Wenn Erzähler plötzlich zaubern: National Novel Writing Month 2017

Diesen November war wieder „National Novel Writing Month“. 30 Tage lang habe ich in die Tasten gehauen, genau wie viele Tausend Autoren in der ganzen Welt. Gut 50.000 Wörter ist mein Roman jetzt lang – rund 180 Buchseiten.

Im 19. Jahr seines Bestehens rechnete das „NaNo“-Team mit 400.000 Teilnehmern: Auszug aus der Pressemitteilung vom September 2017

Die Aktion findet jedes Jahr im November statt, für mich ist es die dritte Teilnahme. Gleich beim ersten Mal erreichte ich das Ziel ebenfalls, mit einer früheren Version des gleichen Romans. Doch ich war die ganze Zeit gestresst und hinterher mit dem Text so unzufrieden, dass ich ihn lange nicht mehr anrührte (hier mein Bericht zum NaNo 2015). Letztes Jahr schrieb ich bewusst langsam an einem Kinderbuch und schaffte daher „nur“ 33.000 Wörter; sie klingen zwar schöner, liegen aber ebenfalls in der Schublade (hier meine Überlegungen zum NaNo 2016).

Dieses Jahr stand der NaNo unter dem Motto „Superpowered Noveling“  – und tatsächlich fühlte ich mich das erste Mal so, als hätte ich die Sache um Längen besser im Griff:

Ich „gewann“ den NaNo schon gestern, also mit einem Tag Vorsprung, trotz einer recht „unproduktiven“ Reisewoche in der Mitte. Heute habe ich auf gut 52.000 Wörter erhöht 🙂

Ich bin diesmal nicht ausgepowert, sondern zuversichtlich, dass ich das Schreiben auch in den Dezember und, wenn nötig, in den Januar hinein fortführen kann, jeden Tag rund 2000 Wörter, bis ich die Geschichte zu Ende gebracht habe. Und dann geht es mit neuer Energie ans Überarbeiten!

Ich bin mit dem Geschriebenen wirklich glücklich. Nicht weil es perfekt wäre, das ist es nicht. Aber: Ich weiß endlich, was ich tue. Meine Figuren machen mit. Die Handlungsstränge laufen organisch ineinander. Und die Roman-Ereignisse spitzen sich zu.

„Superpowered Noveling“ eben! Wer wie ich jahrelang an seinem Buchprojekt herumgekrebst hat und nie wusste, woran es kränkelt, kann diese Erleichterung vielleicht nachvollziehen.

Motivierende Medaillen: Beim National Novel Writing Month gibt es auch zwischendurch viel zu gewinnen.

Woher kamen diese „Creative Superpowers“ so plötzlich? Für mich war es die günstige Kombination aus drei Faktoren:

1. Ich folgte einer Struktur, die funktioniert.

  • Drei Akte: Exposition, Eskalation, Resolution. Darin verteilt  Meilensteine wie Plotpoints und Pinchpoints, gewürzt mit dramatischen Fragen, Krisen und Höhepunkten.
  • Drei Hauptfiguren, aus deren Perspektive ich schreibe, darunter eine Haupt-Hauptfigur, die rund die Hälfte der Szenen bekommt.

Diese Struktur verdanke ich diversen Schreibratgebern, vor allem zwei Werken von Stephan Waldscheidt: Schreibcamp: Die 28-Tage-Fitness für Ihren Roman und Plot & Struktur: Dramaturgie, Szenen, dichteres Erzählen. (Klingt wie Werbung, soll es auch gerne sein; aber ich habe die Bücher selbst gekauft und meine Empfehlung mit niemandem abgesprochen 🙂 ).

Aus dieser Struktur leitete ich meine Szenen ab, und auf die konzentrierte ich mich dann Schritt für Schritt, Tag für Tag, meist vormittags zwei bis drei Stunden lang.
Nach etwa zwei Wochen musste ich etwas mehr Zeit investieren, um den 2. Akt feinzuplotten, hier kam das erste Mal sowas wie Stress und Unsicherheit auf, aber es war ein super Gefühl, als das auch stand. Der 3. Akt ist mir sowieso ziemlich klar – auf dieses Ende zielt das Buch schon immer ab. Darauf freue ich mich besonders, aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg!

