Mein erster Bernsteinfund auf Møn

Gestern war ein Glückstag: Ich habe meinen ersten Bernstein gefunden, seit ich auf meiner Lieblingsinsel wohne. Und gleich einen etwas größeren! Ich freue mich sehr – nachdem ich ihn heute auf Echtheit getestet habe 🙂

Bernstein - Rav - Busene Have - Møn

Wo findet man Bernstein?

Meinen fand ich am Strand im Südosten der dänischen Insel Møn, zwischen dem Parkplatz bei Busene Have und dem Leuchtturm Møns Fyr. Auf Møn gibt es nicht so viel Bernstein wie z. B. an der polnischen und russischen Ostseeküste, aber meine Bekannten haben mir immer wieder von Funden berichtet. Nur ich hatte in den drei Jahren, die ich nun hier schon wohne, noch keinen gesehen!

Nun lag er ganz offen auf den Steinen und leuchtete mich mitnahmebereit an. Soweit ich gelesen habe, ist das eher untypisch, eigentlich versteckt sich Bernstein häufiger im angeschwemmten Tang oder in Pfützen hinter höheren Steinen.

Wann findet man Bernstein?

Ohne dass ich es geplant hätte, war der Zeitpunkt wohl optimal. Jetzt, kurz vor Winteranfang, treibt Bernstein oben auf dem kalten, dichten Wasser und Stürme schwemmen ihn an Land. Ich ging vormittags um elf spazieren, da war Hochwasser, die Brandung schlug gegen den Strand, getrieben von einem starken anlandigen Wind und angezogen vom Beinah-Vollmond. Der verbleibende Strandstreifen war schmal, ich hatte ihn die meiste Zeit für mich … und ich suchte überhaupt keinen Bernstein! Also, es hat einfach gepasst 🙂

Glücksfund oder Gefahrgut?

Die Fantasyautorin in mir war natürlich gleich überzeugt, den großen Fund gemacht zu haben. Sie fabulierte etwas von urzeitlichen Insekten, die im fossilen Harz eingeschlossen sein könnten, dem Roman, den ich davon inspiriert schreiben würde, und den immensen Reichtümern,  die mir mein Fund bringen würde.

Die Journalistin, die ich allerdings auch noch bin, verlangte nach genauer Prüfung. Kein Mammutembryo zwinkerte mir aus dem Inneren zu. Das transparente Stück konnte einfach Plastik sein. Außerdem hatte ich einiges über gefährliche Phosphorfunde gelesen, Reste von Bombenfüllungen aus dem zweiten Weltkrieg, die auf der südlichen Ostseeseite gar nicht so selten sind. Selbst Experten können Phosphorklumpen kaum von Bernstein unterscheiden, außer dass sich das Teufelszeug nach dem Trocknen und Aufwärmen von selbst entzündet, giftige Dämpfe verströmt und lebensgefährliche Verletzungen verursachen kann. Mehr dazu steht bei Usedom-Net hier: http://www.usedom-net.de/natur/bernstein-phosphor-verwechseln.html

Ich steckte den goldgelben Stein also nicht in die Hosentasche, sondern in einen Beutel, wo er kalt bleiben würde. Zu Hause begann ich zu experimentieren.

Wie erkennt man echten Bernstein?

Zum Glück gibt es verschiedene Tests, die man relativ leicht selbst durchführen kann. Auch die fand ich gut beschrieben bei Usedom-Net: http://www.usedom-net.de/natur/wie-bernstein-erkennen.html

Meine Prüfreihe sah so aus:

Bernsteinprobe 1: Bernstein schwimmt in Salzwasser

Das war der leichteste Test. Mein Bernstein hat die Maße einer kleinen länglichen Kartoffel, etwa 6 x 3 x 2 cm. Er wiegt 20 Gramm, noch nicht mal halb so viel wie ein vergleichbar großer Stein. Er schwimmt in gesättigter Salzlösung (gut zwei Esslöffel Salz auf ein Marmeladenglas Wasser), doch in Süßwasser geht er unter. Plastik würde in beidem schwimmen.

Bernsteinprobe 2: Bernstein entzündet sich nicht spontan

Bernstein oder Phosphor – Test auf Selbstentzündung mit Fön

Diesen Test machte ich als Nächstes, um auszuschließen, dass ich mit gefährlichem Phosphor hantierte! Der fängt zu brennen an, sobald er trocknet, Sauerstoffkontakt hat und ca. 50 Grad warm wird (bei fein verriebenem Staub reichen niedrigere Temperaturen).  Und die Dämpfe sind sehr giftig.

