Der Sieben-Strände-Sommer

Lebensqualität pur: Letzten Sommer habe ich es geschafft, neben der Saisonarbeit 16 Strände zu besuchen. Diesen Sommer kam zur Saisonarbeit noch ein hyggeliges, aber zeitaufwändiges Buchprojekt hinzu, und so wurden es diesmal „nur“ sieben Strände. Nicht viel, wenn man bedenkt, dass Dänemark mehr als 7.300 Kilometer Küste hat! Aber nun kenne ich viele schöne Strände rund um „meine“ Insel Møn, und ein paar auf der Nachbarinsel Seeland/Sjælland.

Hier die Ausflugsziele dieses Sommers im Uhrzeigersinn, beginnend auf West-Møn. Die Karte ganz am Ende zeigt, wo die Strände zu finden sind. Im September soll es hier übrigens warm und schön werden, besser als den ganzen Sommer. Zeit für noch mehr Strandbesuche!

Noch mehr Fotos gab es 2016 in diesem Beitrag:
Der 16-Strände-Sommer

75 Frühsommerfotos

… von Møn, der kleinen Nachbarinsel Nyord und der großen Schwesterinsel Seeland. Diesmal mit einem neuen Abrutsch an den Kreidefelsen und wie immer reichlich Blumen, Blättern und Meer 😉

Noch nicht genug? Hier gibt es mehr:
Nur schnell ein paar Fotos
Die Schönheit des Augenblicks
Noch mehr Momentaufnahmen aus Møn
Der 16-Strände-Sommer
Hundert bunte Inselbilder
99 Naturaufnahmen
93 Dänemark-Bilder
22 Winter-Visionen

Magischer Mittsommer-Besuch

Es ist Sommersonnenwende. Der längste Tag ist vorbei, die kürzeste Nacht angebrochen.  Die Grenzen zwischen den Welten verschwimmen, und magische Wesen tauchen aus den Feenhügeln auf. Zwei davon, ein Pärchen Trolle aus dem Kliffwald, hat heute Abend mein Zuhause besucht. Es gefällt ihnen hier auf dem Bakkegaard (und sie lassen ihre Schöpferin Susanne Hegnsvang grüßen). Euch allen eine magische Mittsommerzeit!

Ein deutsch-dänisches Hygge-Lied

Auf hygge reimt tygge, aus gutem Grund:
Essen macht glücklich und gesund.
Tygge heißt kauen,
brygge heißt brauen,
wer hat nicht gerne was Leckres im Mund?
Ein Haus für die hygge,
hübsch anzuschauen,
das lasst uns bygge,
denn bygge heißt bauen.
Dazu hægge im Garten –
Traubenkirschbäume –,
ihr Duft füllt die Räume
und Vögelchen warten
darauf, von den Früchten
zu hugge, zu klauen.
Wenn sie sich trauen!
Wir schaukeln im Schatten
– den nennen wir skygge
in Hängematten
und träumen und dichten
und das ist hygge.

Carmen Wedeland, Møn 2017

Diese kleine Perle der Literatur habe ich letzte Woche produziert. Sie wird Teil des Buches „Handmade Hygge“, das am 11. September im frechverlag erscheint. Nach dem sprachlichen Exkurs geht es ans Eingemachte. Ich beantworte Fragen, die die Welt beschäftigen:

  • Wieso sind die Dänen so glücklich?
  • Weshalb ist Hygge die Geheimwaffe für Gestresste?
  • Warum solltest du heute noch einen Strickklub gründen?
  • Und: Was ist hyggeliger als Handarbeiten? (Auflösung ganz unten)

An den letzten Hygge-Texten häkele ich gerade fleißig herum, während Handarbeitsexpertinnen die Anleitungen schreiben. Wenn ihr wirklich gern wollt, könnt ihr das Buch aber jetzt schon vorbestellen, beim Verlag oder bei Amazon. Habe ich vor ein paar Tagen wohl auch schon erwähnt, da habe ich das Buchprojekt schon einmal angekündigt 🙂

Handmade Hygge: Strick-, Häkel- und Nähprojekte zum Wohlfühlen. Mit Schnittmusterbogen Von Carmen Wedeland, Barbara Sander, Manuela Seitter und Eva Scharnowski. Gebundene Ausgabe – erscheint am 11. September 2017.