2. Ich achtete darauf, dass es mir gutging.

So ein Roman ist ein Marathon, kein Sprint. Zu meinem Glück (oder Pech) hatte ich diesen Monat wenig bezahlte Arbeit. So konnte ich das Schreiben als Arbeit ansehen, hatte danach frei und dachte nicht mehr an mein Buch (außer an den unglücklichen Tagen, wo ich noch nachplotten musste). Also hieß es auftanken! Ich kochte mir anständiges Essen, nahm mir Zeit für Spaziergänge und Treffen mit Freunden. In der Mitte des Monats machte ich sogar eine Kurzreise nach Hamburg. Es war schön, aber das Schreiben fehlte mir sofort! So kam es, dass ich immer wieder neu Energie zum Schreiben hatte, die innere Kerze nie abbrannte, aber ich trotzdem laufend wusste, woran ich gerade war. Es floss einfach. Superpowers 🙂

3. Ich glaubte weiter an den Zauber des Erzählens.

Im Lauf dieses Jahres habe ich mir vergegenwärtigt, was ich eigentlich mit diesem Buch aussagen will. Wie die Geschichte von dem Scherbenhaufen, die ich letzten Monat erzählt habe. Wie die ganze Geschichte, warum ich nach Møn kam, um zu schreiben. Und ich dachte an die Vision, die ich bei einem Waldspaziergang Anfang dieses Jahres hatte. Ich war mit der inneren Frage aufgebrochen: Wie soll ich dieses Jahr gestalten, damit es gelingt? Drei Antworten bekam ich: 1. Folge den vorgegebenen Strukturen. 2. Achte darauf, dass es dir gutgeht. 3. Glaube weiter an den Zauber.

Das habe ich getan, und es hat geklappt 🙂

Wie geht es euch mit euren Schreibprojekten oder anderen großen Vorhaben? Was ist euer Erfolgsrezept?

Liebe Grüße von der Insel, Carmen Wedeland

Fünf Dinge, die ich von meinem Verlagsprojekt gelernt habe

Im September erschien mein erstes Buch, das ich in Dänemark geschrieben habe. Es war auch mein erstes Werk in einem neuen Genre: Lifestyle und Handarbeiten. „Handmade Hygge“, wie der (deutsche) Verlag es taufte 🙂

Ich freue mich über das schöne Ergebnis, aber auch über das, was ich bei diesem Projekt (mal wieder) gelernt habe. Vor allem, dass ich in drei Monaten ein Manuskript fertigstellen kann. Na gut, ein Teil-Manuskript, denn die Hälfte des Buches besteht aus Handarbeitsanleitungen von anderen Autorinnen 😉

Morgen, am 1. November, beginnt der National Novel Writing Month, bei dem Hunderttausende Autoren weltweit versuchen, so schnell wie möglich ihr Buch zu schreiben. Ob ich die folgenden Erkenntnisse auf meinen Roman übertragen kann?

1. Ein knappes Konzept tut es auch.

Sieben Powerpoint-Folien der Produktmanagerin, hauptsächlich mit Bildern bestückt. Ein 40-minütiges Telefonat, ein paar E-Mails mit Zusammenfassungen. Danach sollte ich selbst meine Kapitel in Stichpunkten skizzieren. Das Konzept wurde abgesegnet – und los ging’s.

2. Selbst in kurzer Zeit schafft man viel Buch.

Siehe oben. Am 20. März kam die Anfrage des Verlags, am 16. Juni schickte ich den letzten Text ab. Dazwischen: Brainstorming, Absprachen, Recherche, Schreiben, Feedback, Überarbeiten! Danach hat der Verlag noch layoutet, Ende Juli der Korrekturdurchgang und dann ging das Buch in den Druck.

Dass eine Deadline Wunder wirkt, wusste ich schon immer. Aber der Druck (in beiden Bedeutungen) ist präsenter, wenn das Buch schon auf Amazon angekündigt ist, während man noch an den Texten tüftelt!

Freiwillig hätte ich ja nie im Frühsommer an einem Buch gearbeitet. Saisonjobs, bezahlte Schreibaufträge, ein kleiner Umzug und Besuch mit Ausflugsprogramm … war alles kein Hindernis, wie ich nun merkte. Zeitig aufstehen, ran an den Schreibtisch! (Der in den letzten Schreibwochen auch nicht großzügiger bemessener war als das Zeitfenster, da ich im Sommer auf 9 qm wohne.)

