Im September erscheint mein Buch

Heute darf ich eine freudige Nachricht verkünden: Im September erscheint mein Buch! Ein Verlag hat mich entdeckt und ich bin fleißig am Schreiben. Ich bin selber noch ganz überrascht!

Mich erstaunt nicht so sehr das Timing (die Anfrage kam Ende März und jetzt, Ende Mai, liege ich in den letzten Zügen des Manuskriptes). Und mich erstaunt kaum, dass ich entdeckt wurde, auch Verlagsleute lesen Blogs 😉

Nein, überrascht hat mich das Thema! Es ist weder märchenhafte Fantasy noch schauderhafte Kurzgeschichten – das Genre, an dem ich seit Jahren arbeite. Und doch passt das Thema perfekt zu meinem Blog, zu meiner kleinen dänischen Insel und zu der Freude, die ich empfinde, wenn ich mein Leben hier kreativ gestalte.

Ich schreibe über Hygge, das selbstgemachte Alltagsglück, den Trend zum heimeligen Wohlbefinden, der von Dänemark aus die Welt erobert. Den Wert der kleinen Pausen, die Chance, sich selbst eine Auszeit zu gönnen, im Hier und Jetzt, wo wir auch sind. Und die Befriedigung, die man spürt, wenn man Schönes in Ruhe geschaffen hat. Denn das Buch handelt von … Hygge und Handarbeiten!

Handmade Hygge: Strick-, Häkel- und Nähprojekte zum Wohlfühlen. Mit Schnittmusterbogen. Autorinnen: Carmen Wedeland, Barbara Sander, Manuela Seitter und Eva Scharnowski. Gebundene Ausgabe.

„Handmade Hygge“ erscheint am 11. September 2017 im frechverlag,  mit seiner Reihe TOPP Deutschlands führender Verlag in Sachen Handarbeiten und Kreativ-Ratgeber. Ihr könnt das Buch schon jetzt bestellen, zum Beispiel direkt hier beim Verlag oder bei Amazon.

Auf vielen schön bebilderten Seiten lest ihr zum Beispiel über …

  • Selbstgemachtes Alltagsglück: Was wir von unseren Nachbarn im Norden lernen können
  • Strikkehygge & Co.: Warum Handarbeiten glücklich macht
  • Gemütlich ist, wie du es magst: Hygge rund ums Haus

Ich gebe praktische Tipps, wie man die verschiedenen Räumen seines Hauses hyggelig gestalten kann. Und viele Dänen erzählen, was sie im Alltag glücklich macht. Dafür habe ich meine sämtlichen Bekannten hier interviewt und anschauliche, schöne Beschreibungen bekommen. Man hat sofort Lust, mit der Familie Brombeeren zu pflücken, Kuchen zu backen und ihn seinen Freundinnen zum Handarbeitstreff zu servieren!

Das Buch enthält Anleitungen für etwa 40 hyggelige Strick-, Häkel- und Nähprojekte.  Von warmen Wollsocken bis zu wunderschöner Wohnungsdeko ist für jeden Geschmack etwas geboten. Ich freue mich schon, die Nähmaschine anzuwerfen und ein paar der Projekte nachzunähen. Oder endlich (wieder) stricken zu lernen, nach dem ersten und einzigen, misslungenen Pullover meiner Jugendjahre. Zu eurem Glück sind die Anleitungen nicht von mir, sondern der Verlag hat drei Fachautorinnen engagiert, die mit Erklärungen, Bildern und Schnittmusterbögen auch Anfängerinnen Lust zum Ausprobieren machen. (Und Anfängern. Ja, Männer, traut euch!)

In den nächsten Wochen werde ich noch ein bisschen vom Entstehungsprozess des Buches erzählen und den einen oder anderen Auszug veröffentlichen. Jetzt muss ich erstmal weiterschreiben! Hier noch einmal die Beschreibung auf Amazon und der dezente Link zum Vorbestellen 😉 Liebe Grüße von der Insel, Carmen Wedeland

Die Dänen gehören zu den glücklichsten Menschen auf der Erde. Der Grund dafür ist „Hygge“ – die dänische Lebenskunst.

Sich es zu Hause gemütlich zu machen, bei einer Tasse Kakao Wind und Wetter zu trotzen, das Leben zu genießen und sich Zeit zu nehmen für sich selbst und seine Lieben – all das und viel mehr bedeutet „Hygge“. Mit diesem Buch hast du es nun selbst in der Hand, „Hygge“ in dein Leben zu holen.
In ihm findest du mehr als 40 Näh-, Strick- und Häkelprojekte zum Wohlfühlen. Was kann hyggeliger sein als dein Handarbeitsprojekt, für das du den hektischen Alltag vergisst und in dem du bei einer Tasse Tee ganz versinken kannst? Es geht nicht um Perfektion – das Hauptziel ist „Hygge“. Und das Schönste ist: Wenn das Projekt fertig ist, verbreitet es weiterhin „Hygge“, noch jahrelang.
Neben den Handarbeitsprojekten bekommst du in kurzen Texten von der in Dänemark lebenden Autorin Carmen Wedeland einen authentischen, stimmungsvollen Einblick in den Hygge-Kosmos.

Mach’s dir hyggelig!

  • Gebundene Ausgabe: 172 Seiten
  • Verlag: Frech; Auflage: 1 (11. September 2017)
  • ISBN-10: 3772481183
  • ISBN-13: 978-3772481185
  • Preis: 19,99 Euro

Jetzt hier bestellen, im September freuen 🙂

Update, 30.05.17:
Als kleinen Vorgeschmack habe ich ein deutsch-dänisches Hygge-Lied veröffentlicht 🙂

Dark Sky und Weiße Nächte

Auf Møn sind die Nächte magisch.

In den nächsten Wochen wird das besonders spürbar sein. In den lauen Mainächten schlägt die Nachtigall, der Raps leuchtet kreidig-gelb unter dem Mond, und wer auf die Hügel von Høvblege steigt, sieht die Sonne hinter der Brücke versinken, die Møn und Seeland verbindet. Eine traumhafte Zeit, man möchte überhaupt nicht schlafen gehen.