Also ab ins Freie, Klumpen in eine feuerfeste Unterlage und mit dem Fön aufheizen, immer bereit wegzulaufen … Da  nichts passierte, nahm ich den sehr warmen Stein mit neuem Vertrauen in die Hand und machte die letzten Tests wieder im Haus.

Bernsteinprobe 3: Nagellackentferner macht Naturbernstein nichts aus

Naturbernstein oder künstlich – Test mit NagellackentfernerWas empfiehlt Usedom-Net noch? Aha. Wattestäbchen mit Nagellackentferner befeuchten und am Stein rubbeln. Wenn es abfärbt, ist es künstlicher oder gepresster Bernstein.

Bei so einem Strandfund unwahrscheinlich, aber die Utensilien waren in Reichweite! Schnell getestet und schnell bestanden: Der Stein begann zu glänzen, das Wattestäbchen blieb weiß.

 

Bernsteinprobe 4: Bernstein lässt sich elektrisch aufladen

Wenn man Bernstein an Wolle rubbelt, lädt er sich elektrisch auf. Er zieht dann Wollfussel und Papierschnipsel an und lässt einem die Haare zu Berge stehen … sieht man auf dem Foto nicht so gut, aber ein paar Strähnen folgten dem Stein über meinem Kopf.

Bernsteinprobe 5: Bernstein klingt anders als Stein

Usedom-Net sagt, man solle mit dem Bernstein an die Zähne klopfen. Also gut … Ja, er klingt anders als der ähnlich geformte Vergleichsstein!

Bernsteinprobe 6: Bernstein lässt sich leicht einritzen

Bernstein ist relativ weich. Wer staBernsteintest mit dem Messerrke Fingernägel hat, kann ihm schon damit eine Kerbe verpassen (schreiben die Experten). Ich nahm lieber ein (nicht besonders scharfes) Messer. Man sieht das Ergebnis nicht gut, zumal der Stein eh schon Verwitterungsfurchen hat, aber ich habe ihn noch weiter zerkratzt 🙂

Bernsteinprobe 7: Bernstein schimmert unter UV-Licht blaugrün

Eine sicher sehr ästhetische und schonende Methode … die ich leider zu Hause nicht anwenden kann. Doch die Hinweise auf echten Bernstein hatten sich genug verdichtet, fand ich. Aus reiner Experimentierfreude, ergänzt mit kindlicher Zerstörungslust journalistischem Recherche-Eifer, machte ich stattdessen noch den letzten, besonders aggressiven Test.

Bernsteinprobe 8: Bernstein brennt

Showdown! Ich platzierte den Bernstein im Spülbecken, direkt unterm Wasserhahn, und hielt ein brennendes Streichholz dagegen (an das Ende ohne Nagellackentferner). Es dauerte, bis das Streichholz fast ausgegangen war, doch dann fing der Stein Feuer. Ich war so fasziniert und der Rauch duftete so süß, dass ich fast vergaß zu löschen … Doch irgendwann überwog der Kokelgeruch und ich rettete meinen Schatz vor noch größeren Brandwunden.

So! Also ich würde sagen, Tests bestanden! Mein erster Bernsteinfund auf Møn ist echt. Die Journalistin in mir hat genug geprüft und dokumentiert, nun will die Fantasyautorin ran. Denn Bernstein spielt am Beginn meines geplanten Fantasyromans eine wichtige Rolle (ihr wisst schon, dem Buch, das seit drei Jahren vor sich hinreift). Gleich in der ersten Szene fährt die Hauptfigur im Winter aufs Meer, um Bernstein zu fischen, das Ganze bei Vollmond! Das ist seit vielen Monaten so geplant – ich glaube, meine Insel will mich ermutigen, endlich loszuschreiben ;-).

Vielleicht war dies der nötige Impuls, der mich so weit inspiriert, dass ich endlich den Bestseller fertigstelle und die immensen Reichtümer verdiene, von denen ich beim ersten Anblick des Bernsteins kurz mal träumte. Denn mangels eingeschlossener Fossilien wird mir der Stein selbst keine Schätze bringen: Eine oberflächliche Internet-Recherche ergab einen Wert um die 20 Euro.

Meine Freude ist aber unschätzbar 🙂

Euch allen viele schöne Spontanfunde, wo immer ihr auch seid – Møn lohnt sich übrigens auch im Winter 😉

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