3. Bücherschreiben ist nicht billig.

Mit „Handmade Hygge“ hatte ich wirklich Glück. Das Thema war super … hyggelig 🙂 Die Recherche hat Spaß gemacht. Ich konnte gemütlich auf dem Sofa schreiben, wenn mir danach war. Der Kontakt zum Verlag war angenehm und das Buch ist wirklich schön geworden.

Aber: Die Freude war nicht umsonst zu haben. So ein Buch kostet Zeit. Zeit, die mir fehlte, um meine Freundschaften zu pflegen. Um rauszugehen und den Sommer zu genießen (zum Glück ist der dieses Jahr ausgefallen). Um andere Aufträge anzunehmen, die mehr Geld gebracht hätten. Nach ein paar Monaten merkt man  deutlich, was einem alles entgeht. Dann muss man sich klar sein, welche Prioritäten man hat. Diesmal war es das Buch – ich bereue es nicht und würde es wieder tun. Doch in anderen Lebenslagen können andere Dinge wichtiger sein.

4. Vom Bücherschreiben wird man nicht reich.

Das ist theoretisch bekannt. Aber als Fantasy-Autor lebt man ja in einer Traumwelt. Auch, was die Möglichkeiten für einen Millionenverdienst angeht. Doch die Realität sieht anders aus. Und sie lässt sich ziemlich genau berechnen.

In meinem ersten festen Job (damals in einer deutschen Großstadt) mussten wir Angestellten Stundenlisten führen. „Time & Money Tracking“ hieß das Programm, mit dem die Geschäftsleitung den Überblick behielt, was welche Projekte nach Abzug des Aufwandes einbrachten. Als freiberufliche Texterin habe ich diese Gewohnheit beibehalten. Dank meiner schlichten, aber stetig geführten Tabellenkalkulation kann ich je nach Auftrag Stunden abrechnen oder Pauschalpreise anbieten, die nicht aus der Luft gegriffen sind.

Auch beim Hygge-Buch habe ich Listen geführt. 101,5 Stunden Arbeit standen am Ende darin. Für Briefing und Recherchen, Bildersuche, Text und Korrektur; ohne  Werbemaßnahmen seit Erscheinen des Buches. Die erste Auflage beträgt 5000 Stück. Wenn die ganz weggeht, bekomme ich gut 1000 Euro dafür. Macht zehn Euro brutto die Stunde – hier in Dänemark kann man doppelt so viel mit Putzen verdienen. Diese Erkenntnis war doch ernüchternd.

Ab der zweiten Auflage wird es zwar interessanter und die VG Wort dürfte auch noch  Tantiemen abwerfen. Das heißt, mit konstanter Fleißarbeit für etablierte Verlage kann man vielleicht von solchen Büchern leben. Aber steinreich? Das wird man besser auf anderen Wegen.

5. Der Verlag bestimmt.

Nicht die Autorin, sondern die „Produktmanagerin“ steuert das Buch. So heißen die Redakteurinnen/Lektorinnen heute in vielen Verlagen. Und der Verlag bestimmt, welche Bücher er veröffentlicht. Er bestimmt die Bedingungen, besonders bei Neuautoren. Er bestimmt auch den Umfang, die Aufmachung, das Cover. Den Titel … und im Zweifelsfall den Text.

Gerade an diesem Punkt haben viele Autoren Probleme. Wer will schon seine mühsam gewählten Worte im Lektorat umschreiben lassen? Zum Glück wurde mein Text bei diesem Buch so gut wie nicht verändert (das habe ich bei anderen Projekten aber auch schon anders gehabt). Doch diese Abläufe müssen einem einfach klar sein, sonst sollte man sein Buch selbst veröffentlichen. Eitelkeit ist als Verlagsautor fehl am Platz.

Das hat aber auch einen klaren Vorteil. Denn der Verlag weiß (in der Regel), was die Leser wollen. Und er kann es dem Buchhandel schmackhaft machen. Wenn es ein großer Verlag ist. Wie in diesem Fall der frechverlag, dessen Kreativbücher wirklich einen breiten Markt abdecken. Er hat das Konzept nach wirtschaftlichen Kriterien erstellt, die Werbung an die Zielgruppe angepasst. Und er verkauft das Buch. Viel besser, als ich es mit meinem kleinen Wirkungskreis könnte.

