der Wendepunkt in der Mitte und der Höhepunkt kurz vor Ende waren mir schon klar, lange bevor ich die Anfangsszenen plante. Auf diese Punkte soll alles hinauslaufen – und der Leser soll sich an die Stirn fassen und sagen: Ja klar – warum habe ich das nicht gleich geblickt?

Dazu muss die Geschichte stimmig sein.

Allerdings ist es mir beim Schreiben oft passiert, dass ich selbst meine Handlung nicht mehr durchschaute – auch nachdem ich fünf von zehn Hauptfiguren gestrichen hatte.

Handlungsplan Roman Gliederung Textverarbeitung

Gliederung und Textanfang im Open Office Writer

 

Selbst auf einem großen Computerbildschirm kann man nicht alles im Blick behalten …

 

Handlungsplan Roman Seitenüberblick Textverarbeitung

alle Stichwortseiten auf einmal, Versuch in Word

 

…. oder wenn, dann erkennt man keine Details mehr!

 

 

Handlungsplan Roman Gliederung Papyrus Autor

Gliederung, Text und Notizen in Papyrus Autor

 

Mit einer speziellen Schreibsoftware geht es um Längen besser – mit dieser hier kann man zum Beispiel auch Zeitleisten abbilden. Das ist einen eigenen Blogeintrag wert, kommt später!

 

 

Trotzdem: Die Situation war unbefriedigend.

Handlungsplan Roman SzenenzettelIrgendwann kam ich darauf, alle wichtigen Handlungsbestandteile auf kleine Zettel zu schreiben. So à la „Hauptfigur kommt am Schauplatz an“, „das Geheimnis der Insel wird gelüftet“, „die Welt steht kurz vorm Untergang“ usw. Es wurden unglaublich viele Zettel, es ging unglaublich langsam, aber mir half es, das Material in der Hand zu haben, es durchzuarbeiten, herumzuschieben. So fiel mir etwa auf, dass ich viele Elemente fusionieren konnte: Aus „das Geheimnis der Insel wird gelüftet“ und „die Welt steht kurz vorm Untergang“ ließ sich zum Beispiel eine Szene machen. Schließlich hatte ich 60 Zettel, jeder beschreibt in ein bis vier Sätzen eine Szene meines Handlungsentwurfs.  (Eine Szene ist eine Einheit, die aus der Perspektive einer Figur geschrieben ist, mehrere Szenen bilden bei mir ein Kapitel.) Ich habe die Szenen je nach Perspektivfigur farbig markiert.

Handlungsplan Roman auf KüchenfußbodenDann wollte ich alles vor mir ausbreiten. Letztes Jahr ging das nur auf dem Küchenfußboden. Es wurde eine wahrlich kreative Woche: Ich ging in meinem Buch herum, ich platzierte gläserne Leuchttürme und blonde Schurken darin, ich fand den roten Faden und übertrug alles in den Computer, gefüllt mit immer mehr Details. Leider bekam ich wenig zu essen, weil ich so schlecht an den Herd oder den Kühlschrank kam.

 

Doch dann konnte ich meine Schreibwerkstatt einrichten! Noch bevor mein geliebter Sechs-Meter-Schreibtisch entstand, ging ich zum Inselschlosser und ließ mir drei Stahlplatten nach Maß zurechtschneiden. Der Autolackierer daneben sprühte sie ein, über der farbigen Schicht ist durchsichtiger Tafellack. An diesem Punkt gebe ich gerne zu: Ein Whiteboard wäre einfacher und billiger gewesen. Aber meine Schreibwerkstatt soll nach Werkstatt aussehen, nicht nach Büro! Und meine Kreidefelsen-Fantasy soll mit Hilfe von Kreide entstehen 🙂 Da die Variante vom Strand doch etwas bröckelt, wurde es normale Tafelkreide, außerdem kaufte ich ca. 200 kleine Magnete.