Manchmal werde ich aber den Winter vermissen. Denn dann wölbt sich die Milchstraße am tiefschwarzen Himmel. Sterne glitzern in einem gigantischen Band, das aus dem Meer auftaucht und hinter den Bäumen verschwindet. Oft kann ich mich kaum losreißen, wenn ich in einer frostigen Nacht mein Auto auf unserem Parkplatz am Ostrand der Insel abstelle. Staunend gehe ich in den Innenhof, über dem Strohdach des alten Bauernhauses thront der Große Wagen. Sternbilder ziehen über mich hinweg, deren Namen ich nicht weiß.

Wahrheit oder Illusion? Ich denke daran, dass wir in die Vergangenheit des Weltalls sehen, denn das Licht der Sterne ist Jahrmillionen zu uns unterwegs.  Scheinbar kleine Nebel am Nachthimmel bestehen aus gigantischen Sonnen, die Lichtjahre voneinander entfernt sind. Ich schaudere, und nicht nur vor Kälte. Raum und Zeit wirbeln vor meinen Augen. Plötzlich wirken meine warmen Zimmer unwirklich, der Nachthimmel weist auf Dinge hin, die viel größer ist als unser kurzes Leben.

Fünftausend Sterne sieht man auf Møn mit dem bloßen Auge, sagen Experten.

In Kopenhagen, keine 80 km Luftlinie entfernt, sieht man etwa hundert Sterne. Hübsch, aber längst nicht so erhebend für Träumerinnen wie mich. Für Astronomen uninteressant.

Im März 2017 bekamen Møn und seine kleine Nachbarin Nyord offiziell „Gold“ für ihre Dunkelheit. Die International Dark-Sky Association verlieh den Inseln eine doppelte Auszeichnung: International Dark Sky Park (in Gold) und International Dark Sky Community. Hier die Pressemitteilung meiner Gemeinde zur Dark-Sky-Zertifizierung (auf Englisch). Weltweit gab es zu diesem Zeitpunkt nur 44 Dark Sky Parks, davon 9 in Europa.  (In Deutschland übliche Bezeichnungen sind z. B. Sternenpark oder auch „Lichtschutzgebiet“.)

In einem solchen Sternenpark herrschen besonders gute Bedingungen, um den Nachthimmel zu genießen. Und zwar nicht von selbst, denn wie das Beispiel Kopenhagen zeigt, verschwinden die meisten Sterne schnell hinter der ständigen Beleuchtung, die eine Stadt absondert. Lichtverschmutzung nennen das die Experten der IDA, und wie ich in den letzten Jahren gelernt habe, beeinträchtigt die nicht nur die Sichtbarkeit der Sterne, sondern auch unseren Schlaf sowie die Orientierung und den Lebensrhythmus vieler Tiere. Um die Dunkelheit zu schützen und Dänemarks erste Dark-Sky-Auszeichnung zu holen, hat eine Gruppe Engagierter hier vor Ort jahrelang Aufklärungsarbeit geleistet. Unter anderem wurden Lampen, die unnötig in alle Richtungen strahlten, gegen solche ausgetauscht, die nur den Boden beleuchten. Es gab Vorträge, Filme und sogar ein Pink-Floyd-Revival-Konzert am Hafenbecken von Klintholm Havn („Dark Side of Møn“). Heute sind auch schon Touristen hier aufgetaucht, die extra wegen dieser Auszeichnung anreisten, um die Sterne zu studieren.

Sie werden spät draußen sitzen müssen, denn jetzt, am Vorabend des 1. Mai, ist es erst nach 22 Uhr richtig dunkel. Und wenn ich morgens die Augen öffne, zwitschern die Vögel schon lange der Sonne zu. Nächste Woche beginnen hier die Weißen Nächte. Ich dachte früher, so etwas gibt es nur Richtung Polarkreis, und so extrem wie dort oben ist es in unseren Breiten natürlich nicht. Aber tatsächlich wird auch in Dänemark der Himmel von Mitte Mai bis Anfang August nie richtig dunkel. Die Sonne wandert nachts knapp unter dem Horizont entlang, und so sieht man Richtung Norden immer einen Schimmer am Nachthimmel. Heute war er um 21.45 gut zu sehen, hier ein Foto aus meinem Küchenfenster Richtung Nordwesten und daneben noch ein Foto vom 13. Juni letzten Jahres, Abendlicht um 23.15 Uhr:

Kommt es euch doch einmal ansehen: Weiße Nächte von Mitte Mai bis Anfang August, sternenübersäte Dunkelheit in den anderen Monaten. Oder nutzt die ersten lauen Nächte, um bei euch zu Hause den Sternenhimmel zu bestaunen.

Einen magischen 1. Mai wünsche ich euch allen!

P. S. Wer Dänisch versteht, erfährt hier mehr über den Sternenhimmel und den Dark-Sky-Zertifizierungsprozess auf Møn und Nyord: darksky-moen.dk

Ein dänischer Blog über den Sternenhimmel auf Møn und Nyord, geschrieben von Tom Axelsen, Vorsitzender des Astronomischen Vereins Sydsjælland und Initiator der Dark-Sky-Zertifizierung: http://grib-stjernerne.dk

Sieben Wochen ohne Facebook

Ich habe gefastet. Von Aschermittwoch bis Ostersonntag: Sieben Wochen ohne Facebook. Das war mein letzter Facebook-Eintrag am Faschingsdienstagabend:

Sieben Wochen Zeit. Zum Lesen, Schreiben, Spazierengehen. Um Freunde zu treffen oder zu telefonieren. Um öfter wegzukommen vom Computer. Darum versuche ich es jetzt mal: Sieben Wochen ohne Facebook. Von Aschermittwoch bis Ostersontag. Wer mich persönlich kennt – bitte haltet den Kontakt per Mail oder Telefon. Wer mich nicht wirklich kennt – wird mich vermutlich auch nicht vermissen. Euch allen eine gute Zeit.

Seit 2011 war ich auf Facebook unterwegs. 204 Freunde habe ich dort momentan. Und obwohl ich nur einen Bruchteil davon persönlich kenne, interessierten mich an jenem Abend doch die Reaktionen:

Facebook-Fasten, der Vorabend
Ich bleibe auf Facebook, auch als ich längst ins Bett will, nur um die Reaktionen zu beobachten.
Mehrere Likes in kurzer Zeit. Grüße und Ermunterungen diverser Bekannter. Eine sagt, sie könne Facebook genauso wenig entbehren wie Kaffee. Ich freue mich, dass ich vor Kurzem auch meinen Kaffeekonsum reduziert habe. Auch so eine Abhängigkeit.