6. Seien wir ehrlich: Niemand liest Texte.

Das Cover meines Buches kommt gut an. Auch für die Bilder wurde ich gelobt. Für die schöne Gestaltung, die gezeigten Handarbeitsprojekte. Nichts davon ist mein Verdienst. Zum Text hat bisher – außer der Produktmanagerin und der externen Lektorin – kaum jemand Rückmeldung gegeben 😉

Liegt es daran, dass keiner Texte liest? Generell hege ich diesen Verdacht schon lange – seit ich eine Mitarbeiterzeitschrift als Redakteurin verantwortet habe. Am wichtigsten sind die Bilder, dann die Bildunterschriften und das Fettgedruckte. All die kleinen Buchstaben sind Graufläche, wie die Grafikerin damals sagte.

Egal, auch hier ist Eitelkeit fehl am Platz. Ich habe geschrieben, so gut ich konnte, jetzt ist das nächste Projekt an der Reihe: mein Fantasy-Roman. Einen Verlag habe ich noch nicht, aber ein Konzept und eine Deadline – den 30. November, wo 50.000 Wörter in der Datei stehen sollten, das ist das Ziel des National Novel Writing Month. Mal sehen, ob die Erfahrungen aus meinem Verlagsprojekt mir dabei helfen.

Frohes Schaffen an alle, die in den nächsten Wochen kreative Projekte verfolgen!

Liebe Grüße von der Insel, Carmen Wedeland

P. S. Wer von euch hat diesen Blogtext gelesen, den Fehler gefunden – und gibt mir dazu auch noch Rückmeldung? 🙂

Aus Scherben etwas Schönes bauen

Ein Mädchen sitzt auf einem Haufen Glasstücke. Die Scherben schneiden in ihre Haut. Sie weiß nicht, warum sie hier ist. Sie weiß nicht, was das für Scherben sind. Sie ist halb taub, denn gerade hat es geknallt. Sie sieht nach oben. Der Himmel tobt. Das Gewölbe, das sie schützte, ist weg. Stümpfe von Säulen ragen in die Nacht.

Wer ist dieses Mädchen? Was ist passiert? Wird sie sich retten können?

Diese Frage hat mich beschäftigt, seit ihr Bild im Frühjahr 2013 in meinem Inneren auftauchte. Ich kannte das Mädchen nicht. Aber ihr Leiden ließ mir keine Ruhe. Ihre Welt war zusammengebrochen. Die Scherben taten mir weh. Ich spürte das Ende einer aufwühlenden Geschichte. Oder war es vielleicht ein Anfang?

Es ließ mir keine Ruhe. Seit meiner Jugend hatte ich Geschichten schreiben wollen. Doch nie war mir etwas eingefallen, das mich lange genug faszinierte. Das Scherbenmädchen faszinierte mich, monatelang. Ich spürte in mich und fand weitere Bilder. Szenen, die ich nicht verstand und die scheinbar nicht zusammenhingen. Doch ich wusste, ich musste mich ihnen stellen. Ich schrieb sie auf, ich ordnete sie und versuchte sie zu verbinden. Eine Insel entstand, Fossilien, Figuren, sie bauten leuchtende Gebilde aus Glas und hüteten dunkle Geheimnisse. Der Schauplatz eines Romans, der Ausgangspunkt einer Handlung.

Im August 2013 suchte ich den Ort, wo diese Handlung stattfinden könnte. Ich kam auf die Insel Møn, angezogen von den Kreidefelsen und ihren Fossilien. Ich fand den perfekten Ort zum Schreiben. Seitdem wohne ich hier.

Die Natur draußen half mir, meinen Schauplatz weiter auszubauen. Drinnen im Haus untersuchte ich Glas. Lampen und Spiegel, Splitter und runde Stücke, die das Meer weichgeschliffen hatte. Ich las viel über Glas. Es kann trüb sein oder klar, es kann Einblicke ermöglichen und Wahrheit verzerren. Es ist hart und doch nicht fest, man kann aus Glasplatten Häuser bauen oder mit Mosaikteilchen Schmuckstücke gestalten. Ich schrieb Gedichte über Glas als Metapher für das menschliche Dasein.

Inzwischen wusste ich: Das Mädchen war ich selbst. Und der Scherbenhaufen war mein Leben.