Der Rest ging fast von allein:

Jede Hauptfigur bekam ihre eigene Zeile, so dass man die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven getrennt verfolgen kann. Die Haupt-Hauptfigur in der mittleren Zeile hat 20 Szenen, die anderen je acht bis 12 – hoffentlich hilft das dem Leser genauso bei der Orientierung wie mir. Ganz am Anfang steht noch eine separate Magnettafel, wo momentan die Landkarte meiner Fantasy-Insel und die Hobbymalerversion eines möglichen Titelbildes hängen; hier könnte man auch Fragen oder Prämissen notieren.

Nachdem ich alles chronologisch angeordnet hatte, ging ich noch etwas davor auf und ab, betrachtete die Abläufe, stimmte sie mit der Planung im Computer ab. Dabei wurden mir selbst einige Bezüge und Wendungen erst richtig klar – sowas lässt sich dann schnell mit Kreide notieren. Am Ende drapierte ich den roten Faden, damit ich beim Schreiben keine Szene vergesse. Das Ungeheuer tauchte übrigens von selbst an der richtigen Stelle auf – und morgens lächelt es mich voll Tatendrang an, wenn ich aus dem Schlafzimmer komme 🙂

Ich fasse zusammen:

„Warum Handlungsplan?“

Mein Handlungsplan hilft mir, beim Romanschreiben den Überblick zu bewahren, Inhalte zu fusionieren, Details aufzufüllen, kurz: die Geschichte stimmig aufzubauen.

Und warum gleich drei Meter davon?

Mir hilft es tatsächlich, die Szenen anzufassen, sie herumzutragen, vor der Geschichte auf- und abzugehen und so den eigenen Standpunkt zu wechseln. Je mehr Sinne man einsetzt, desto kreativer wird man! Es hat Spaß gemacht, und der Anblick erinnert mich täglich daran, für was ich eigentlich hier bin. Und wenn Besuch kommt, machen drei Meter Handlungsplan einfach was her 🙂

Wie arbeitet ihr denn so?

Sechs Meter Schreibtisch

Seit meiner Grundschulzeit litt ich unter vollkommen unzureichenden Arbeitsflächen. Auf höchstens anderthalb Metern drängten sich Bildschirm und Telefon (Grundschule: Tuschkasten und Malbücher), Papiere und Tassen, stumpfe Bleistife und anzunähende Knöpfe. Nur der Drucker war immer weit weg. Egal was für großzügige Wellenfotos ich als PC-Hintergrundbilder wählte, meine Gedanken waren eingezwängt.

Nun wird alles anders. Ich habe mir einen weiteren Traum verwirklicht:

Sechs! Meter! Schreibtisch!!!

Platz zum Schreiben, Platz zum Stapeln, Platz zum Denken … und es fällt nicht mal auf, wenn man dabei die Füße hochlegt.

Vorher waren mehrere Wochen Tüfteln und Heimwerken angesagt.

 

Gute Teamarbeit: Uffe schleppte, sägte und stemmte. Ich maß, entwarf und plante. Das Holz trug schöne Details bei.

 

Nachdem Uffe ein Dutzend Bauteile nach Maß gesägt hatte, war ich wieder dran.

 

 

Dann kam endlich der Tag des Einbaus!

 

(Vierkantholz? Unglaublich, was man auf seine alten Tage alles lernt, nur um nicht weiter an seinem Roman schreiben zu müssen 😉 … Danke für den Tipp, Ingo!)

 

 

Der Beginn des Johannes-Evangeliums:

En archē ēn ho Lógos – Im Anfang war das Wort.

Und am Ende war die Signatur:

 

Nach nur vier abschließenden Schleif- und Lackierdurchgängen und geringfügigen weiteren Dekoarbeiten … sieht mein Arbeitsplatz jetzt so aus!

Schreibwerkstatt Møn 8 letzter Schliff 1

Die Betonung liegt dabei auf „jetzt“: Dieses Bild ist der Zustand im Juni, Juli und August, wo meine Schreibwerkstatt samt Schlafzimmer von Gästen der Pension Bakkegaard Møns Klint gemietet werden kann. Ich hoffe, dass einige von ihnen Lust bekommen, eigene Schreibideen zu verwirklichen – mit der alten Schreibmaschine kann man gleich loslegen.