Auflösung zur Frage: Was ist hyggeliger als Handarbeiten?
Handarbeiten, Essen und Reden gleichzeitig.

Im September erscheint mein Buch

Heute darf ich eine freudige Nachricht verkünden: Im September erscheint mein Buch! Ein Verlag hat mich entdeckt und ich bin fleißig am Schreiben. Ich bin selber noch ganz überrascht!

Mich erstaunt nicht so sehr das Timing (die Anfrage kam Ende März und jetzt, Ende Mai, liege ich in den letzten Zügen des Manuskriptes). Und mich erstaunt kaum, dass ich entdeckt wurde, auch Verlagsleute lesen Blogs 😉

Nein, überrascht hat mich das Thema! Es ist weder märchenhafte Fantasy noch schauderhafte Kurzgeschichten – das Genre, an dem ich seit Jahren arbeite. Und doch passt das Thema perfekt zu meinem Blog, zu meiner kleinen dänischen Insel und zu der Freude, die ich empfinde, wenn ich mein Leben hier kreativ gestalte.

Ich schreibe über Hygge, das selbstgemachte Alltagsglück, den Trend zum heimeligen Wohlbefinden, der von Dänemark aus die Welt erobert. Den Wert der kleinen Pausen, die Chance, sich selbst eine Auszeit zu gönnen, im Hier und Jetzt, wo wir auch sind. Und die Befriedigung, die man spürt, wenn man Schönes in Ruhe geschaffen hat. Denn das Buch handelt von … Hygge und Handarbeiten!

Handmade Hygge: Strick-, Häkel- und Nähprojekte zum Wohlfühlen. Mit Schnittmusterbogen. Autorinnen: Carmen Wedeland, Barbara Sander, Manuela Seitter und Eva Scharnowski. Gebundene Ausgabe.

„Handmade Hygge“ erscheint am 11. September 2017 im frechverlag,  mit seiner Reihe TOPP Deutschlands führender Verlag in Sachen Handarbeiten und Kreativ-Ratgeber. Ihr könnt das Buch schon jetzt bestellen, zum Beispiel direkt hier beim Verlag oder bei Amazon.

Auf vielen schön bebilderten Seiten lest ihr zum Beispiel über …

  • Selbstgemachtes Alltagsglück: Was wir von unseren Nachbarn im Norden lernen können
  • Strikkehygge & Co.: Warum Handarbeiten glücklich macht
  • Gemütlich ist, wie du es magst: Hygge rund ums Haus

Ich gebe praktische Tipps, wie man die verschiedenen Räumen seines Hauses hyggelig gestalten kann. Und viele Dänen erzählen, was sie im Alltag glücklich macht. Dafür habe ich meine sämtlichen Bekannten hier interviewt und anschauliche, schöne Beschreibungen bekommen. Man hat sofort Lust, mit der Familie Brombeeren zu pflücken, Kuchen zu backen und ihn seinen Freundinnen zum Handarbeitstreff zu servieren!

Das Buch enthält Anleitungen für etwa 40 hyggelige Strick-, Häkel- und Nähprojekte.  Von warmen Wollsocken bis zu wunderschöner Wohnungsdeko ist für jeden Geschmack etwas geboten. Ich freue mich schon, die Nähmaschine anzuwerfen und ein paar der Projekte nachzunähen. Oder endlich (wieder) stricken zu lernen, nach dem ersten und einzigen, misslungenen Pullover meiner Jugendjahre. Zu eurem Glück sind die Anleitungen nicht von mir, sondern der Verlag hat drei Fachautorinnen engagiert, die mit Erklärungen, Bildern und Schnittmusterbögen auch Anfängerinnen Lust zum Ausprobieren machen. (Und Anfängern. Ja, Männer, traut euch!)

In den nächsten Wochen werde ich noch ein bisschen vom Entstehungsprozess des Buches erzählen und den einen oder anderen Auszug veröffentlichen. Jetzt muss ich erstmal weiterschreiben! Hier noch einmal die Beschreibung auf Amazon und der dezente Link zum Vorbestellen 😉 Liebe Grüße von der Insel, Carmen Wedeland

Die Dänen gehören zu den glücklichsten Menschen auf der Erde. Der Grund dafür ist „Hygge“ – die dänische Lebenskunst.

Sich es zu Hause gemütlich zu machen, bei einer Tasse Kakao Wind und Wetter zu trotzen, das Leben zu genießen und sich Zeit zu nehmen für sich selbst und seine Lieben – all das und viel mehr bedeutet „Hygge“. Mit diesem Buch hast du es nun selbst in der Hand, „Hygge“ in dein Leben zu holen.
In ihm findest du mehr als 40 Näh-, Strick- und Häkelprojekte zum Wohlfühlen. Was kann hyggeliger sein als dein Handarbeitsprojekt, für das du den hektischen Alltag vergisst und in dem du bei einer Tasse Tee ganz versinken kannst? Es geht nicht um Perfektion – das Hauptziel ist „Hygge“. Und das Schönste ist: Wenn das Projekt fertig ist, verbreitet es weiterhin „Hygge“, noch jahrelang.
Neben den Handarbeitsprojekten bekommst du in kurzen Texten von der in Dänemark lebenden Autorin Carmen Wedeland einen authentischen, stimmungsvollen Einblick in den Hygge-Kosmos.

Mach’s dir hyggelig!

  • Gebundene Ausgabe: 172 Seiten
  • Verlag: Frech; Auflage: 1 (11. September 2017)
  • ISBN-10: 3772481183
  • ISBN-13: 978-3772481185
  • Preis: 19,99 Euro

Jetzt hier bestellen, im September freuen 🙂

Update, 30.05.17:
Als kleinen Vorgeschmack habe ich ein deutsch-dänisches Hygge-Lied veröffentlicht 🙂

Dark Sky und Weiße Nächte

Auf Møn sind die Nächte magisch.

In den nächsten Wochen wird das besonders spürbar sein. In den lauen Mainächten schlägt die Nachtigall, der Raps leuchtet kreidig-gelb unter dem Mond, und wer auf die Hügel von Høvblege steigt, sieht die Sonne hinter der Brücke versinken, die Møn und Seeland verbindet. Eine traumhafte Zeit, man möchte überhaupt nicht schlafen gehen.

Manchmal werde ich aber den Winter vermissen. Denn dann wölbt sich die Milchstraße am tiefschwarzen Himmel. Sterne glitzern in einem gigantischen Band, das aus dem Meer auftaucht und hinter den Bäumen verschwindet. Oft kann ich mich kaum losreißen, wenn ich in einer frostigen Nacht mein Auto auf unserem Parkplatz am Ostrand der Insel abstelle. Staunend gehe ich in den Innenhof, über dem Strohdach des alten Bauernhauses thront der Große Wagen. Sternbilder ziehen über mich hinweg, deren Namen ich nicht weiß.

Wahrheit oder Illusion? Ich denke daran, dass wir in die Vergangenheit des Weltalls sehen, denn das Licht der Sterne ist Jahrmillionen zu uns unterwegs.  Scheinbar kleine Nebel am Nachthimmel bestehen aus gigantischen Sonnen, die Lichtjahre voneinander entfernt sind. Ich schaudere, und nicht nur vor Kälte. Raum und Zeit wirbeln vor meinen Augen. Plötzlich wirken meine warmen Zimmer unwirklich, der Nachthimmel weist auf Dinge hin, die viel größer ist als unser kurzes Leben.

Fünftausend Sterne sieht man auf Møn mit dem bloßen Auge, sagen Experten.

In Kopenhagen, keine 80 km Luftlinie entfernt, sieht man etwa hundert Sterne. Hübsch, aber längst nicht so erhebend für Träumerinnen wie mich. Für Astronomen uninteressant.

Im März 2017 bekamen Møn und seine kleine Nachbarin Nyord offiziell „Gold“ für ihre Dunkelheit. Die International Dark-Sky Association verlieh den Inseln eine doppelte Auszeichnung: International Dark Sky Park (in Gold) und International Dark Sky Community. Hier die Pressemitteilung meiner Gemeinde zur Dark-Sky-Zertifizierung (auf Englisch). Weltweit gab es zu diesem Zeitpunkt nur 44 Dark Sky Parks, davon 9 in Europa.  (In Deutschland übliche Bezeichnungen sind z. B. Sternenpark oder auch „Lichtschutzgebiet“.)

In einem solchen Sternenpark herrschen besonders gute Bedingungen, um den Nachthimmel zu genießen. Und zwar nicht von selbst, denn wie das Beispiel Kopenhagen zeigt, verschwinden die meisten Sterne schnell hinter der ständigen Beleuchtung, die eine Stadt absondert. Lichtverschmutzung nennen das die Experten der IDA, und wie ich in den letzten Jahren gelernt habe, beeinträchtigt die nicht nur die Sichtbarkeit der Sterne, sondern auch unseren Schlaf sowie die Orientierung und den Lebensrhythmus vieler Tiere. Um die Dunkelheit zu schützen und Dänemarks erste Dark-Sky-Auszeichnung zu holen, hat eine Gruppe Engagierter hier vor Ort jahrelang Aufklärungsarbeit geleistet. Unter anderem wurden Lampen, die unnötig in alle Richtungen strahlten, gegen solche ausgetauscht, die nur den Boden beleuchten. Es gab Vorträge, Filme und sogar ein Pink-Floyd-Revival-Konzert am Hafenbecken von Klintholm Havn („Dark Side of Møn“). Heute sind auch schon Touristen hier aufgetaucht, die extra wegen dieser Auszeichnung anreisten, um die Sterne zu studieren.

Sie werden spät draußen sitzen müssen, denn jetzt, am Vorabend des 1. Mai, ist es erst nach 22 Uhr richtig dunkel. Und wenn ich morgens die Augen öffne, zwitschern die Vögel schon lange der Sonne zu. Nächste Woche beginnen hier die Weißen Nächte. Ich dachte früher, so etwas gibt es nur Richtung Polarkreis, und so extrem wie dort oben ist es in unseren Breiten natürlich nicht. Aber tatsächlich wird auch in Dänemark der Himmel von Mitte Mai bis Anfang August nie richtig dunkel. Die Sonne wandert nachts knapp unter dem Horizont entlang, und so sieht man Richtung Norden immer einen Schimmer am Nachthimmel. Heute war er um 21.45 gut zu sehen, hier ein Foto aus meinem Küchenfenster Richtung Nordwesten und daneben noch ein Foto vom 13. Juni letzten Jahres, Abendlicht um 23.15 Uhr:

Kommt es euch doch einmal ansehen: Weiße Nächte von Mitte Mai bis Anfang August, sternenübersäte Dunkelheit in den anderen Monaten. Oder nutzt die ersten lauen Nächte, um bei euch zu Hause den Sternenhimmel zu bestaunen.

Einen magischen 1. Mai wünsche ich euch allen!

P. S. Wer Dänisch versteht, erfährt hier mehr über den Sternenhimmel und den Dark-Sky-Zertifizierungsprozess auf Møn und Nyord: darksky-moen.dk

Ein dänischer Blog über den Sternenhimmel auf Møn und Nyord, geschrieben von Tom Axelsen, Vorsitzender des Astronomischen Vereins Sydsjælland und Initiator der Dark-Sky-Zertifizierung: http://grib-stjernerne.dk

Frühjahrsgedanken-Gartenspaziergang

Heute beginnt der Frühling.
20. März, der Zeitpunkt der Frühjahrs-Tag-und-Nacht-Gleiche.
Ein Wort, das zum Innehalten auffordert: im Deutschen schon durch seine Länge, im Dänischen durch seine liebevoll herausgeputzten Buchstaben: forårsjævndøgn.
Ein Moment, der zum Meditieren einlädt: zum Betrachten, Orientieren und Neu-Aufbrechen.

Ich wache, ganz untypisch für mich, zwei Stunden vor dem Weckerklingeln auf; um sechs Uhr gebe ich auf und verlasse das Bett, denn es ist schon lange hell. Endlich spüre ich wieder Energie, nach der langwierigen Erkältung vom Februar. Grüngoldenes Licht liegt über dem Feld, die Osterglocken vor dem Haus sind wieder ein Stück weiter, zum ersten Mal sehe ich eine Tannenmeise am Steinwall herumhüpfen. Vielleicht sucht sie einen Nistplatz für die Brutsaison. Beim Frühstück höre ich dem Vogelkonzert zu, das Gezwitscher wird jeden Morgen lauter.

Mittags gehe ich in den Garten, um Material für einen Kranz zu sammeln. Das mache ich alle sechs bis sieben Wochen, um den Beginn einer neuen Jahreszeit zu würdigen, gerechnet nach dem Kalender verschiedener Naturreligionen. Vor sechs Monaten habe ich damit begonnen, zur Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche, als der Garten vor Hortensien und anderen rosa Blüten nur so überquoll. Auch Halloween und die Weihnachtszeit boten Material genug, selbst an Lichtmess entstand ein schöner Kranz (Fotos in meinem Beitrag Ein Kranz für jede Jahreszeit). Mir hilft dieses Ritual, mich zu erden und Orientierungspunkte im Jahr zu schaffen. Ich sehe genauer hin, was draußen vor sich geht, und hole mir ein Stück Natur ins Haus, um mich daran zu erinnern, in welchem größeren Zusammenhang ich lebe.

Ich bin gespannt, was der Garten diesmal hervorgebracht hat. Nachdem letzte Woche doch ein paarmal die Sonne schien, sollte einiges geboten sein; wir haben hier Wiesen, einen Obstgarten, einen Innenhof mit Pflanzenkübeln und diverse Beete und Gebüsche.

Es sieht tatsächlich sehr frühlingshaft aus, Schneeglöckchen und Winterlinge sind immer noch reichlich am Blühen, dazu einiges an Krokus und seit einer guten Woche auch ein Teppich von Leberblümchen in einer schattigen Ecke – die „blaue Anemone“, das Sehnsuchtsobjekt vieler dänischer Frühlingslieder.

Leider werden all diese Blumen keine Stunde an meinem Kranz frisch bleiben. Ich suche weiter, auf den ersten Blick sehe ich nichts Geeignetes, aber es ist schön, so herumzustreifen. Ich rieche Gras;  Moos und Farn federn unter meinen Füßen, viele Bäume beginnen auszutreiben, soll ich lieber eine Vase mit Zweigen füllen?

Aber der Kranz ist so ein gutes Symbol für den Jahreskreis, das immer wiederkehrende Werden und Vergehen, die Sonne, den Kosmos, die Unendlichkeit. Ich suche langsamer weiter, versuche mich von meinen Vorstellungen freizumachen, mich einzulassen auf das, was vor mir liegt. Loslassen und hinhören, genau wie im Leben, genau wie beim Geschichten-Schreiben, dann entstehen die erfreulichsten Überraschungen.

Hinter der Scheune entdecke ich eine Ansammlung kräftiges Grün. Ich glaube, es sind Hostas, ledrige, speerförmige Blätter mit gelbweißen Adern. Sie lachen mich aus dem fahlen Grasteppich an. Ich bedanke mich und schneide vorsichtig zwölf Blätter ab, so viel können die Hostas gut entbehren. Zwölf Blätter, zwölf Monate. Die Grundlage für den Kranz ist gelegt. Was weiter? Im Obstgarten finde ich noch eine Anhäufung der gleichen Hosta-Art. Ich schneide noch einmal zwölf Blätter ab. Man braucht immer mehr Material, als man denkt.

Jetzt nur noch ein paar Verzierungen. Im Beet vor dem Haus strahlt mich der Hartriegel an, tiefrote, gerade Zweige voller Energie, ich nehme sechs Spitzen mit. Wenige Meter entfernt eine kleine Trauerweide mit Kätzchen, puschelig-weich in der hängenden Baumkrone, ich nehme wieder sechs Zweige mit. Aus dem Innenhof noch ein paar leuchtend gelbe Blätter und dunkelbraune Samenstände. Ich danke dem Garten, der mir wieder genug Material geschenkt hat.

In der meditativen Stimmung, in der ich jetzt bin, vertraue ich darauf, dass mir meine Insel auch für mein Leben genug Nahrung schenken wird. Ich brauche noch weitere Aufträge (sprich: Geld) und mache mir manchmal durchaus Sorgen, wie es weitergehen soll. Aber wie schon immer: Es wird sich etwas finden. Wie viel ist nicht schon im letzten halben Jahr, seit der Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche, passiert? Ich habe ein halbes Kinderbuch geschrieben, war auf einer langen Deutschland-Besuchsreise, habe eine neue Freundschaft geschlossen … und seit Jahresbeginn zwei neue Teilzeitjobs gefunden, einfach indem ich auf Chancen reagiert habe. Planen und Steuern ist gut, aber der Intuition folgen und die Möglichkeiten wahrnehmen, die sich einem bieten, ist noch besser und führt zu erfreulichen Überraschungen 🙂

Ein Glückskäfer-Gast war auch dabei 🙂

Mit dem gut gefüllten Sammeleimer geht es nun ans Basteln. Ich stecke Hosta-Blätter rund um den Kranz-Rohling aus Stroh, so dass die Spitzen die Stiele überdecken. Währenddessen lasse ich die Gedanken treiben. Zwölf Blätter wollte ich außen herum verteilen, doch es reichen schon acht: Jahreszeitenfeste statt Monate, passt auch sehr gut. An der Kranz-Innenseite reichen sieben Blätter: die Zahl des Zaubers, Magie für die Mitte meines Lebens, das gefällt mir. Nun habe ich einen „Joker“, ein zusätzliches Blatt, und kann auf der Oberseite des Kranzes ganze neun Blätter flächendeckend verteilen. Eine Antwort der Natur? Leben aus dem Überfluss? Ich nehme das gern als Zusage für die nächsten Wochen und schmücke meinen Kranz mit neuer Freude fertig. Er sieht ziemlich wild aus, die Hartriegel-Zweige und die Kätzchen-Büschel jagen einander in wilden Paaren rund um den Kranz – auch passend zu diesem Tag, der ja auch ein Symbol für Fruchtbarkeit und Ekstase sein kann 🙂

Falls ihr bis hierher Geduld hattet zu lesen, erkennt ihr vielleicht die Anklänge meiner „Gartenmeditation“ an das Tarot, an Trommelreisen oder andere Wege der Erkenntnisgewinnung. Wahrsagerei? Ich glaube, diese Gedanken können wahr werden – wenn ich daran glaube und wenn ich entsprechend handle. Damit habe ich ja gerade begonnen. Im Dialog mit den Dingen, die sich um mich herum auftun.

Gestärkt und geerdet mache ich mich an die restlichen Projekte des Tages. Ich bin gespannt auf die neuen Wunder, die das Jahr für mich bereit hält. Und was soll ich sagen? Schon wenige Stunden später kommt eine Anfrage für ein neues, spannendes Projekt, genau von der Art, wie ich es mir erhofft hätte, und doch überraschend anders! Wenn es konkret wird, verrate ich mehr – ich glaube, die Magie wirkt schon mitten in meinem Leben 🙂

Welche Erkenntnisse gewinnt ihr im Gespräch mit der Natur?
Was bedeutet der Frühlingsbeginn für euch?