Im Oktober 2012, heute vor fünf Jahren, starb mein Vater. Er war von einer Leiter gefallen. Das Firmament, unter dem ich gelebt hatte, brach zusammen. Drei Monate später starb meine Mutter, und wohin ich mich in meinem Leben drehte, ich griff in schmerzende Scherben. Nach und nach hob ich sie hoch, betrachtete die Bruchstücke meines Lebens und fragte mich, ob ich je wieder aufstehen und weitermachen konnte.

Doch dann kamen die Bilder: das Scherbenmädchen und weitere Szenen. Sie wollten in Worte gefasst werden. Ich reiste nach Møn, um zu schreiben. Die Kreidefelsen erinnerten mich daran, dass es Größeres gibt als unser kleines Leben. Die Leuchttürme und der Sternenhimmel malten eine Landkarte für meinen Roman. Und dann fand ich eine Künstlerin, die mir erklärte, wie sie mit Glas arbeitet.

Mette Folmer füllt Glasplatten mit Fischgräten, Metallen und Kreidekrümeln oder verbindet fließendes Glas mit Stein und Draht. Ihre Werkstatt auf dem Tranemarkegård liegt im Osten der Insel Møn.

„Glas hat seine eigene Seele“, sagte sie. „Man muss demütig an die Arbeit herangehen, offen bleiben für Veränderungen, nichts erzwingen wollen. Wenn ich mich beeilen will, schneide ich mich oder das Glas zerbricht. Aber wenn ich mich darauf einlasse, entstehen die schönsten Dinge. Ich freue mich jedes Mal darauf, den Ofen zu öffnen. Jede Luftblase ist ein Geschenk. Manchmal denke ich auch, dass etwas komplett danebengegangen ist. Aber dann kommt ein anderer und findet genau dieses Stück am schönsten.“

In ihrer Werkstatt durfte ich selbst ein Bild aus Glasstückchen machen. Auf einer farblosen Platte sollte ich Scherben anordnen, nach dem Brennen konnte ich mein Bild mit nach Hause nehmen. Ich hatte großen Respekt vor den vielen scharfkantigen Stücken. Zuerst sortierte ich nur Farben und Formen, fand keinen richtigen Plan. Dann entdeckte ich eine Engelfigur. Sie setzte ich an die Spitze meines Bildes, auf sie hin richteten sich alle Teile von selber aus. Allmählich entstand eine Landschaft, die Kreidefelsen von Møn mit zwei Krebsen im Wasser. Zum Schluss verschwand der Engel und machte einer Sonne Platz. Er hatte geholfen, meine Welt zu ordnen, nun wurde er nicht mehr gebraucht.

Das Glasbild liegt noch heute in meiner Schreibwerkstatt, direkt unter den Wandtafeln mit meiner Romanskizze. Mehrere Male habe ich den Plot schon umgebaut, Figuren erschaffen und wieder gestrichen, die Teile hin- und hergeschoben. Allzuviele Ideen haben die Sicht auf das Ganze getrübt. Nun will ich mein Schreiben wieder mehr auf den Ursprung ausrichten. Das Mädchen mit den Scherben, ihre Geschichte und die Frage: Wie kann man aus Scherben etwas Schönes bauen?

Ab nächster Woche schreibe ich den Roman neu. Dann ist National Novel Writing Month. Ich habe ein Ziel und ich freue mich darauf.

Ich möchte, dass der Scherbenhaufen nicht ein Ende, sondern ein Anfang ist.

Liebe Grüße von der Insel, Carmen Wedeland

Weine nicht um Glas, das zerbrochen,
– spricht Weltabor, der Weise.
Wer weint, sieht nicht klar.
Wirf die Scherben ins Meer!
Das weiche Wasser wird sie dir schleifen,
und jedes spitze, schneidende Stück
formt es zu rundem, rieselndem Sand.
Schmeichelnd umfließt er deine Hand,
und schmilzt du ihn ein, erhältst du zurück
das Glas, das zerbrochen war.

(Bruchstück aus einer frühen Romanversion)

Jetzt erhältlich: Mein Buch „Handmade Hygge“

Der Herbst ist da! Die perfekte Zeit, um sich drinnen einzukuscheln, mit viel Lesestoff und einem entspannenden Hobby. Wenn euch dieser Gedanke glücklich macht, dann habe ich jetzt das richtige Buch für euch 🙂 Mein erstes Werk aus Dänemark ist gerade erschienen: Handmade Hygge – Strick-, Häkel- und Nähprojekte zum Wohlfühlen. Ihr könnt es direkt beim Verlag bestellen oder über Amazon oder beim Buchhändler eures Vertrauens; auch in Handarbeitsläden ist es zu finden.