In den anderen neun Monaten des Jahres ist dies meine Arbeitsfläche. Sechs Meter an der Außenkante – OK, „nur“ ca. vier an der Innenkante – bieten Platz für Bildschirm und Telefon, Papiere und Tassen, stumpfe Bleistife und anzunähende Knöpfe. Und für Tuschkasten und Malbücher, Nähmaschine oder womit ich mich sonst grad vom Schreiben ablenken will. Und der Drucker steht immer in Reichweite.

Wie sieht euer Traum-Arbeitsplatz aus?

Insel aus Zeit

Møn, aus dem Meer entstanden auf einem Fundament aus Fossilien. Milliarden von Kokkolith-Algen, die im Kreidemeer lebten und in Millionen Jahren zu Felsen wurden. Kreidefelsen, die mich zu Tausenden Fotos verlockten und die mich dazu brachten, mein altes Leben hinter mir zu lassen und auf die Insel zu ziehen … Meine Begeisterung für dieses Gestein habt ihr vielleicht schon mitbekommen.

 

Heute veröffentliche ich ein kleines Gedicht, das ich im September 2013 geschrieben habe. Es ziert inzwischen einen Schrank in meiner neuen Traumwelt – und könnte auch der Prolog meines Romans werden:

Am Grund der Zeit

Schwebendes Leben
Im Wasser, zum Licht
Ein Meer – Milliarden
Winzigster Wesen
Fließen und fallen
Sterben und sinken
Bilden den Boden
Der wachsenden Welt

Ein Meter – Millionen
Dunkelster Jahre
Schwerer und schwerer
Versunken, versteinert
Gewachsen, erhöht
Entstand das Land
Leben und Licht

 

Erschaffe deine eigene Traumwelt

Ich habe viele glückliche Tage in Traumwelten verbracht. Als Kind streifte ich durch die Wälder von Narnia und die Paläste von Tausendundeiner Nacht, als Erwachsene reiste ich durch Wurmlöcher und Rollenspiel-Wüsten. Doch erst jetzt bin ich dabei, meine eigene Traumwelt von Grund auf zu bauen, die Kulisse für meinen ersten Fantasy-Roman. In meinen ersten paar Monaten auf Møn wuchs diese Welt wie von selbst, in meinem Kopf, auf Landkarten und im Laptop … also wurde es Zeit für eine gute Vermeidungsstrategie.

Denn welcher Autor will schon innerhalb von ein-zwei Jahren sein Buch fertigstellen? Vielleicht sogar reich und berühmt werden? Klar, das will man nicht. Also macht man statt Schreiben alles mögliche andere. Abwaschen, aufräumen … naja, ein wenig kreativer darf es werden. Zum Beispiel:

Traumwelt Zengarten Fantasy auf Møn

Der Fantasy-Zen-Garten/Sandkasten für Erwachsene

Man nehme eine Fläche, an der man angenehm stundenlang spielen kann, z. B. seinen Schreibtisch oder eine Kommode – ich habe mir eine aus einem IKEA-Küchenelement gebaut, 80 cm tief und dann noch mit Abstand zur Wand aufgestellt.

Auf diese Fläche setze man einen Behälter. Für die kleine Schreibtischlösung (in Griffweite von der Tastatur) täte es ein Schuhkarton. Ich gönne meiner Spielwiese eine Sperrholzplatte, 140 x 112 cm groß, mit einer ca. zehn Zentimeter hohen Leiste drumherum. Man lege diesen Behälter mit einer schalldämmenden Unterlage aus.

