Fünf Dinge, die ich von meinem Verlagsprojekt gelernt habe

Im September erschien mein erstes Buch, das ich in Dänemark geschrieben habe. Es war auch mein erstes Werk in einem neuen Genre: Lifestyle und Handarbeiten. „Handmade Hygge“, wie der (deutsche) Verlag es taufte 🙂

Ich freue mich über das schöne Ergebnis, aber auch über das, was ich bei diesem Projekt (mal wieder) gelernt habe. Vor allem, dass ich in drei Monaten ein Manuskript fertigstellen kann. Na gut, ein Teil-Manuskript, denn die Hälfte des Buches besteht aus Handarbeitsanleitungen von anderen Autorinnen 😉

Morgen, am 1. November, beginnt der National Novel Writing Month, bei dem Hunderttausende Autoren weltweit versuchen, so schnell wie möglich ihr Buch zu schreiben. Ob ich die folgenden Erkenntnisse auf meinen Roman übertragen kann?

1. Ein knappes Konzept tut es auch.

Sieben Powerpoint-Folien der Produktmanagerin, hauptsächlich mit Bildern bestückt. Ein 40-minütiges Telefonat, ein paar E-Mails mit Zusammenfassungen. Danach sollte ich selbst meine Kapitel in Stichpunkten skizzieren. Das Konzept wurde abgesegnet – und los ging’s.

2. Selbst in kurzer Zeit schafft man viel Buch.

Siehe oben. Am 20. März kam die Anfrage des Verlags, am 16. Juni schickte ich den letzten Text ab. Dazwischen: Brainstorming, Absprachen, Recherche, Schreiben, Feedback, Überarbeiten! Danach hat der Verlag noch layoutet, Ende Juli der Korrekturdurchgang und dann ging das Buch in den Druck.

Dass eine Deadline Wunder wirkt, wusste ich schon immer. Aber der Druck (in beiden Bedeutungen) ist präsenter, wenn das Buch schon auf Amazon angekündigt ist, während man noch an den Texten tüftelt!

Freiwillig hätte ich ja nie im Frühsommer an einem Buch gearbeitet. Saisonjobs, bezahlte Schreibaufträge, ein kleiner Umzug und Besuch mit Ausflugsprogramm … war alles kein Hindernis, wie ich nun merkte. Zeitig aufstehen, ran an den Schreibtisch! (Der in den letzten Schreibwochen auch nicht großzügiger bemessener war als das Zeitfenster, da ich im Sommer auf 9 qm wohne.)

3. Bücherschreiben ist nicht billig.

Mit „Handmade Hygge“ hatte ich wirklich Glück. Das Thema war super … hyggelig 🙂 Die Recherche hat Spaß gemacht. Ich konnte gemütlich auf dem Sofa schreiben, wenn mir danach war. Der Kontakt zum Verlag war angenehm und das Buch ist wirklich schön geworden.

Aber: Die Freude war nicht umsonst zu haben. So ein Buch kostet Zeit. Zeit, die mir fehlte, um meine Freundschaften zu pflegen. Um rauszugehen und den Sommer zu genießen (zum Glück ist der dieses Jahr ausgefallen). Um andere Aufträge anzunehmen, die mehr Geld gebracht hätten. Nach ein paar Monaten merkt man  deutlich, was einem alles entgeht. Dann muss man sich klar sein, welche Prioritäten man hat. Diesmal war es das Buch – ich bereue es nicht und würde es wieder tun. Doch in anderen Lebenslagen können andere Dinge wichtiger sein.

4. Vom Bücherschreiben wird man nicht reich.

Das ist theoretisch bekannt. Aber als Fantasy-Autor lebt man ja in einer Traumwelt. Auch, was die Möglichkeiten für einen Millionenverdienst angeht. Doch die Realität sieht anders aus. Und sie lässt sich ziemlich genau berechnen.