Tatsächlich war das Interesse im Handel so groß, dass der Verlag schon die zweite Auflage angestoßen hat, kaum dass die erste gedruckt war! Liegt es daran, dass kreative Beschäftigung Spaß macht? Oder dass viele sich fragen, wie man im Hier und Jetzt glücklich wird? Hygge ist jedenfalls ein Lifestyle-Trend: die dänische Antwort auf den Alltagsstress, ein einfacher Weg zu Gemütlichkeit und Geborgenheit.

Für mich war die Arbeit am Buch sehr hyggelig. Ich habe die Einleitung verfasst, die erklärt, warum Hygge in unserer hektischen Welt so guttut und warum die Dänen zu den glücklichsten Menschen der Welt zählen. Ich beschreibe, wie sich Hygge im Jahreslauf verändert, vom Sommerhaus-Urlaub bis zu Weihnachtsbasteleien. Und viele Däninnen erklären, warum Handarbeiten sie so entspannt.

Ich habe Dutzende von Dänen gefragt, was für sie persönlich Hygge ausmacht. Auf meine erste Rundmail bekam ich die unterschiedlichsten Antworten, darunter die Überlegungen eines Geschäftsführers zu Hygge am Arbeitsplatz und die gesammelten Gedanken einer ganzen Schulklasse!

Die Antworten haben mir gezeigt, dass es trotz aller Unterschiede ein paar grundlegende Dinge gibt, die Hygge-Stimmung fördern. Genaueres steht im Buch, aber ich kann schon verraten, dass kreative Beschäftigung oft dazugehört! Das interessierte mich natürlich besonders, also habe ich Kursteilnehmerinnen meiner Lieblings-Handarbeitsschule hier auf Møn interviewt. An den Zuschneidetischen und Nähmaschinen entstanden angeregte Gespräche über Hygge, vom Frauenleben in den Siebzigern bis zu Schilderungen vom letzten Stricktreff. Auch meine eigenen Erfahrungen in Dänemark fließen in das Buch ein. Darunter Kochabende auf dem Land und in Kopenhagen, Einblicke in die Schlafzimmerdeko kreativer Däninnen und ein Gespräch mit der Malerin Lise Meijer zum Thema, wie man im Badezimmer Hygge schafft.

Lavendelherzchen zum Selberstricken

Heute möchte ich allen danken, die mit ihren Gedanken und Tipps zum Buch beigetragen haben: Tusind tak for hjælpen!

Lieben Dank auch an das Team vom frechverlag, der im März mit der Idee auf mich zukam, allen voran meiner Produktmanagerin Lisa-Marie Weigel für die hyggelige Zusammenarbeit!

Knapp drei Monate existierte das Buch für mich nur virtuell, von der Verlagsanfrage bis zur Manuskriptabgabe. Jetzt liegt es vor mir, in Hardcover, 176 Seiten stark und über 800 Gramm schwer. Mit meinen Texten und mit mehr als 40 Anleitungen für hyggelige Handarbeiten, von der genähten Patchworkdecke über das gestrickte Kuschelschaf bis zum gehäkelten Loopschal. Alle Handarbeitsanleitungen stammen von drei ausgewiesenen Expertinnen, ein Schnittmusterbogen ist auch dabei.

Noch bevor ich mein Werk selbst in der Hand hatte, kam schon die erste Rückmeldung hier auf meinem Blog. Ulrike vom Nordseeblog Watt & Meer hat sich das Buch gekauft und findet es „entzückend“ 🙂

Jetzt bin ich natürlich gespannt, was ihr zum Thema sagt! Braucht ihr mehr Hygge in eurem Leben? Womit macht ihr euch die kalte Jahreszeit gemütlich? Hättet ihr Lust auf Handarbeiten?

Einen hyggeligen Herbst wünsche ich euch allen!