 

Dann fülle man diesen Behälter mit Baumaterial! Ich empfehle …

  • Aquarienkies – nicht ganz billig, aber angenehm, um auch mit bloßenHänden darin zu wühlen, außerdem sauber und farblich sortiert zu haben. Wer eine Wohnung ohne Kinder, Teppiche oder Ritzen hat, kann auch Sand nehmen.
  • schöne größere Steine und knorrige Holzstücke (wer reinen Zen will, höre hier auf zu lesen)
  • farbige Steine, Murmeln, Muscheln, Mosaikplättchen
  • Häuser für Wichtel und Feenvolk
  • weitere Bauwerke nach Lust und Laune
  • Spiegel und Glasscheiben, die schöne Wassereffekte ergeben
  • Mensch- und Tierfiguren (da muss ich noch auf die Suche gehen … vielleicht ein Heer Gummidinosaurier?)

 

Dann heißt es: Schaffe, schaffe, Weltle baue!

Wie bitte? Ich wollte doch nur spielen – und jetzt habe ich schon wieder eine Traumwelt geschaffen. Wenn ich nicht aufpasse, entstehen darin bald zwei Kreidefelsen, ein paar Leuchttürme … und Ungeheuer besiedeln die Tiefe. Und schon gibt es Stoff zum Schreiben.

 

Wie würde eure Traumwelt aussehen?

Wer es ausprobieren will – kommt mich doch auf Møn besuchen. Im Juni, Juli und August kann man mein Zimmer sogar mieten und den ganzen Tag im Kies wühlen. Und zwar in der Pension Bakkegaard Gæstgiveri Møns Klint. Weitere Fotos von meiner Traumwelt gibt es hier, und in den nächsten Monaten schreibe ich noch etwas mehr über meine Gedanken bei der Ausgestaltung. Denn da ist Raum für viele Vermeidungsstrategien!

Update: Knapp ein Jahr später haben meine Gäste und ich viel in meinem „Zengarten“ gespielt. Hier ein Rückblick: Kleine Welten auf der Wohnzimmerkommode

Visionen für 2015

Vision Board Workshop 028

Traraaaaaaaa! Nach wochenlangem Kämpfen, Grübeln, Zweifeln, Listen-Schreiben und Auf-den-Bildschirm-Starren fand ich … die Antwort auf alle meine Fragen. Meine Visionen für das Jahr 2015. Meine Träume, meine Ziele auch darüber hinaus.

Aber ich fand sie nicht, weil ich wochenlang kämpfte, grübelte, zweifelte, Listen schrieb und auf den Bildschirm starrte. Nein, meine Visionen kamen wie von selbst, in einem spielerischen Prozess, der die reine Freude war. Und der (leider) nur ein paar Stunden dauerte.

Ich habe gestern an einem „Vision Board Workshop“ teilgenommen. Unter Anleitung der Künstlerin Lise Meijer, deren Bilder ihr hier auf ihrer Website bewundern (und kaufen) könnt, trafen sich fünf Frauen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen, Wünschen und Talenten, um ihre Visionen auf kreativem Weg greifbar zu machen. Wir schrieben, wir meditierten, wir tanzten sogar unsere Träume, und dann ging es auf „Schatzsuche“.

 

Wie findet man in der Unordnung auf dem Fußboden, in den wirren eigenen Gedanken nun die eine, strahlende, lockende Vision, die einen für das ganze Jahr beflügelt? Ihr müsst schon selbst so einen Workshop mitmachen, um es zu erleben. Ich kam mit vielen guten Vorsätzen … Schreiben. Malen. Lesen. Spazierengehen. Mehr Leute treffen. Noch mehr Zeit für mich haben. Geld verdienen und Gutes tun …

Meine Vision für 2015, die all dies umfasst und noch mehr, heißt ab heute:

SCHÖPFEN.

Neues schaffen, nicht nach einem starren Plan, nicht im Kampf gegen Widerstände, nicht unter Druck. Sondern im Zusammenspiel aus Gedanken und Gefühlen, intuitiv, auf meine innere Stimme hörend, inspiriert von der Natur, der Kunst und den vielen tollen Menschen, die ich in den letzten Jahren kennenlernen durfte.

Danke, dass ihr da seid, mit all euren unterschiedlichen Träumen und Begabungen. Wir beflügeln und ergänzen einander, wie Stimmen in einem großen Chor.

Was ist eure Vision für 2015?