Schreibe persönliche Nachrichten an einige Freundinnen, mit denen ich mich öfter über Facebook austausche und verabrede. Sie haben alle auch meine Mailadresse und Telefonnummer. Bitte um Verständnis, dass sie diese in Zukunft auch benutzen müssen, ich möchte ja gerne in Kontakt bleiben.

Endlich, ca. 23.30 Uhr: Ausloggen und Facebook-Lesezeichen im Browser löschen. Vom Tablet Facebook deinstallieren. Nicht dass ich morgen ganz automatisch wieder drin bin. Gehe ins Bett und fühle mich, als hätte ich einen langen Urlaub vor mir.

Ommmmm … Strand von Greve an einem frühen Freitagmorgen

Facebook-Fasten, Tag 1
Herrlich, wie viel Zeit ich ab jetzt haben werde.
Ist auch nötig, ich bin mit den Texten für einen Kunden hinterher. Heute werde ich stark aufholen.

Verbringe zuviel Zeit damit, alte Artikel in meinem eigenen Blog zu lesen.
Beantworte immerhin mehrere persönliche E-Mails gleich, statt sie monatelang im Posteingang schmoren zu lassen.

Lese im Freizeitmonitor 2016, einer Umfrage über die Freizeitaktivitäten im Jahresvergleich: Medien und Sport boomen – Zeit für Kontakte nimmt ab. Die meisten Deutschen wünschen sich mehr Begegnungen und Gespräche, verbringen aber die meiste Zeit vor Smartphone und Computer.

„Ihr interessiert mich schon, aber näher komm ich nicht!“

Ja, soziale Kontakte. Im letzten Jahr habe ich es (durch gezielte Bemühungen) geschafft, mir auf meiner Insel ein gutes kleines Netzwerk an Freundschaften aufzubauen. Leider habe ich sie alle in den letzten Wochen schon wieder vernachlässigt, aber das lag nun wirklich an den vielen Viren, die hier gerade grassieren. Jetzt muss ich meine Erkältungsisolation wenigstens zum Arbeiten nutzen.

Kaufe neue Musik im Internet. Hilft beim Arbeiten.
Eigentlich müsste ich auch Internetfasten machen. Wird aber schwieriger, denn das brauche ich zum Arbeiten.
16.00 Uhr: Endlich wirklich am Arbeiten. Mit guter Musik auf den Ohren.

Facebook-Fasten, Tag 2
Größten Teil des Tages unterwegs. Danach viel Zeit mit dem Lesen irgendwelcher Artikel im Internet verbracht. Aber immerhin, das fällt unter Wissenserweiterung (etwas fundierter als die üblichen Facebook-Memes).

Facebook-Fasten, Tag 3
Ganzen Tag kaum an Facebook gedacht. Nichts vermisst. Abends zum ersten Mal (wie schon lange geplant) um kurz nach zehn im Bett und tatsächlich noch über eine Stunde in einem guten Buch gelesen.

Facebook-Fasten, Tag 4
Schöner Offline-Tag. Vormittags genäht, nachmittags geputzt und eingekauft. Abends  wieder drei persönliche E-Mails sorgfältig beantwortet. So richtig auf die altmodische Art, mit Anrede, Bezug auf die empfangene Nachricht, Bericht über mein Leben, Wünsche für den anderen, Grußformel, fast so schön wie ein handgeschriebener Brief. Zuwendung. Wenn ich nicht so müde wäre, könnte ich jetzt glatt anfangen, das Manuskript gegenzulesen, das eine Bekannte mir gemailt hat. Aber das Risiko, dann wieder im Internet abzudriften … hmmm …

Facebook-Fasten, nach sieben Wochen
Ab Tag 5 hörte ich auf, über meine Erlebnisse mit dem Facebook-Fasten Tagebuch zu führen. Es erschien mir ganz normal. Ich hatte anderes zu tun. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass ich zuvor jeden Tag auf dieser Plattform war! Und dass in der Regel jedes Mal eine halbe Stunde damit herumging, auch wenn ich das gar nicht geplant hatte. Und dass ich in der Regel täglich mehrfach dort war. Obwohl ich es „nur“ am Laptop nutzte. Nicht auszudenken, wenn ich auch noch ständig am Smartphone hängen würde. Es waren ja so schon … wenn ich ehrlich bin … auf jeden Fall 300 Stunden im Jahr. Vielleicht sogar noch mehr. Deutlich mehr? Die Zeit könnte man nutzen, um ein ganzes Buch zu schreiben. Oder sieben Wochen Urlaub zu machen!

Habe ich durch den Facebook-Verzicht Zeit gewonnen?
Das will ich meinen – siehe oben! Ich habe nicht Buch darüber geführt. Aber ich habe in diesen sieben Wochen:

  • mehrere gute Bücher durchgelesen
  • das Manuskript einer Bekannten testgelesen und ausführlich kommentiert
  • ein paar arbeitsaufwändige Nähprojekte fertiggestellt
  • relativ viel gearbeitet (ergo, Geld verdient)
  • trotzdem noch einigermaßen Zeit für Freunde gehabt
  • und ein paar sehr schöne Wanderungen gemacht

Mein Kalender zeigt reichlich erledigte Termine und Aufgaben, mein Posteingang ist überschaubar. Komischerweise ist meine To-Do-Liste noch genauso lang wie im Februar. Man kann halt nicht pausenlos produktiv sein.

Was habe ich sonst noch gewonnen?
Zwei große Vorteile, mit denen ich nicht gerechnet hatte!

  • Die Nackenschmerzen sind weg, die mich seit letztem Herbst geplagt hatten. Sie begannen im September, als ich von meinen Rezeptionsjobs (viel stehen, gehen und Sachen herumtragen) wieder an den Schreibtisch wechselte. Im Winter war es so schlimm, dass ich bei längeren Autofahrten wirklich litt. Der Arzt tippte auf Maus-Hand. Seit ich nicht mehr ständig scrolle und klicke, sind die Schmerzen weg. Und ich will sie auf keinen Fall wiederhaben.
  • Ich schlafe um Längen besser! Das kann daran liegen, dass ich mir nicht mehr ständig das Gefühl antrainiere, ich könnte etwas verpassen. Dass ich weniger blaues Bildschirmlicht abbekomme. Aber auch daran, dass ich früher ins Bett gehe und lese, um vom Tag abzuschalten (für sowas habe ich ja jetzt Zeit). Oder es liegt daran, dass ich abends weniger esse. Egal, ich freue mich sehr darüber, denn jede suboptimale Nacht führt zu einem suboptimalen Tag.