P. S. Im Mai habe ich das Buch hier auf meinem Blog angekündigt.
Als kleinen Teaser gibt es hier ein deutsch-dänisches Hygge-Lied 🙂

P. P. S. Im April 2018 ist das Buch auf Dänisch erschienen! Zu bestellen zum Beispiel hier bei Saxo. Oder fragt im Buchladen eures Urlaubsortes danach.

Ein deutsch-dänisches Hygge-Lied

Auf hygge reimt tygge, aus gutem Grund:
Essen macht glücklich und gesund.
Tygge heißt kauen,
brygge heißt brauen,
wer hat nicht gerne was Leckres im Mund?
Ein Haus für die hygge,
hübsch anzuschauen,
das lasst uns bygge,
denn bygge heißt bauen.
Dazu hægge im Garten –
Traubenkirschbäume –,
ihr Duft füllt die Räume
und Vögelchen warten
darauf, von den Früchten
zu hugge, zu klauen.
Wenn sie sich trauen!
Wir schaukeln im Schatten
– den nennen wir skygge
in Hängematten
und träumen und dichten
und das ist hygge.

Carmen Wedeland, Møn 2017

Diese kleine Perle der Literatur habe ich letzte Woche produziert. Sie wird Teil des Buches „Handmade Hygge“, das am 11. September im frechverlag erscheint. Nach dem sprachlichen Exkurs geht es ans Eingemachte. Ich beantworte Fragen, die die Welt beschäftigen:

  • Wieso sind die Dänen so glücklich?
  • Weshalb ist Hygge die Geheimwaffe für Gestresste?
  • Warum solltest du heute noch einen Strickklub gründen?
  • Und: Was ist hyggeliger als Handarbeiten? (Auflösung ganz unten)

An den letzten Hygge-Texten häkele ich gerade fleißig herum, während Handarbeitsexpertinnen die Anleitungen schreiben. Wenn ihr wirklich gern wollt, könnt ihr das Buch aber jetzt schon vorbestellen, beim Verlag oder bei Amazon. Habe ich vor ein paar Tagen wohl auch schon erwähnt, da habe ich das Buchprojekt schon einmal angekündigt 🙂

Handmade Hygge: Strick-, Häkel- und Nähprojekte zum Wohlfühlen. Mit Schnittmusterbogen Von Carmen Wedeland, Barbara Sander, Manuela Seitter und Eva Scharnowski. Gebundene Ausgabe – erscheint am 11. September 2017.

Auflösung zur Frage: Was ist hyggeliger als Handarbeiten?
Handarbeiten, Essen und Reden gleichzeitig.

Im September erscheint mein Buch

Heute darf ich eine freudige Nachricht verkünden: Im September erscheint mein Buch! Ein Verlag hat mich entdeckt und ich bin fleißig am Schreiben. Ich bin selber noch ganz überrascht!

Mich erstaunt nicht so sehr das Timing (die Anfrage kam Ende März und jetzt, Ende Mai, liege ich in den letzten Zügen des Manuskriptes). Und mich erstaunt kaum, dass ich entdeckt wurde, auch Verlagsleute lesen Blogs 😉

Nein, überrascht hat mich das Thema! Es ist weder märchenhafte Fantasy noch schauderhafte Kurzgeschichten – das Genre, an dem ich seit Jahren arbeite. Und doch passt das Thema perfekt zu meinem Blog, zu meiner kleinen dänischen Insel und zu der Freude, die ich empfinde, wenn ich mein Leben hier kreativ gestalte.

Ich schreibe über Hygge, das selbstgemachte Alltagsglück, den Trend zum heimeligen Wohlbefinden, der von Dänemark aus die Welt erobert. Den Wert der kleinen Pausen, die Chance, sich selbst eine Auszeit zu gönnen, im Hier und Jetzt, wo wir auch sind. Und die Befriedigung, die man spürt, wenn man Schönes in Ruhe geschaffen hat. Denn das Buch handelt von … Hygge und Handarbeiten!

Handmade Hygge: Strick-, Häkel- und Nähprojekte zum Wohlfühlen. Mit Schnittmusterbogen. Autorinnen: Carmen Wedeland, Barbara Sander, Manuela Seitter und Eva Scharnowski. Gebundene Ausgabe.

„Handmade Hygge“ erscheint am 11. September 2017 im frechverlag,  mit seiner Reihe TOPP Deutschlands führender Verlag in Sachen Handarbeiten und Kreativ-Ratgeber. Ihr könnt das Buch schon jetzt bestellen, zum Beispiel direkt hier beim Verlag oder bei Amazon.