In meinem ersten festen Job (damals in einer deutschen Großstadt) mussten wir Angestellten Stundenlisten führen. „Time & Money Tracking“ hieß das Programm, mit dem die Geschäftsleitung den Überblick behielt, was welche Projekte nach Abzug des Aufwandes einbrachten. Als freiberufliche Texterin habe ich diese Gewohnheit beibehalten. Dank meiner schlichten, aber stetig geführten Tabellenkalkulation kann ich je nach Auftrag Stunden abrechnen oder Pauschalpreise anbieten, die nicht aus der Luft gegriffen sind.

Auch beim Hygge-Buch habe ich Listen geführt. 101,5 Stunden Arbeit standen am Ende darin. Für Briefing und Recherchen, Bildersuche, Text und Korrektur; ohne  Werbemaßnahmen seit Erscheinen des Buches. Die erste Auflage beträgt 5000 Stück. Wenn die ganz weggeht, bekomme ich gut 1000 Euro dafür. Macht zehn Euro brutto die Stunde – hier in Dänemark kann man doppelt so viel mit Putzen verdienen. Diese Erkenntnis war doch ernüchternd.

Ab der zweiten Auflage wird es zwar interessanter und die VG Wort dürfte auch noch  Tantiemen abwerfen. Das heißt, mit konstanter Fleißarbeit für etablierte Verlage kann man vielleicht von solchen Büchern leben. Aber steinreich? Das wird man besser auf anderen Wegen.

5. Der Verlag bestimmt.

Nicht die Autorin, sondern die „Produktmanagerin“ steuert das Buch. So heißen die Redakteurinnen/Lektorinnen heute in vielen Verlagen. Und der Verlag bestimmt, welche Bücher er veröffentlicht. Er bestimmt die Bedingungen, besonders bei Neuautoren. Er bestimmt auch den Umfang, die Aufmachung, das Cover. Den Titel … und im Zweifelsfall den Text.

Gerade an diesem Punkt haben viele Autoren Probleme. Wer will schon seine mühsam gewählten Worte im Lektorat umschreiben lassen? Zum Glück wurde mein Text bei diesem Buch so gut wie nicht verändert (das habe ich bei anderen Projekten aber auch schon anders gehabt). Doch diese Abläufe müssen einem einfach klar sein, sonst sollte man sein Buch selbst veröffentlichen. Eitelkeit ist als Verlagsautor fehl am Platz.

Das hat aber auch einen klaren Vorteil. Denn der Verlag weiß (in der Regel), was die Leser wollen. Und er kann es dem Buchhandel schmackhaft machen. Wenn es ein großer Verlag ist. Wie in diesem Fall der frechverlag, dessen Kreativbücher wirklich einen breiten Markt abdecken. Er hat das Konzept nach wirtschaftlichen Kriterien erstellt, die Werbung an die Zielgruppe angepasst. Und er verkauft das Buch. Viel besser, als ich es mit meinem kleinen Wirkungskreis könnte.

6. Seien wir ehrlich: Niemand liest Texte.

Das Cover meines Buches kommt gut an. Auch für die Bilder wurde ich gelobt. Für die schöne Gestaltung, die gezeigten Handarbeitsprojekte. Nichts davon ist mein Verdienst. Zum Text hat bisher – außer der Produktmanagerin und der externen Lektorin – kaum jemand Rückmeldung gegeben 😉

Liegt es daran, dass keiner Texte liest? Generell hege ich diesen Verdacht schon lange – seit ich eine Mitarbeiterzeitschrift als Redakteurin verantwortet habe. Am wichtigsten sind die Bilder, dann die Bildunterschriften und das Fettgedruckte. All die kleinen Buchstaben sind Graufläche, wie die Grafikerin damals sagte.

Egal, auch hier ist Eitelkeit fehl am Platz. Ich habe geschrieben, so gut ich konnte, jetzt ist das nächste Projekt an der Reihe: mein Fantasy-Roman. Einen Verlag habe ich noch nicht, aber ein Konzept und eine Deadline – den 30. November, wo 50.000 Wörter in der Datei stehen sollten, das ist das Ziel des National Novel Writing Month. Mal sehen, ob die Erfahrungen aus meinem Verlagsprojekt mir dabei helfen.

Frohes Schaffen an alle, die in den nächsten Wochen kreative Projekte verfolgen!

Liebe Grüße von der Insel, Carmen Wedeland

P. S. Wer von euch hat diesen Blogtext gelesen, den Fehler gefunden – und gibt mir dazu auch noch Rückmeldung? 🙂

14 Gedanken zu “Fünf Dinge, die ich von meinem Verlagsprojekt gelernt habe

  1. Liebe Carmen, ich geniesse Deinen Blog und lese immer Deine Texte. Leider habe ich bislang nicht Deinen Mut aufgebracht , um in mein Traumland Dänemark auszuwandern. Ich habe mit meinen 41 Jahren hier an der Uni einen Sprachkurs besucht. Leider verstehen mich die Dänen gleichwohl oft nur schwer oder gar nicht. Hier nun das gewünschte Feedback zu dem eingebauten Fehler. Es fehlt ein „ist“ in dem Satz, in dem Du auf Deinen Fantasy-Roman zu sprechen kommst. Viel Glück weiterhin. Ich freue mich darauf, von Dir zu lesen. Herzlich aus Leipzig, Karina

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    • Liebe Karina, vielen Dank für deine nette Nachricht. Das ist ja schön zu lesen, dass mein Blog jemanden in Leipzig interessiert (eine tolle Stadt, fand ich bei meinem Buchmesse-Besuch letztes Jahr). Warum ist Dänemark für dich das Traumland?
      Ja, die dänische Aussprache ist schwierig (liegt es bei dir daran?) und die Dänen sind da nicht sehr flexibel. Aber ich glaube, wenn man erstmal eine Weile im Land ist, geht es mit der Sprache schneller voran.
      Noch mehr freut mich, dass jemand meine kleine Herausforderung angenommen hat und mir Rückmeldung zum Text gibt! Du hast allerdings nicht den Fehler gefunden, den ich mit Absicht eingebaut habe. Den Satz mit dem Fantasy-Roman habe ich jetzt verbessert. Danke dafür und liebe Grüße aus Møn!

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  2. Moin Carmen,

    ich denke ja, ich habe alles gelesen – einen Fehler habe ich aber nicht gefunden. Bin zu schludderig. (Aber siehste mal: manche Leute lesen eben doch Texte).
    Natürlich spricht mich das Thema auch extrem an, weil ich selbst gerade damit zu tun habe. Ich finde, mit Deinem mutmaßlichen Verdienst von 10 Euro pro Stunde liegst Du wahnsinnig gut 🙂 Bei mir sieht die Kalkulation krasser aus. (Ich bin als Anfänger-Autorin sicher auch nicht die Schnellste).
    Im Grunde „lohnen“ sich wohl nur Bestseller. Auch von Verlagsseite, glaube ich. Es hat mich echt aus den Socken gehauen, wie viele Leute an einem Buch beteiligt sind. Und jede/r scheint mir auf seine Art sowas von unverzichtbar für den (etwaigen) Erfolg.
    Du weißt ja, dass wir dieses Jahr 2 Bücher „gemacht“ haben und an einem Sammel-Bildband beteiligt waren. Gestern haben wir gerade das zweite Buch abgegeben. Alles in allem bin ich jetzt seit Februar beinahe jede freie Minute damit beschäftigt. Ich weiß im Nachhinein gar nicht mehr, wie ich es geschafft habe – ich arbeite „nebenbei“ ja auch noch Vollzeit. Ob ich überhaupt noch Freunde und Familie habe…? Ich bin mir nicht sicher. Und ich habe vergessen, wie es ist, einen Tag lang mal gar nichts zu machen. Oder zum Arzt zu gehen. Aber ich vermisse das Schreiben jetzt schon.
    Ich glaub, nur dann macht Schreiben Sinn.

    Ich wünschte, ich könnte am National Novel Writing Month teilnehmen (habe ich letztes Jahr hier auch schon mal geschrieben. Furchtbar.).

    Liebe Grüße
    Stefanie

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    • Hej Stefanie, du bist eine HELDIN, dass du neben der Vollzeitarbeit noch mehrere Buchprojekte durchgezogen hast. Für dieses Jahr bist du vom National Novel Writing Month entschuldigt. Aber nächstes Jahr? Mit deiner Schaffenskraft, und deinem offenbar schon lange vor sich hinköchelnden Romanvorhaben? Nix wie ran, sage ich nur 🙂 Liebe Grüße Richtung Hamburg, Carmen

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  3. Hallo Carmen,
    danke für diesen Einblick in deine Erfahrungen als Verlagsautorin. Bei einem Fantasy-Roman kann man zumindest davon ausgehen, dass da dann wirklich der Text im Mittelpunkt und keine (nicht-vorhandenen) Bilder 😉
    Ich denke, dass es große Vorteile hat, bei einem Verlag unterzukommen anstatt selbst zu publizieren. Der Aufwand, einen entsprechenden Käuferkreis aufzubauen, ist wohl doch enorm. Andererseits: Was, wenn das Cover so ganz und gar nicht meinem Geschmack entsprechen wird? Oder ich die Handlung enorm ändern oder gar ganze Figuren streichen muss? Puh…
    Liebe Grüße, Alex

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  4. Liebe Carmen,
    Dein Buch habe ich am Wochenende bei einem Kurztrip in einem sehr schönen Laden in Wernigerode (Harz) gefunden. Dort habe ich eigentlich nach einem schönen Stoff Ausschau gehalten. Das Buch sprach mich (als Handarbeitsfan und Dänemarkveteran) sofort an und so musste es natürlich mit. Letztendlich war ich gerade wegen Deiner Texte ganz verzaubert, toll, dass Du auch auf die Sprache eingehst.(Ich habe auch schon einen Sprachkurs besucht…) Um Dein Leben auf der Insel beneide ich Dich sehr, obwohl die Umstände für diesen Wohnortwechsel sehr traurig sind. Durch das Buch bin ich dann auch auf Deinen blog aufmerksam geworden — wunderbar!!
    Herzliche Grüße
    Britta

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    • Liebe Britta, vielen Dank für deine freundlichen Worte! Wie schön, dass mein Buch auch im Harz zu finden ist. Ich hoffe, du kannst im Herbst und Winter viele hyggelige Stunden mit Lesen und Handarbeiten verbringen. Oder noch besser, wenn du Dänemark so liebst: bald mal wieder hierher kommen? Liebe Grüße von der Insel! Carmen

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  5. Liebe Carmen,

    danke für den Einblick in deine Erfahrungen. Ich glaube, dass nicht alle Texte gelesen werden. Vielmehr überflogen und nur das Wichtige herausgefiltert. Ich muss zugeben das mache ich auch oft. Was aber auch daran liegt, das einfach viel zu viel Informationen täglich auf uns einströmen. Wenn dann muss ich mir ganz gezielt Zeit dafür nehmen. 🙂

    Schade, dass man damit nicht steinreich wird. 🙂 PS: Meintest du diese Fehler: „Das wird wird man besser auf anderen Wegen.“ 2 mal das Wort wird?

    Liebe Grüße
    Susi

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    • Liebe Susi, ich habe auch zu danken – dafür, dass du mein Buch heute auf deinem Blog empfohlen hast; überhaupt für einen weiteren schönen Dänemark-Blog, den ich im Auge behalten werde; und für die aufmerksame Fehlersuche! Das „wird wird“ war mir tatsächlich entgangen, danke für den Hinweis. Ich habe es jetzt korrigiert. Aber das war nicht der Fehler, den ich meinte 😉 Im Übrigen hast du natürlich recht, es gibt viele gute Gründe, einen Text nur zu überfliegen, ich mache das ja auch oft. Wir schreiben trotzdem fleißig weiter und irgendwoher kommen die Millionen dann schon! Liebe Grüße nach Flensburg, Carmen

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  6. Liebe CC,
    ich lese so gerne deinen Blog – er entführt mich so wunderbar in eine ganz andere Welt :-)! Könnte es sein, dass dein Buch nicht im Frech-, sondern im Topp-Verlag erscheint? Falls dass nicht der versteckte Fehler ist, kenn ich mich halt einfach nicht mehr im Verlagswesen aus ;-).
    Ganz liebe Grüße und hab einen tollen Advent, Rabea

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