Was habe ich ohne Facebook vermisst?
Da war tatsächlich einiges:

  • Das Gefühl, einfach mal Zeit zu verschwenden. Ich habe (wieder mal) gemerkt: Ich kann nicht immer produktiv sein, ich kann mich nicht mal immer „gezielt erholen“, ich WILL auch mal Zeit verplempern, sonst fühlt sich der Tag so vollgestopft an. Ich mache das jetzt ein bisschen auf anderen Wegen, meist lande ich bei irgendwelchen Nähvideos oder Stoff-Webshops – zum Glück ohne ständig dabei was zu kaufen 😉
  • Die Möglichkeit, schnell etwas nachzufragen. In der Møn-Gruppe: wie lange man wohl an einem Freitagmorgen Richtung Kopenhagen braucht. In der Nähgruppe: eine Umfrage für einen Text, an dem ich gerade schreibe.
    Die Updates aus einigen Schreibgruppen über Literaturausschreibungen, den Austausch über Buchprojekte, die gegenseitige Ermutigung von Autoren.
  • Die Möglichkeit, etwas über Leute zu erfahren, die mir begegnen, oder nachzusehen, wie es Bekannten geht. (Wobei das Gepostete ja nur ein Ausschnitt ist – ein persönliches Gespräch ist besser.)
  • Die Möglichkeit, meinen Blog bekannter zu machen. Früher habe ich jeden Blogeintrag auf Facebook beworben. Seit ich das nicht mehr tue, habe ich deutlich weniger Leser und weniger Austausch, denn die meisten scheinen lieber auf Facebook zu kommentieren als auf meinem Blog selbst. Vermutlich, weil auch hier Facebook niedrigschwelliger ist.
  • Die Möglichkeit, meine Lieblingsbilder von Møn in Facebook-Alben zu teilen. Ich hatte ja nun wieder Zeit für Spaziergänge und Hunderte Fotos von Kreidefelsen, Stränden und Städten gemacht. Die kann ich doch nicht alle in diesen Blog quetschen?
  • Und, last but not least: Das informelle Beisammensein, das Gefühl, man ist nicht allein. Auf Facebook ist immer irgendwer für lustige Kommentare oder einen kurzen Chat greifbar. „Soziale Medien“. Niedrigschwellige Geselligkeit. Aber genau die führt, glaube ich, dazu, dass viele abends am Bildschirm hängen, statt mit ihren Mitmenschen live oder telefonisch zu kommunizieren.

Jetzt – überraschend schnell – sind die sieben Wochen rum. Na gut, minus einen Tag. Es ist Ostermontag, die Fastenzeit ist vorbei. Noch war ich nicht wieder auf Facebook. Erstmal zeige ich noch ein paar Fotos 😉 – auch dies habe ich in den letzten Wochen neu entdeckt, bei Spaziergängen mit Freundinnen:

Soll ich jetzt wieder auf Facebook gehen?
Ich schwanke. Ja, ich hätte große Lust, diesen Blogeintrag zum Facebook-Fasten auf Facebook zu bewerben 😉 Ich bin auch neugierig, ob viele persönliche Nachrichten aufgelaufen sind, obwohl ich versucht hatte deutlich zu machen, dass ich über diesen Kanal nicht erreichbar bin.

Tag 1 nach dem Fasten, 15.28 Uhr
Also gut. Ich gehe wieder auf Facebook. Ich muss ja den Post vom Faschingsdienstag kopieren, um ihn an den Anfang dieses Beitrags zu stellen. Was habe ich verpasst?

  • Eine Freundschaftsanfrage von jemand, den ich nicht kenne. Wir haben fünf gemeinsame Freundinnen, von denen ich nur eine im echten Leben getroffen habe. Erstmal ignorieren.
  • Sechs persönliche Nachrichten. Darunter eine Geburtstagseinladung, die ich später per Mail nachgereicht bekam (es war eine wirklich schöne Feier). Einen nützlichen Linktipp von einer Bekannten, ich merke mir die Webseite für später. Der Rest ist vergleichsweise belanglos.
  • 74 gemischte Benachrichtigungen. Interessant: Die Vorankündigung eines Schreibwettbewerbs, aber dessen Homepage hatte ich eh schon unter Beobachtung. Nettes Geplauder in der Schreibgruppe. 21 „Gefällt mir“ für meine Facebook-Abstinenz-Ankündigung. Der Rest ist irrelevant.

Zeitverbrauch, um das alles zu sichten: eine halbe Stunde.
Und ich habe noch keinen Blick in meine Timeline geworfen.

Tag 1 nach dem Fasten, 15.57 Uhr
Ich riskiere einen Blick in meine Timeline. Ganz oben ein Katzenbild von einer Freundin. Darunter weitere Beobachtungen dieser Freundin, soweit ganz schön. Werbung von Samsung. Mehrere Freundinnen teilen ein Video über ein Recyclingprojekt in Schweden.
Ein Bericht fesselt mich, eine Autorin berichtet von ihren Erfahrungen mit einer Autismus-Spektrum-Störung, ich lese mich in den Kommentaren fest und erwäge, ihr zu schreiben. Lasse es dann doch, sonst muss ich ja später wieder checken, ob ich eine Antwort bekommen habe.
Zurück zur Chronik, nun erwartet mich ein Essensfoto und Werbung für Slipeinlagen. Facebook verbiegt sich wirklich in jede Richtung, um meine Interessen zu treffen. Darunter Fotos aus einer Nähgruppe, Kommentare zu den Schuhen einer Bekannten, Muffinfotos und Diskussionen über den Sinn und Unsinn von Ostern. Bleibe an viel zu vielen Bildern aus der Nähgruppe hängen, schon wieder ist fast eine halbe Stunde rum.
Noch einen Klick auf die neuesten Katastrophenwarnungen aus dem Yellowstone National Park. Vielleicht fliegt uns bald das ganze Magma um die Ohren.
Das Leben kann sehr kurz sein.
Zu kurz für so viel Facebook.

Jetzt ist es 16.30 Uhr.
Eine ganze Stunde für zwei-drei interessante Infos. Die ich vorher nicht vermisst hatte.
Eine Stunde unverbindlicher Zeitvertreib. OK für Regentage, an denen man all das geleistet und erlebt hat, was man sich wünschen kann.
Für alle anderen Tage zuviel.

Tag 1 nach dem Fasten, 17.02 Uhr
Mist. War ich eben schon wieder eine halbe Stunde auf Facebook?
Keine Ahnung, was ich da gemacht habe.

Und ich habe ja schon versucht, mich zurückzuhalten. Früher hätte ich diese eine Stunde, nein ANDERTHALB STUNDEN, JEDEN TAG verplempert, vielleicht sogar mehr. Mal am Stück, mal durch ständige Unterbrechungen meiner sonstigen Tätigkeit, weil die Ablenkung ja immer nur einen Klick weg ist. Und die Jungs wissen, wie sie einen festhalten.

Ich glaube, ich werde meinen Facebook-Konsum weiterhin stark einschränken.

Vielleicht zweimal im Monat, wenn ich etwas gebloggt habe, reingehen und den Eintrag bewerben. Damit ihr dann entscheiden könnt, ob ihr euch weiter von Facebook  ablenken lasst oder von meinem Blog 🙂

Danach meinetwegen eine Stunde herumlesen, aber NICHT MEHR.
Am besten geh ich nur noch auf Facebook, wenn ich kurz danach aus dem Haus muss. Mit Wecker, damit ich den Termin nicht verbummele.

So, dann geh ich diesen Eintrag mal bewerben, mal schauen, wie viele Likes ich dafür bekomme 🙂

Wie nutzt ihr Facebook denn so?
Oder wie geht es euch mit anderen „sozialen Medien“?

Frohe Ostern und einen guten Frühling euch allen!

Ich werde noch ein bisschen integrierter

Nun wohne ich schon über drei Jahre auf meiner dänischen Insel. Und das hat Spuren hinterlassen …

Und jetzt … werde ich noch ein bisschen integrierter:

Ernährung und Gesundheit

Kompott oder Kuchen? Egal, es schmeckt!

Habe fast ohne Hilfestellung eine sahnebedeckte Glasschüssel als Apfelkuchen identifiziert. Das entscheidende Indiz ist das Kompott mit Semmelbröseln, das unter der Sahneschicht ruht. Man füllt den „Kuchen“ auf seinen Teller und isst ihn mit dem Löffel, manche mischen Brombeermarmelade darunter. Oder man bekommt ihn gleich portionsweise im Weinglas serviert.

Wichtig bei solchen Süßspeisen: Habe jetzt auch einen Zahnarzt hier.

War diesen Winter auch mehrmals beim Hausarzt: Hatte mich der  Schnupfenverseuchung meiner Insel angeschlossen und fünf Wochen mit Erkältung und Bronchitis gekämpft. Die ebenfalls trendige Grippe mit Lungenentzündung nehme ich mir für nächstes Jahr vor.

Verkehr

Schee war’s scho … Wintertour nach München

Fühlte mich nach einer vierwöchigen Deutschlandtour ganz befreit, als ich die dänische Grenze passiert. Mit der zugelassenen Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h zog mein Toyota Aygo nun wieder in aller Seelenruhe an den anderen Kleinwagen vorbei, ohne dass ihn die Schweinwerfer eines BMWs von hinten bedrängten.

Bin die Kurven meiner Heimathügel so oft gefahren, dass mein Autochen auch bei Nebel unter zwei Metern Sichtweite den Weg nach Hause findet. Augen geschlossen halten und an der Grasnarbe entlangtasten  …

Freundschaft über Generationen

Gemeinsam geht sich’s besser: Wandern am Strand von Ulvshale

Habe neben reichlich Rentnern nun auch mehrere Mittvierziger in meinem Freundeskreis vor Ort.

Habe den Rentnern Dinge über ihre Insel sagen können, die sie noch nicht wussten. (Ein- oder zweimal. Die anderen fünftausend Mal, die wir uns unterhalten haben, war es umgekehrt.)

Bekomme auch auf deutschen Webseiten raffinierte dänische Werbung eingeblendet. Oft mit dem Vorschlag, eine ältere Frau mit erstaunlicher Oberweite zu treffen, die ganz  in meiner Nähe wohnt. Oder mit dem Angebot, 7000 Dollar am Tag zu verdienen, so wie der hilfsbereite Millionär im Nachbardorf, dessen amerikanischen Luxusschlitten ich bis heute vergebens zwischen den Fachwerkhäuschen suche.

Arbeit

Auch wenn ich zu viel arbeite … das Leben hier fühlt sich nach Urlaub an.

Habe die Suche nach der Dollarmillion aufgegeben und schon für sieben Kunden in Dänemark gearbeitet: zwei Verlage, ein Museum, ein Theater, eine Nähschule, eine Pension und einen Vergnügungspark. Recht viele, wenn man bedenkt, dass ich hier nur Urlaub machen wollte 😉

Habe ein telefonisches Bewerbungsgespräch auf Dänisch bestanden: Der achte Kunde wird ein Marktforschungsunternehmen.

Politik und Gesellschaft

Vordingborg, 1353 Geburtsort der Königin Margarethe I., ab 2017 Sitz einer von mir mitgewählten Gemeindevertretung

Darf im November zum ersten Mal bei dänischen Kommunalwahlen mein Kreuzchen setzen. Habe also angefangen, das dänische Parteiensystem zu studieren.  Weiß  schon Folgendes: Venstre, wörtlich „die Linke“, ist die rechtslastige liberale Partei.  „Radikale Venstre“ sind weder links noch radikal.

Venstre wird auf dem Stimmzettel mit V markiert, Radikale Venstre mit B. Die Sozialdemokraten mit A, die „Enhedsliste“ mit Ø, „Liberal Alliance“ mit I.

Bei der letzten Kommunalwahl zogen zehn Parteien in den Gemeinderat ein. Weiß nicht, ob ich bis November mit dem Studieren fertig bin.

Update, Januar 2018: Ich werde weiter integriert!

Frühjahrsgedanken-Gartenspaziergang

Heute beginnt der Frühling.
20. März, der Zeitpunkt der Frühjahrs-Tag-und-Nacht-Gleiche.
Ein Wort, das zum Innehalten auffordert: im Deutschen schon durch seine Länge, im Dänischen durch seine liebevoll herausgeputzten Buchstaben: forårsjævndøgn.
Ein Moment, der zum Meditieren einlädt: zum Betrachten, Orientieren und Neu-Aufbrechen.

Ich wache, ganz untypisch für mich, zwei Stunden vor dem Weckerklingeln auf; um sechs Uhr gebe ich auf und verlasse das Bett, denn es ist schon lange hell. Endlich spüre ich wieder Energie, nach der langwierigen Erkältung vom Februar. Grüngoldenes Licht liegt über dem Feld, die Osterglocken vor dem Haus sind wieder ein Stück weiter, zum ersten Mal sehe ich eine Tannenmeise am Steinwall herumhüpfen. Vielleicht sucht sie einen Nistplatz für die Brutsaison. Beim Frühstück höre ich dem Vogelkonzert zu, das Gezwitscher wird jeden Morgen lauter.

Mittags gehe ich in den Garten, um Material für einen Kranz zu sammeln. Das mache ich alle sechs bis sieben Wochen, um den Beginn einer neuen Jahreszeit zu würdigen, gerechnet nach dem Kalender verschiedener Naturreligionen. Vor sechs Monaten habe ich damit begonnen, zur Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche, als der Garten vor Hortensien und anderen rosa Blüten nur so überquoll. Auch Halloween und die Weihnachtszeit boten Material genug, selbst an Lichtmess entstand ein schöner Kranz (Fotos in meinem Beitrag Ein Kranz für jede Jahreszeit). Mir hilft dieses Ritual, mich zu erden und Orientierungspunkte im Jahr zu schaffen. Ich sehe genauer hin, was draußen vor sich geht, und hole mir ein Stück Natur ins Haus, um mich daran zu erinnern, in welchem größeren Zusammenhang ich lebe.

Ich bin gespannt, was der Garten diesmal hervorgebracht hat. Nachdem letzte Woche doch ein paarmal die Sonne schien, sollte einiges geboten sein; wir haben hier Wiesen, einen Obstgarten, einen Innenhof mit Pflanzenkübeln und diverse Beete und Gebüsche.

Es sieht tatsächlich sehr frühlingshaft aus, Schneeglöckchen und Winterlinge sind immer noch reichlich am Blühen, dazu einiges an Krokus und seit einer guten Woche auch ein Teppich von Leberblümchen in einer schattigen Ecke – die „blaue Anemone“, das Sehnsuchtsobjekt vieler dänischer Frühlingslieder.

Leider werden all diese Blumen keine Stunde an meinem Kranz frisch bleiben. Ich suche weiter, auf den ersten Blick sehe ich nichts Geeignetes, aber es ist schön, so herumzustreifen. Ich rieche Gras;  Moos und Farn federn unter meinen Füßen, viele Bäume beginnen auszutreiben, soll ich lieber eine Vase mit Zweigen füllen?

Aber der Kranz ist so ein gutes Symbol für den Jahreskreis, das immer wiederkehrende Werden und Vergehen, die Sonne, den Kosmos, die Unendlichkeit. Ich suche langsamer weiter, versuche mich von meinen Vorstellungen freizumachen, mich einzulassen auf das, was vor mir liegt. Loslassen und hinhören, genau wie im Leben, genau wie beim Geschichten-Schreiben, dann entstehen die erfreulichsten Überraschungen.

Hinter der Scheune entdecke ich eine Ansammlung kräftiges Grün. Ich glaube, es sind Hostas, ledrige, speerförmige Blätter mit gelbweißen Adern. Sie lachen mich aus dem fahlen Grasteppich an. Ich bedanke mich und schneide vorsichtig zwölf Blätter ab, so viel können die Hostas gut entbehren. Zwölf Blätter, zwölf Monate. Die Grundlage für den Kranz ist gelegt. Was weiter? Im Obstgarten finde ich noch eine Anhäufung der gleichen Hosta-Art. Ich schneide noch einmal zwölf Blätter ab. Man braucht immer mehr Material, als man denkt.

Jetzt nur noch ein paar Verzierungen. Im Beet vor dem Haus strahlt mich der Hartriegel an, tiefrote, gerade Zweige voller Energie, ich nehme sechs Spitzen mit. Wenige Meter entfernt eine kleine Trauerweide mit Kätzchen, puschelig-weich in der hängenden Baumkrone, ich nehme wieder sechs Zweige mit. Aus dem Innenhof noch ein paar leuchtend gelbe Blätter und dunkelbraune Samenstände. Ich danke dem Garten, der mir wieder genug Material geschenkt hat.

In der meditativen Stimmung, in der ich jetzt bin, vertraue ich darauf, dass mir meine Insel auch für mein Leben genug Nahrung schenken wird. Ich brauche noch weitere Aufträge (sprich: Geld) und mache mir manchmal durchaus Sorgen, wie es weitergehen soll. Aber wie schon immer: Es wird sich etwas finden. Wie viel ist nicht schon im letzten halben Jahr, seit der Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche, passiert? Ich habe ein halbes Kinderbuch geschrieben, war auf einer langen Deutschland-Besuchsreise, habe eine neue Freundschaft geschlossen … und seit Jahresbeginn zwei neue Teilzeitjobs gefunden, einfach indem ich auf Chancen reagiert habe. Planen und Steuern ist gut, aber der Intuition folgen und die Möglichkeiten wahrnehmen, die sich einem bieten, ist noch besser und führt zu erfreulichen Überraschungen 🙂

Ein Glückskäfer-Gast war auch dabei 🙂

Mit dem gut gefüllten Sammeleimer geht es nun ans Basteln. Ich stecke Hosta-Blätter rund um den Kranz-Rohling aus Stroh, so dass die Spitzen die Stiele überdecken. Währenddessen lasse ich die Gedanken treiben. Zwölf Blätter wollte ich außen herum verteilen, doch es reichen schon acht: Jahreszeitenfeste statt Monate, passt auch sehr gut. An der Kranz-Innenseite reichen sieben Blätter: die Zahl des Zaubers, Magie für die Mitte meines Lebens, das gefällt mir. Nun habe ich einen „Joker“, ein zusätzliches Blatt, und kann auf der Oberseite des Kranzes ganze neun Blätter flächendeckend verteilen. Eine Antwort der Natur? Leben aus dem Überfluss? Ich nehme das gern als Zusage für die nächsten Wochen und schmücke meinen Kranz mit neuer Freude fertig. Er sieht ziemlich wild aus, die Hartriegel-Zweige und die Kätzchen-Büschel jagen einander in wilden Paaren rund um den Kranz – auch passend zu diesem Tag, der ja auch ein Symbol für Fruchtbarkeit und Ekstase sein kann 🙂

Falls ihr bis hierher Geduld hattet zu lesen, erkennt ihr vielleicht die Anklänge meiner „Gartenmeditation“ an das Tarot, an Trommelreisen oder andere Wege der Erkenntnisgewinnung. Wahrsagerei? Ich glaube, diese Gedanken können wahr werden – wenn ich daran glaube und wenn ich entsprechend handle. Damit habe ich ja gerade begonnen. Im Dialog mit den Dingen, die sich um mich herum auftun.

Gestärkt und geerdet mache ich mich an die restlichen Projekte des Tages. Ich bin gespannt auf die neuen Wunder, die das Jahr für mich bereit hält. Und was soll ich sagen? Schon wenige Stunden später kommt eine Anfrage für ein neues, spannendes Projekt, genau von der Art, wie ich es mir erhofft hätte, und doch überraschend anders! Wenn es konkret wird, verrate ich mehr – ich glaube, die Magie wirkt schon mitten in meinem Leben 🙂

Welche Erkenntnisse gewinnt ihr im Gespräch mit der Natur?
Was bedeutet der Frühlingsbeginn für euch?

Dänische Lieder übersetzt: Ingemann, I sne står urt og busk i skjul – Der Schnee bedecket Busch und Baum

Kennt ihr dieses Gefühl: Ihr lest ein Gedicht und taucht sofort in eine andere Welt ein? Erkennt Stimmungen, spürt Dinge, die ihr selbst nicht schöner oder schmerzlicher in Worte fassen könntet? Manche werden jetzt den Kopf schütteln und wegklicken – Lyrik, wen interessiert das schon … Die meisten von uns hören allerdings gern Musik, und auch gute Lieder wirken noch besser durch ihre guten Texte – wenn wir sie denn verstehen.

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Lise Meijer, Der Raum zwischen uns (www.lisemeijer.dk)

Ich sammle Gedichte und Liedtexte, die mich faszinieren. Und manchmal übersetze ich sie auch, vom Dänischen oder Englischen ins Deutsche. Für mich ist das wie Sudoku, eine reizvolle Herausforderung.

Für die wenigen, die mein Interesse teilen, hier nun ein Klassiker des dänischen Liederschatzes, von mir frisch übersetzt. An der Grenze von Winter und Frühling passen die Verse gut zum heutigen Tag, auch wenn ich hoffe, dass es nun nicht noch einmal schneien wird … Liebe Grüße von der Insel!

Der Schnee bedecket Busch und Baum

Der Schnee bedecket Busch und Baum,
die Welt liegt starr in Schweigen.
Ein Vogel singt, du siehst ihn kaum
auf weiß beladnen Zweigen.

Geduld! Er singt in stillem Glück
und schüttelt sein Gefieder,
Geduld! Der Frühling kehrt zurück,
die Blumen blühen wieder.

Geduld! Bald wächst des Lebens Baum
aus grün gewordnen Erden,
Geduld! Bald soll dein schönster Traum
in Wahrheit sichtbar werden.

Geduld! Bald flieht des Geistes Nacht
und Sonne füllt den Garten.
Geduld! Schon bald kommt Gottes Pracht,
das Reich, das wir erwarten.

B. S. Ingemann 1831.
Übersetzt von Carmen Wedeland 2017.

Illustrationen auf dieser Seite mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin Lise Meijer. Das Originalgemälde „Der Raum zwischen uns“ hängt in meinem Schlafzimmer, weitere Malereien, Poster und Kunstkarten gibt es in ihrem Webshop: www.lisemeijer.dk

Und hier der dänische Originaltext. Der Autor, Bernhard Severin Ingemann (1789 – 1862), war ein dänischer Schriftsteller, der romantische Lyrik, historische Romane und religiöse Gedichte verfasste. Mehr über ihn steht z. B. im deutschen Wikipedia-Eintrag.

Das Gedicht wurde von J. P. E. Hartmann vertont (der bisher nur einen dänischen Wikipedia-Eintrag hat); wer die Melodie hören will, kann den dänischen Titel bei YouTube eingeben und sich eine Chor- oder Klavierversion aussuchen.

Wer eine andere deutsche Übersetzung kennt: Ich würde mich freuen, davon zu hören.

I sne står urt og busk i skjul

I sne står urt og busk i skjul,
det er så koldt derude,
dog synger der en lille fugl
på kvist ved frosne rude.

Giv tid! giv tid! – den nynner glad
og ryster de småvinger,
giv tid! og hver en kvist får blad,
giv tid! – hver blomst udspringer.

Giv tid! og livets træ bli’r grønt,
må frosten det end kue,
giv tid! og hvad du drømte skønt,
du skal i sandhed skue.

Giv tid! og åndens vinterblund
skal fly for herlig sommer,
giv tid! og bi på herrens stund,
– hans skønhedsrige kommer.

B. S. Ingemann 1831.

Update, 09.12.17:
Passend zu Herbst, Winter und Weihnachten habe ich hier die Übersetzung eines weiteren Klassikers: Grundtvig, Skyerne gråner – Grau sind die Wolken

Bauernregeln für Autoren 2017

Bauern haben seit Jahrhunderten den Bauernkalender, mit dem gereimten Erfahrungsschatz von Generationen. Für Schriftsteller gibt es jetzt ähnliche Leitlinien, gesammelte Weisheiten aus einer vergilbten Ideensammlung auf meinem Computer dem Almanach meiner Urgroßmutter. Aus dem Sütterlin übertragen und liebevoll für euch neu illustriert. So wird das Jahr 2017 – für angehende Autorinnen und Künstler aller Couleur:

99 Naturaufnahmen

… und ein paar Innenansichten meiner Lieblingsinsel Møn, zusammen mit ein paar Grüßen von der Nachbarinsel Seeland. Mehr sag ich nicht! Das Leben ist schön hier, auch im Herbst und Winter. Kommt uns doch mal besuchen 🙂

P. S. Ich habe diese Gegend schon öfter porträtiert:
Nur schnell ein paar Fotos
Die Schönheit des Augenblicks
Noch mehr Momentaufnahmen aus Møn
Hundert bunte Inselbilder
75 Frühsommerfotos
93 Dänemark-Bilder
22 Winter-Visionen

Vier Fragen, die Schreibanfänger zur Verzweiflung bringen

Fragen über Fragen und nie genug Antworten

Fragen über Fragen und nie genug Antworten

Als ich nach Møn kam, um zu schreiben, erzählte ich jedem von meinem großen Roman. Einem Buch voll Bedeutung, ich musste es nur noch verfassen. Für Frühbesteller gäbe es Autogramme, ausnahmsweise umsonst.

In Wirklichkeit wollte ich mich natürlich nur unter Druck setzen. Das ist mir gut gelungen. Jetzt erwarten manche Menschen Ergebnisse, sie fragen mich schwierige Dinge. Dabei habe ich immer noch kein Buch fertig; ich bin halt faul, unfähig und erfolglos noch nicht soweit.

Ich verzweifle an ungeahnten Herausforderungen. Und an so manchen freundlichen Fragen:

vier-fragen-an-schreibanfaenger-roman-handlungsplan-inselauszeit-blog

Romane schreiben mit System: Ich habe es wirklich versucht.

1. „Wie weit ist dein Buch?“
Siehe oben. Fragt nicht. Es ist nicht fertig. Dafür habe ich drei neue angefangen und … ach, ist ja auch egal. Ich weiß nur eines: Ich werde berichten, wenn es etwas zu berichten gibt.

2. „Wie schreibt man denn einen Roman?“
Ganz ehrlich … ich habe keine Ahnung. Ich kann euch erzählen, wie ich das angehe. Von meinem Drei-Meter-Handlungsplan, vom Weltenbauen, von der Figurenentwicklung. Aber vielleicht ist das nur die Anleitung, wie man einen Roman nicht schreibt, sondern nur unendlich viel daran arbeitet.

In meinem Kopf ist ... bunter Nebel. Und den bringe ich auch zu Papier!

In meinem Kopf ist … bunter Nebel. Und den bringe ich auch zu Papier!

3. „Warum schreibst du kein Buch über Marsmännchen?“
Oder über Fußball? Oder über euren Hund? Ich verstehe diese Frage nicht. Die Themen interessieren mich nicht. Wir brauchen keine weiteren Bücher über Marsmännchen, Fußball und Hunde. Wir brauchen Bücher über Kreidefelsen und Fantasy-Fossilien, Elfenschlösser und irre Insekten. Wenn ich sie geschrieben habe, werdet ihr das verstehen.

vier-fragen-an-schreibanfaenger-carmen-wedeland-leipziger-buchmesse-2015-inselauszeit-blog

Schreibanfängerin, unberühmt und noch frohgemut, vor ihrem ersten Besuch der Leipziger Buchmesse

„Wusstest du, dass Günter Grass auch oft hier war?“
Ja, habe ich schon mal gehört. Und diese Frage verstehe ich sogar. Er kam nach Møn, ich kam nach Møn. Er war Deutscher, ich bin Deutsche. Er hat geschrieben … ihr wisst schon. Wir sind quasi seelenverwandt. An dieser Frage verwirrt mich nur, dass wir uns nie getroffen haben, als er noch lebte.

Wenn ich in 30 Jahren den Nobelpreis gewinne, werde ich alle Schreibanfänger in der Nachbarschaft zum Kennenlernen einladen. Dann dürfen sie sogar Fragen stellen. Aber vorher bitte nicht 😉

Gutes Jahr – schlimmes Jahr?

Neulich sah ich einen Jahresrückblick im deutschen Fernsehen.
Ich war tief erschüttert.
2016, das Jahr von Terror, Krieg und Leid.
Das einzig Positive sollten ein paar Sportwettkämpfe gewesen sein, die eventuell mit weniger Doping auskamen als die anderen.
War 2016 denn nur schlimm?
Was ist mit all den guten Dingen, die passierten? All die heldenhaften Einsätze, rührende Mitmenschlichkeit, wissenschaftlichen Erkenntnisse, Entwicklungen in Kunst und Kultur?

Facebook-Bekannte flehten in den letzten Wochen das Jahr an, endlich aufzuhören. Manche waren von jedem Attentat so erschüttert, als sei ihr eigenes Umfeld in Bomben zerfetzt worden.

Ich habe 2016 wohl auf der Insel der Glückseligen verbracht.
Es war eins der schönsten Jahre in meinem Leben.
Ich sah nicht fern und las nur dosiert Nachrichten.
Ich fand neue Freundschaften und neue Aufgaben, lebte in einem glücklichen Flow aus Kreativität und Naturgenuss.
Ein Jahr voller Pläne, die in Erfüllung gingen – und ein Jahr voller Wunder, mit denen ich nie gerechnet hätte.

Wie war euer Jahr 2016?

Heute sehe ich auf Facebook, dass die meisten meiner Bekannten sich gern an 2016 erinnern. Sie danken Freunden und Familie, sie feiern Erfolge und stoßen auf die Zukunft an. Im weltweiten Vergleich leben wir in Luxus und Sicherheit. Wer keine persönlichen Schicksalsschläge hinnehmen musste, kann in Ruhe seine Kinder großziehen, seine Projekte vorantreiben, das Leben genießen.

Welche Ziele habt ihr verfolgt, was ist gut gelungen, wofür seid ihr dankbar?

Ab morgen schreiben wir 2017.
Krieg und Leid werden nicht aufhören, die gibt es seit grauer Vorzeit.
Was tun wir, wenn die neuen Schrecken über die Welt hereinbrechen?
Werdet ihr im Minutentakt Nachrichten konsumieren, vor lauter Sorge nicht schlafen  und all das Gute vergessen, das jeden Tag geschieht? Das hilft niemandem außer den Terroristen.
Werdet ihr hinausgehen und Gutes tun? Euren Besitz verschenken, euer Leben für die Opfer einsetzen?

Manchmal denke ich, das müsste ich tun. Alles aufgeben und alles daran setzen, Leiden zu lindern und dem Bösen zu begegnen. Doch wie ich mich kenne, werde ich so konsequent nicht sein. Auch 2017 werde ich mein Leben genießen und kreative Projekte verfolgen. Für fernes Leiden spenden und im nahen Umfeld Gutes tun.

Das ist vielleicht nicht die beste Lösung. Aber die schlechteste ist es auch nicht.

Wie wollt ihr euer Jahr gestalten, damit es gelingt?

Macht den Fernseher aus, kümmert euch um eure Mitmenschen und lebt euer Leben, so gut ihr könnt!
Alles Liebe für 2017  ❤