Auf vielen schön bebilderten Seiten lest ihr zum Beispiel über …

  • Selbstgemachtes Alltagsglück: Was wir von unseren Nachbarn im Norden lernen können
  • Strikkehygge & Co.: Warum Handarbeiten glücklich macht
  • Gemütlich ist, wie du es magst: Hygge rund ums Haus

Ich gebe praktische Tipps, wie man die verschiedenen Räumen seines Hauses hyggelig gestalten kann. Und viele Dänen erzählen, was sie im Alltag glücklich macht. Dafür habe ich meine sämtlichen Bekannten hier interviewt und anschauliche, schöne Beschreibungen bekommen. Man hat sofort Lust, mit der Familie Brombeeren zu pflücken, Kuchen zu backen und ihn seinen Freundinnen zum Handarbeitstreff zu servieren!

Das Buch enthält Anleitungen für etwa 40 hyggelige Strick-, Häkel- und Nähprojekte.  Von warmen Wollsocken bis zu wunderschöner Wohnungsdeko ist für jeden Geschmack etwas geboten. Ich freue mich schon, die Nähmaschine anzuwerfen und ein paar der Projekte nachzunähen. Oder endlich (wieder) stricken zu lernen, nach dem ersten und einzigen, misslungenen Pullover meiner Jugendjahre. Zu eurem Glück sind die Anleitungen nicht von mir, sondern der Verlag hat drei Fachautorinnen engagiert, die mit Erklärungen, Bildern und Schnittmusterbögen auch Anfängerinnen Lust zum Ausprobieren machen. (Und Anfängern. Ja, Männer, traut euch!)

In den nächsten Wochen werde ich noch ein bisschen vom Entstehungsprozess des Buches erzählen und den einen oder anderen Auszug veröffentlichen. Jetzt muss ich erstmal weiterschreiben! Hier noch einmal die Beschreibung auf Amazon und der dezente Link zum Vorbestellen 😉 Liebe Grüße von der Insel, Carmen Wedeland

Die Dänen gehören zu den glücklichsten Menschen auf der Erde. Der Grund dafür ist „Hygge“ – die dänische Lebenskunst.

Sich es zu Hause gemütlich zu machen, bei einer Tasse Kakao Wind und Wetter zu trotzen, das Leben zu genießen und sich Zeit zu nehmen für sich selbst und seine Lieben – all das und viel mehr bedeutet „Hygge“. Mit diesem Buch hast du es nun selbst in der Hand, „Hygge“ in dein Leben zu holen.
In ihm findest du mehr als 40 Näh-, Strick- und Häkelprojekte zum Wohlfühlen. Was kann hyggeliger sein als dein Handarbeitsprojekt, für das du den hektischen Alltag vergisst und in dem du bei einer Tasse Tee ganz versinken kannst? Es geht nicht um Perfektion – das Hauptziel ist „Hygge“. Und das Schönste ist: Wenn das Projekt fertig ist, verbreitet es weiterhin „Hygge“, noch jahrelang.
Neben den Handarbeitsprojekten bekommst du in kurzen Texten von der in Dänemark lebenden Autorin Carmen Wedeland einen authentischen, stimmungsvollen Einblick in den Hygge-Kosmos.

Mach’s dir hyggelig!

  • Gebundene Ausgabe: 172 Seiten
  • Verlag: Frech; Auflage: 1 (11. September 2017)
  • ISBN-10: 3772481183
  • ISBN-13: 978-3772481185
  • Preis: 19,99 Euro

Jetzt hier bestellen, im September freuen 🙂

Update, 30.05.17:
Als kleinen Vorgeschmack habe ich ein deutsch-dänisches Hygge-Lied veröffentlicht 🙂

Bauernregeln für Autoren 2017

Bauern haben seit Jahrhunderten den Bauernkalender, mit dem gereimten Erfahrungsschatz von Generationen. Für Schriftsteller gibt es jetzt ähnliche Leitlinien, gesammelte Weisheiten aus einer vergilbten Ideensammlung auf meinem Computer dem Almanach meiner Urgroßmutter. Aus dem Sütterlin übertragen und liebevoll für euch neu illustriert. So wird das Jahr 2017 – für angehende Autorinnen und Künstler aller Couleur: